Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 4 (6.1923)
- Date
- 1923-06-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aelteste gibt es keineswegs. Neben allen inneren Gründen hat er sich bis heute noch nicht wegen der Jugend des Bundes und wegen der nur seltenen Zugehörigkeit von Aeltesten zu einem Zuge entwickeln können. Dennoch mag der Bericht über eine einheitlich durchgeführte Reihe von Aeltestenheimabenden nicht müßig sein, da das Allgemein-Gültige gerade für den heutigen Augenblick unseres Bundes in aller Besonderheit erkennbar wird. Grundsätzliche Erwägungen, die vor und i n der Erfahrung der zu berichtenden Arbeit angestellt wurden, gehören nicht ins Bundesiblatt. Daher wird der folgende Bericht nur als schüchterner Versuch einer Darstellung betrachtet werden können, die im Rahmen der Führerzeitung ergänzt werden soll. II. Thema der fieimabendreihe: Lektüre des Judenstaates von Herzl. Teilnehmer: S. Zeit: Januar-März 1923. T e c h n i.!k : Abschnittweises gemeinsames Lesen. Gedankengang jedes Absatzes wird hergestellt. Einhaken an jedem Gedanken, der auffällt, an jedem Satz, selbst an jedem Wort. Nichts für selbstverständlich halten, alles in Frage ziehen. Keine Scheu, allgemeine Nebengedanken für sich zu verfolgen (Exkurse), sofern der „rote Faden" des Ganzen erhalten bleibt. Oftmals gerade durch Beschreiten von Umwegen Aufhellung des Ausgangspunktes usw. Kurzum: Analyse der Begriffe (und „Schlagworte") auf Grund eines Miteinander-Fragen-Stellens. Der Führer trägt nicht vor oder referiert, sondern lenkt durch Fragen das Interesse auf das Wesentliche des Gegenstandes (Mäentik). Kein Heimabend alten Stils, keine bloße Unterhaltung, aber auch kein „Seminar". Sondern ernsthafte Zusammenarbeit. Sinn: Der geistige Untergrund, in dem das Werk Herzls wurzelt, wird umrissen. Indem so auf der einen Seite das Werk in den Rahmen der "Zeit gestellt wird (Abhängigkeit von modischen Ideen, Schwächen und Utopisches im Entwurf des „Juden- . Staates"), hebt es sich auf der anderen durch seine einzigartige Neuheit von der Zeit ab. Über (verhältnismäßig) gründliche und ins Einzelne gehende Kleinarbeit gelangt man zu vertierterem, nicht nur mehr stimmungsmäßigem Verständnis von Herzls Weltansicht und gewinnt von einer Ahnung der Herzischen Leistung aus den freien BKck für ihre Bedingtheiten wie für ihre Immer-Gültigkeit in praxi. Beispiel: Judenstaatsatz in der Einleitung „Ich glaube an das Aufsteigen der Menschen zu immef höheren Graden der Gesittung; nur halte ich es für ein verzweifelt langsames. Woll- 51