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Blau-Weiss-Blätter · 1925-01-01 · Editorial · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1925)
Issue
Editorial
Date
1925-01-01
Page
Seite 24 (sequence 27)
Language
German
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Die erzenen Tore der Burg dröhnten von heftigen Schlägen. Laut tönte von unten die Stimme Joabs, der Einlaß forderte. Benajah suchte zu verhandeln. „Oeffnet, oder es gibt Mord!" rief der Feldhauptmann zurück. „Schämst Du Dich nicht, Joab, den Frieden Deines sterbenden Herrn zu stören?" „Was Frieden?! Ich stürme die Mauern, wenn Du nicht aufmachst!" Kreischend flogen die Flügel des Tores auseinander. Joab stampfte die langen Gänge hinunter zum Vorzimmer des Königs. Sein Anhang füllte die Räume des Schlosses mit wüstem Geschrei. Joab blickte sich um: „Wo ist Nathan, der Verräter?" Der Prophet trat ihm entgegen: „Du schlägst schnell, Joab, aber ich hätte von Dir mehr Ehrfurcht vor Deinem König erwartet!" „Spare die Predigt, auf die Knie, Priester, Dein König steht vor Dir!" Aus der Menge trat ein Mann von riesiger Größe in blauem und roten Purpur; um sein Haupt schlang sich ein Diadem, das mit Smaragden und Rubinen besetzt war. Nathan betrachtete ihn mit stillem Vorwurf: „Was soll der Reif, Adonijah, kannst Du den Tod Deines Vaters nicht erwarten?" „Damit Du meine Erstgeburt dem Knaben Salomo verkaufst? Jetzt bin ich Herr! Spürst Du das Schwert über dem Nacken? Adonijah hob drohend die Faust. „Du hast die Macht", erwiderte Nathan, „übe sie, wie Du willst, aber erlaube uns, eh' Du uns tötest, unseren Herrn David zu beweinen, der uns ein gütiger König war!" Ein paar weißbärtige Krieger schluchzten wie Kinder. Joabs Arm krampfte sich um die Säule, neben der er stand, als wollte er sie zerbrechen. Adonijah faßte sich zuerst und rief: „Ich bin König von Israel!" Er wandte sich zu dem Thronsessel, der an der Rückwand des Saales stand. Dort ließ er sich nieder, das nackte Schwert auf den Knieen. Da öffnete sich die Tür, die in das Zimmer führte, in dem David lag. Alle Anwesenden standen in starrem Staunen. Ein Greis schritt über die Schwelle, in langem, schleppenden Nachtgewand. Seine Augen waren unheimlich weit geöffnet, so daß die dunkle Iris ganz in der bläulich-weißen Umgebung verschwand. Man sah ihn näherkommen, Schritt für Schritt; aber niemand hatte den Eindruck, daß ein Sterblicher je so gegangen wäre. Langsam, unerbittlich sicher bewegte sich der Schweigende auf den Thron zu, auf dem Adonijah saß. Adonijah fiel nieder und berührte den Boden mit der Stirn. Auf einmal beugte sich alles 24

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