Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 3 (5.1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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wir in Alexandrien ankamen, standen am Kai ca. 40 Hausdiener der verschiedenen Hotels und Dienstleute, hübsch ausgerichtet, und ein ägyptischer Gendarm im roten Fez ging die Reihe entlang und hieb mit einem Stock auf die ein. die aus der Reihe singen. Dennoch schien die Reihe jeden Augenblick unter furchtbarem Geschrei auseinanderzugehen. — Nun zurück zu Erez Israel. Wenn man also dies echt orientalische Jaffa mit seinen Karawanen von Lastkamelen, die auf kurze Strecken hier auch der Eisenbahn gegenüber noch konkurrenzfähig sind (es sind stolze Tiere, wenn sie eins nach dem anderen so vorbeischaukeln: der kurze Trab der hier als Reit- und Lasttiere sehr verbreiteten Esel macht dagegen einen unzuverlässigen Eindruck), wenn man also das arabische Viertel von Jaffa hinter sich hat, kommt man an vielen Läden vorbei, die dreisprachige Aufschriften (engl, arab., hebr.) tragen und in denen Juden sitzen. Ganz kleine Lädchen. sehr viele Uhrmacher. Konfektion usw.. ein bekanntes Bild. Dann eine Viertelstunde auf einer staubigen Chaussee, vorbei an einzeln und verloren dastehenden häßlichen Häusern und vor allem sehr vielen Neubauten (etwa so wie jetzt die Döberitzer Heerstraße hinter dem Bhf. Heerstr., (bloß daß die Häuser nicht so groß, die Straße nicht so breit ist. und der Wald fehlt) nach Tel Awiw. Links von der Chausee geht plötzlich eine Straße ab, die einem durch ihre vollständige Bebauung und den fertigen Charakter ihrer Häuser auffällt. Es ist die zirka 5 Minuten lange Herzlstraße. die an ihrem Endpunkt das Herzl.rvmnasium hat. Sie ist die einzige überlegt ästhetisch gebaute Straße.in Tel Awiw, und das Gvmnasium als Endpunkt der Straßenflucht wirkt in der Tat recht gut. Die davon rechts abgehende ..Rechoboth Achad Haam" hört nach drei Minuten auf. gepflastert zu sein. Man stolpert durch Dünensand weiter. Wir sind schon am Ende des Vorkriegs-Tel Awiw. Ihr müßt Euch vorstellen, daß sich das alte Tel Awiw seit Kriegsende vielleicht im Rauminhalt verfünffacht hat. und es wird dauernd neu gebaut. Es ist derselbe Eindruck wie in den deutschen Großstädten kurz vor dem Kriege mit all -denselben Schattenseiten (Spekulation, Bauscihwindel usw.). Vielleicht habt Ihr mal von der Allenbystraße gehört. Wißt Ihr, was von ihr wie von den meisten anderen fertig ist? Die Bordschwelle, alles andere ist Sand. Ich übe dauernd das Balancieren darauf, um mir das Stapfen durch den Sand zu ersparen. - Und doch ist dies neue Tel Awiw eine große Leistung. Deutsche Maßstäbe führen irre, denn man muß sich vor Augen halten, daß meistens ungelernte Arbeiter diese Bauten ausgeführt haben und dafür ist es allenhand.- Denn die Häusei stehen in Wind und Wetter, wenn es auch durch Tür und Fenster zieht, in der Regenzeit das Wasser in den Stuben steht und die Fundamente der Häuser im Sand nicht sehr tief sind. Es sollen allerdings manchmal Balkons einstürzen, was besagt 42