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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 27 (sequence 30)
Language
German
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Herrn gegangen war, um der Feier auszuweichen und für seinen toten König zu beten. Der Sterbende stürzte über den Altar wie ein geopfertes Tier, riesenhaft und noch im Tode gewaltig; das Sinnbild einer Zeit, die vergangen war. Karl Glaser. Grosse Fahrten. Die großen Fahrten liegen hinter uns, und wir sind bemüht, das auf ihnen Erlebte und Erfahrene noch einmal zu überdenken und nutzbar zu machen. Es ist keine fruchtlose Arbeit. Sind es doch gerade diese Wanderungen, auf denen wir jüdische Gemeinschaft wahrhaft und tief empfinden. Hier bejahen wir das Judentum in uns, hier vermag einer dem andern sich restlos hinzugeben und Freundschaften zu schließen. Die großen Fahrten liegen hinter uns und wir sind erfüllt von Erinnerungen und Dankbarkeit für die Schönheiten, die sich uns erschlossen haben. Wir blättern in unseren Tagebüchern: Auch das dem Gedächtnis Entschwundene, scheinbar Unwichtige birgt die Süße eigenen Erlebens und ist schon aus diesem Grunde als persönlichstes Eigentum wertvoll. Ein Bild schließt sich an das andere, ein Tag wird durch den anderen neu geboren, wir durchleben die ganze Wanderung, die Erinnerung knüpft an frühere Fahrten an, und wir dürfen schwelgen in dem neuen Schatz, den wir uns erworben haben. So geht es uns auch heute: Der Name irgend eines kleinen Dörfchens an der Tauber ist uns entfallen. Einer hat ihn behalten. Und dann: „Weißt du noch? Erinnerst du dich noch des Tages?" — Und eine wehmütige Freude läßt unser Herz höher schlagen. Es war am siebenten August, und wir hatten schon ein ordentliches Stück Weg hinter uns, als wir am Spätnachmittag zwischen Tauberbischofsheim und Mergentheim die Tauber flußaufwärts begleiteten. Am Morgen hatten wir noch Würzburgs Wahrzeichen; das Schloß, an dessen Fuße ein edler Wein wächst, von ferne leuchten sehen, am Abend durchzogen wir das lieblichste aller Täler, das die Natur mit verschwenderischem Reichtum ausgestattet hat. Wohlhabende Dörfer, überragt von den 27

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