Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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und behältst einen Weizenhalm in der Hand. Das geschieht fast jedesmal infolge der Aehnlichkeit der Stengel beim Anfassen, wenn du dich nicht durch,die Schwierigkeit des Ausziehens eines besseren hast belehren lassen. Denn der Weizen sitzt vermöge der Fasern, mit denen das Korn im Boden verankert ist, immer noch um ein beträchtliches fester als das meiste Unkraut. Das letzte der wichtigen Unkräuter ist das „Meer4. Vielleicht deshalb so genannt, weil es gleich einem Meer den ganzen Erdboden bedeckt, flächenartig gerichtet, während alle anderen in die Höhe streben. Von der Wurzel breiten sich lange Fäden nach allen Seiten aus, winden sich durch die Getreidepflanzen, * kleine runde Blättchen, auch Blüten tragend. Uebrigens scheint es mir ungenau, den Namen „Meer" all den unter sjch ähnlichen Unkräutern zu geben, die den Weizen „verdampfen", „ersticken". Es gibt auch solche, die an der Wurzel einen wahren Busch von Strängen bilden, andere mit mehr einzelnen Fäden. Jedenfalls kommt es immer darauf an, den Faden bis zur Wurzel zu verfolgen. Das Ausreißen hier und da nutzt wenig. An der Wurzel, an dem Busch muß das Ungeheuer gepackt werden. Es gibt leicht nach, die Stränge folgen aus allen Richtungen. Das Bild klärt sich sofort, und der Weizen ist vom Erstickungstod befreit. Eines dieser „meer^-ähnlichen Unkräuter mit unscheinbaren weißen Blüten— wir haben es auf keinem unserer Felder — trägt den Namen: „der Hunger". Wo der „Hunger" sitzt, steht das Korn gar sehr spärlich. Und nun gibt es noch viele unscheinbare Unkräuter, Plebejer unter den Unkräutern. Wollten wir jedes ausreißen, wir müßten vier Wochen im Weizen hocken. Denn wie - langsam rücken wir doch auf den Knien über das Feld kriechend vor, nur so weit voneinander entfernt "als man mit den Armen nach beiden Seiten langen kann, den Korb neben uns, der voll ist, wenn wir einmal das Feld überquert haben! Dann rufen wir den dicken Gerhard, unseren Kleinsten, der am liebsten mit im Felde und auch am artigsten ist. Die anderen korrtmen wohl auch mit heraus und bringen die Vesper ,mit* Dann setzen wir uns alle zusammen an den Wegrand und vespern, essen die Schnitten und trinken den Kaffee, bevor er in der blauen Kanne kalt wird, Wir sehen, wie Nachbars ebenfalls zu dreien nebeneinander im Korn sitzen. Wir wissen schon, was sie tun.; Bei Zimmers fahren sie sogar noch 14