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Blau-Weiss-Blätter · 1923-06-01 · 4 (6.1923) · page 13

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
4 (6.1923)
Date
1923-06-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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diese Aufnahmen, und wenn man sie sich ansieht, fallen einem viele halbvergessene Bilder und Augenblicke und Geschichten ein, mit denen man nicht mehr fertig wird. Aber fast alle diese Aufnahmen sind Erzeugnisse des Zufalls, und sie tragen afte sefne Züge. Technisch sind sie voller Mängel, bald unterbelichtet, bald zu lange exponiert: das Positiv hat daher zu schwache oder zu starke Kontraste, ist obendrein nicht richtig ausfixiert und begrüßt einen stets als reizloser Gasdruck oder in jener sienabraimen „Farbe" getont, die durch Häßlichkeit und Charakterlosigkeit ermüdet- Und. was die Aufnahme selbst anbetrifft, so lassen die wenigsten auf ein persönliches Moment des Photographen schließen, auf seine besondere Art und Vorliebe, seine Fähigkeit der Auswahl und seinen .— Blick. Ich kenne schon Jungen bei uns, die vor Morgengrauen aufstanden und drei Stunden wanderten, um das günstigste Licht zur Aufnahme einer Hochgebirgsspitze zu erhaschen; aber sie sind so selten bei uns. daß man sich über einen solchen wundert. In dem Buch von Förster*) findet man einmal ausgesprochen, was man all seinen herrlichen Aufnahmen anmerkt: „Fast ein ganzer Tag meines Lebens ging darüber hin. den Schmelz dieses blendenden Blütenanblicks photographisch einzwängen, nachdem mich Windunruhe oder Ueberbelichtungen stundenlang genarrt hatten." Nur wenige von uns hätten sich solcher Mühe unterzogen, die meisten hätten geschlendert und wären der Natur so manches schuldig geblieben. Auch beim Zeichnen sind wir weniger von "jener Rechtschaffenheit durchdrungen, die nur wiedergibt, was das Auge sieht, als vorschnell zu jener Selbstentschuldigung des grünen Heinrichs bereit, ..daß es auf diese oder jene Fläche nicht ankomme und die zufällige Natur ja auch so aussehen könnte, wie ich sie darstellte". Bei Lichte besehen liegt hier eine handwerkliche Unsauberkeit zugrunde, und die ist nichts als das Zeichen eines Mangels an handwerklicher Gesinnung, eines Mangels, der nur eine andere Seite jenes Mangels an sinnlicher Anschauung bedeutet, von dem meine ganze Bemerkung handelt. Wenn es nun wirklich nur wenige Lichtbilder von Blau-Weißen gibt, die wirklich „gesehen" sind und aus denen ein jeder snürt, wie man seine Aufgabe angefaßt hat und in ihr aufgegangen ist. so wende man ja nicht ein. daß unsere Leistungen durch die Geringwertigkeit der Linsen usw. beschränkt sind. Nicht am Material liegt der Fehler, sondern an uns. die wir es nicht auszunutzen verstehen. Wir kennen unsere Apparate garnicht, kennen nicht „seine,Tageszeit" und seine günstigsten Bedingungen., nicht wie mancher gojische Junge, der aus dem billigsten Kastenkodak auch ohne Blenden und Möglichkeiten einer präzisen Einstellung schöne Bilder herausholt, — weil er sehen kann. Er wird dem mechanischen Abzug auf Gaslichtpapier auch immer das gewöhnliche Druckverfahren vorziehen, in dem die Sonne als Malerin auftritt und es ganz in unsrer Hand liegt, sie fhr Werk *) Vom Blütengarten der Zukunft. Berlin 1917. S. 94. 57

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