Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
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zum Gurt am Brunnen und lassen sich das kalte Wasser über Hals und Rücken laufen. Freilich gibt's manchen; der sich drücken will, keinen, den nicht der Spott der Kameraden unter die Pumpe treibt. Und dann — kaum daß der Letzte die Joppe über den rotgerubbelten Rücken gezogen — braust es über die Landstraße wie die wilde Jagd, den roten Kiefernstämmen zu, die am Rande der Nuthewiesen in der Frühsonne glänzen. Eine Viertelstunde ist alles wieder zurück mit roten Wangen und blanken Augen. Der Waldlauf hat auch dem Schläfrigsten das Blut durch die Adern gejagt. III. Unter der großen Linde ist der Tisch gedeckt. Die Tassen zeigen die verschiedensten Muster, aber sie sind ganz und sauber. Alles drängt. heran und betrachtet die frischen, noch warmen Brote mit hungrigen Augen. Niemand setzt sich: noch fehlt der Führer. Der steht in der Küche und braut Kakao. Endlich kommt er; die heißen Henkel des großen, geschwärzten Topfes hat er vorsichtig mit Taschentüchern umwickelt. Man ißt und trinkt eilig, ohne viel zu sprechen. Als der Führer sich erhebt, gibt es einen Auflauf bei den Rucksäcken. Das Heim ist überfüllt; der größte Teil der Wanderer muß schnell auf die Fahrt. Die Zurückbleibenden spähen nach übriggebliebenen Broten. Jetzt ist überall Laufen und Rufen, Schelten und eifriges Suchen. Vorübergehende bleiben stehen, Kinder gaffen mit offenem Mäulchen. Zehn Minuten später ist der Platz vor dem Hause leer; die letzten Töne eines frischen Marschliedes verklingen in der Ferne. Im Trab, den Rucksackriemen erst auf einer Schulter, laufen die üblichen Nödler dem Zuge nach; hinter ihnen helles Gelächtet. .Auf dem Hofe aber beginnt das große Geschirrwaschen. : IV' ' ■:<-. Dieser Vorfrühling brachte uns allen eine gewaltige Wanderlust. Niemand rechnete mit Entfernungen; man stürmte über" die Landstraße und wurde nicht müde. Es war eine eigenartige Stimmung auf unseren Fahrten, Entdeckerlust und Hingabe an diesen einzigartigen Frühling, der uns mit Geschenken überhäufte. Dabei war das Wetter durchaus nicht immer gut, oft. 6