Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 3 (5.1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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auf etwas anderes, zu richten. Ich packte sie, indem ich ihnen eine gemeinsame Aufgabe übertrug. Wir wollten für die großen Mädchen der Gruppe die Purimgeschichte in einem Bilde darstellen. Dazu sollten aufstellbare Figuren für ein Bühnenbild gezeichnet werden. Gleich wurden die Personen besprochen. Ihr Aussehen und ihre Kleidung machten jedoch Schwierigkeiten und die Mädchen stöberten Bilder aus Hagaden nach Judenfrauen und -männern in ihrer alten Tracht durch. Ich zeigte ihnen noch alte Bilder aus einer 'Kostümkunde, bis sie das richtige trafen. Bevor wir nun an die Zeichnung selbst gingen, machte ich die Mädchen auf die Gesetze der Proportion aufmerksam. Sie stellten an ihrem eigenen Körper Messungen an und übertrugen diese dann auf Papier. Die Einteilung des Gesichtes in drei Haupteile, die des ganzen Körpers in acht Teile usw. erleichterte ihnen das naturgetreue Zeichnen, Nachdem sie zuerst die Figuren nackt darstellten, und dann die Gewänder recht unorganisch herumgezeichnet hatten, lernten sie durch Vergleiche und Ansehen ihrer eigenen Kleidung, wie sich die Gewänder den Formen des Körpers anpassen, und wie die Bewegung der Falten verläuft und die Verteilung von Licht und Schatten. Jetzt kam das Anmalen der Figuren. Gute Farbzusammenstellungen bei den einzelnen Figuren, bei dem Gesamtbild wurde sehr überlegt und ausgeführt (nebenbei wurde einmal schnell die Farbenstela von ihnen zusammengestellt). Je mehr Personen gezeichnet wurden, desto sauberer und ordentlicher wurde auch die Ausführung. Die Gesten der einzelnen Personen sind sehr ausdrucksvoll geraten. In diesem Heimabend, der sich über sechs- bis achtmal erstreckte, haben die Mädchen gelernt, ihre Augen aufzumachen, und sich selbst und andere nach Haltung und Kleidung kritisch zu beobachten. 2. Bericht. Zu dem Heimabend kamen Mädels im Alter von 11 bis 13 Jahren. Die meisten war neugekeilt, hatten also keinen Begriff von Blau-Weiß. Gruppe und Bund. Da es ihnen 'ein Bedürfnis war, und ich es nötig fand, vom Leben in einem Gemeinwesen mehr zu wissen, machte ich Heimabende über Aufbau und Entwicklung von Staaten. Ich ging dabei vom Insektenstaat aus. Das Ganze wurde dann während des Heimabendes noch in Beziehung zu Blau-Weiß, Gruppe und Bund gesetzt. . a) Bienenstaat: 1. Heimabend: Vom Schwärmen der Bienen: Warum, wann schwärmen sie? Bienengesetze. 2. Heimabend: Gründung eines neuen Staates: Technischer Aufbau und innere Organisation. 3. Heimabend: Das Leben der Honigbiene — Gemeinschaftsleben — mit dem Leben der wilden Biene — Einzelleben — verglichen (Vorteile und Nachteile). 32