Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 16-17 (22.4.1940)
- Date
- 1940-04-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE WELT RUND9CKAU 22 April 1940 Der Ben-Schemen Prozess In Jerusalem begann vor dem Militärgericht die»« Woche der Prozeas -weifen unerlaubten Waffenbesitze» gegen 11 Juden, die der Leitung de» Kinderdorfe» Ben Schemen Angehören (darunter Dr Siegfried Lehmann, Dr Dogolaizky und Dr Max Hirsch u.a.). Der Ankläger erkürte, da** bei einer Untersuchung «m 28 und 2» Januar in Ben Schemen 27 Gewehre, 8 Maschinengewehre, MW Geschosse, mehrere Bomben und andere Munition nebst Sprengstoffen, ferner verschiedene Dokumente und Briefe beschlagnahmt wurden, auf die sich die Anklage etUUt. Sämtliche Angeklagten erklären sich für unschuldig. Die Verhandlung gestaltete sich sehr dramatisch. Der Staatsanwalt beschrieb in »einer Eröffnungsrede die Auffindung der Waffen. Im Kimmer de» Elektrikers war ein Maschinengewehr ausgegraben worden, Im Zimmer eines Mädchens (Beba Chumasch). die fluchtig i»t, wurden 4 Maschinengewehre, Bornsen und Gewehre in einem hohlen Fenster gefunden Ferner wurden einige der Angeklagten 'Ch. ««Idstein, Israel Frankel, Israel Frankenstein und der Inzwischen erkrankte Elektriker Chaim Landsberg) bei einer Sitzung in einer Hütte angetroffen, wobei verschiedene offen auf dem Tisch liegende Dokumente beschlagnahmt wurden, In denen offen oder mit Umschreibungen Waffen und militärische Dinge erwähnt werden. Bei einem Angei Ben Schemen verantwortlich gefühlt, aber die Er- , wachsenen in dem Dorf leben ihr eigenes Privatleben, ausserhalb des Dienstes Das Kreutverhör über die Modalitäten, unter denen bauliche Verbemüht, bei den militärischen Stellen eine Ver- Änderungen etc. in der Siedlung vor sieh gehen stürkung der Verteidigungsmittel zu erreichen Er können, gestaltete »Ich sehr scharf. Auch der habe aber nicht gewusst, das andere Leute Waf- Vorsitzende des Gerichts griff zum ersten Mal fen nach Ben Schemen gebracht haben; er,ejn xind fragte Lehmann, ob er wisse, das» diese wusste auch nichts von den Hohlräumen unter Waffen 700- 1000 Pfund wert sind; wer sollte ein den Fussboden und in den Winden. Alle «wel wertvolles Eigentum unter fremden Fussböden Jahre sei er im Ausland, um den Komitees in . vergraben haben? Lehmann erklärte, er wisse Holland und England zu berichten; er war auch über die Kosten von Waffen nicht Bescheid; er im April und Mai 193» in Europa gewesen, und selbst habe niemals eine Waffe besessen oder geim Juli/August 1039 habe er seinen jährlichen Urtragen, auch nirht im vorigen Krieg laub genommen Lehmann sagte, e* sei allgemein Nach der Vernehmung der weiteren Angebekannt, dass er pazifistische Aneichten habe und klagten kamen die Zeugen der Verteidles für seine Pflicht halte, die Kinder tu ertiehen g u n g an die Reihe, unter denen sich solche bezu einer Gesinnung der menschlichen Brüderlichfinden, die über Art und Charakter des Kinderkeit auch gegenüber den arabischen Nachbarn, tforfes und seiner Leitung aussagen »ollen. Da» Kein Amber sei Jemals In Ben Schemen ange- Urteil wird für Montag. 22.4 (Erew Pessach> ergriffen worden. Im Verlauf de» Kreuzverhörs erwartet ist also Jedenfalls schon «tflllt. ^enn klärte Lehmann, er habe sich für die Kinder in dieses Blatt in die Hund der Leser kommt. Ab und auf im Arbeitsmarkt Von Frieda Weinreich (Tel-Aviv) Sofort nach Ausbruch dos Kriege« trat eine sem Monat die traditionelle „Pessachkonjunktur". Panikstimmung ein, die einerseits in wildem «Jede Hausfrau macht grundlich sauber und ba- Hamstern von Lebensmitteln, mm anderen in der j nötigt eine tüchtige Osereth; tu Pesaach braucht Entlassung von Angestellten Ausdruck fand .man auch ein neues FrtihVingskleid, einen httb» _ Wenn die Lage auch schon in den Vorkrieg»- jachen Hut, einen heilen Amug und ein paar Wagten"wurde eine Iri»truktion gefunden, worin nicht roeig war, und sich in unserem neue Schuhe Dl« Sachen vom Vorjahre werden " . . . . . _ .. .. A rh«t' «naf>h-u-»tx ti linear»« n»Ka< r.n^tian^. Mt„. J —_ J__» K.J__j_u__Ji. dargelegt wird, wie man sich im Falle einer pol! zeilichen Nachforschung nach Waffen zu benehmen habe. Zusammenfassend erklärte der Staatsanwalt, es sei erwiesen, dass alle die verbotenen Gegentände In Räumen verborgen waren, die der Kontrolle der Angeklagten unterstanden und von ihnen häufig benutzt wurden; daher falle die Beweislast für die Behauptung, da*» die Ange« klagten nichts gewusst hätten, auf die Angeklagten (D h. die Bestimmung de» englischen Proxessrechtes. dass die Beweishwi der Anklage zu Arbeitsnachweis hunderte arbeitsuchende Neu-; gereinigt und geändert Und uo drängen die elnwanderer drängten. so war doch eine gewisse Werkstätten, Salons und Reinigungsanstalten die Bewegung fühlbar, und noch im August 193» Arbeitsvermittlung auf Zuweisung geschickter konnte die i^tachdufch OleJ Germania (Verband i Arbeitskräfte, um all die elligen Aufträge pünktder Einwanderer aus Deutschland) Tel-Aviv ca; lieh liefern zu können. Hinzu kommen in dieser 400 Mensehen In Arbeitsstellen unterbringen. Zelt die vielen Wohnungsumzüge der leicht beiPlÖtzlich im September schienen alle Räder still weglichen Palästinenser mit Hausrenovierungen zu »tehen. Zu den hunderten arbeitslosen Ma'a- [ und Neuanachaffunsren im Gefolge Kurz, die pilim stieasen Menschen, die schon mehrere j Mona'e März und April brachten eine sichtliche Jahre im Lande lebten und „eingeordnet" scMe* Erleichterung. nen Die Büros seihat grosser Organisationen — j A„ ___ ... ,. ... . , . - ' Allerdings gilt die« nur für beatimmte Katefällt, wendet der Staatsanwalt „ur auf die Frage ^^^SSS^ jSSS^L^5" ™ Arbeitsuchenden, und .war In erater des Vorhandenseins der Waffen, nicht auf die! " 'TS™ dttPi dw.ü* **** Fachkräfte de» Bekleidungsgewerbe», Frag« der tatsächlichen Täterschaft an. für die Ä-^u Eifern 7«a 1 e H*£" auch *>nst für tüchti** Handwerker Snd für gemäss den zitierten Ausführungen die Vermu-!atatten «""«»«ten ihren Arbeltern und die Haus- Mm KämU miw* }„ „mtmm „nA ^mtm tung spreche, sodass das Nichtwissen von den Angeklagten zu beweisen sei. Hier liegt die prozessual wichtigste Frage.) Nach |f Verhörung der 18 Anklagezeugen, — meist Polizisten, die den Vorgang bei der Entdeckung der Waffen beschrieben - sprachen die Verteidiger Goitein, Eliash und Harari. die Im einzelnen nachwiesen, dass keine konkreten Beweine der Schuld der Angeklagten vorgebracht wurden. Zwar scheine ein geheimer Verband bestanden zu haben, der die Verteidigung des Kinderdorfes für »eine Sache hielt, aber man könne nicht annehmen, dass die Angeklagten davon gewusst haben und dass die verantwortlichen Leiter der Anstalt bereit gewesen wären, ihre Arbeit in der gefährlichen Nähe solcher Waffen tu führen. Am dritten und vierten Tage der Verhandlung kam es zu einer umfangreichen und rnngdauemden Vernehmung der Angeklagten. Zuerst wurde der Sekretär David B a r z i 1 a i vernommen, in dessen Zimmer einige der Gegenstände gefunden wurden. Der Angeklagte betont, das» er oft abwesend war und bestritt mit Entschiedenheit die Behauptung des Anklägers, dass er von den verborgenen Waffen gewusst hat. In dievam Fall, so sagte er. hätte er abgelehnt, weiter in dem Zimmer zu arbeiten Ähnliche Aussagen machte Aklwa Vanhotzker, der seit 1927 in Ben Schemen ist und die Jungen zwischen 15 und 17 betreut. Dr, Max Hirsch. Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung der Schule seit 1932, erklärt», da»» er als Invalide (er hat einen Arm im Krieg verloren) »ich um Fragen der Verteidigung überhaupt nicht kümmern konnte und sich bei Überfällen auf die Überwachung der Kinder beschränkte 'Das grosste Interesse wandte sich der Vernehmung des Gründers und Leiters des Kinderdorfes, Dr. Siegfried Lehmann, zu. Dr. Lehnwann gab eine Beschreibung der Kompetenten und der leitenden Körperschaften von Ben Schemen. In dem Dorf leben 450 Kinder und 150 Erwachsene, und bei Errichtung von Bauten kamen etwa 40 Arbeiter, die die ganze Woche dablieben. Während der Unruhen hat die Siedlung von der Regierung 20 Gewehre zur Verteidigung erhalten, per Angeklagte erklärte, er habe dauernd sich haltungen ihren Hilfskräften Die Kaufkraft i p'au«n' dle b^ rt"Vn .aa,fcwl,tr Isank erschreckend und die Not der Arbeitslosen j SS1"' ™ Pf****? ble*b: *n unT~ stieg »ns Unerträg>iche. Da man kein« konatruk- 1 tiven Auswege fand, stürzte steh die Öffentlichkeit auf primitivste Hilfamaasnahmen; Speisung und Bekleidung der Hilfsbedürftigen — zu Obdachbeschaffung reichte es schon nicht und so übernachteten bei Beginn der Regenzeit zahlreiche Arbeitslose auf Dächern und auf Banken von Plätzen und Alleen Die neuen Einwanderer, die völllp mittellos 'ins Land gekommen waren und keinerlei Rückhalte hatten, wurden die traurigsten Opfer dieser katastrophalen Wirtschaftskrise, die die auswegslos achten. Nachdem aber die erste Panik gewichen war und man sah, dass Italien nicht in den Krieg eintrat, belebten sich die Gemüter und die Wirtschaft Vor allem kam ein Aufschwung beim Eintreffen der Tausenden von Soldaten, voran die groaszügigen lebensfrohen Australier. Mehrere hundert jüdische Arbeiter wurden beim Bau der Militärlager beschäftigt, es entstanden rings um die Lager eine Menge von Kiosken und Gast- , stätten, die Geschäfte in Städten und Kolonien;hin besteht eine gewisse Hoffnung, das» dieser belebten sich und eine Ansahl von Industrien j „Krtegasommer* in Palästina 'ArbeKamöglicherhtelten reichliche Aufträge für da» Militär. keiten erschlieasen wird, wenn nicht neue poli- Zu dieser ..Krlegskonjunktur" kommt in dietische Störungen kommen. minderter Schwere bestehen das Problem der Einordnung der Intellektuellen und Akademiker, der Hunderten von Kaufleuten. Vertretern und früheren Büroangestellten ohne Sprachkenntniaae. Für diese Menschengruppen, zu einem hohen Prozentsatz ältere Leute, ist die Konjunktur noch nicht gekommen. Etwas mithelfen könnten die Arbeitgeber, wenn sie sich eber bereftfänden, auch einmal einen älteren Menschen zu beschäftigen, anstatt imimer Jugendliche zu verlangen. Ein 40 bis 50-jähriger ist noch »ehr üelstungafähig und seine Erfahrungen sollten nicht verachtet werden Schwer ist die Lage der Arbeiter in den Kolonie», nachdem jetzt der in diesem Jahre sowieso aehr beschränkt gewesene Katif aufgehört hat Es Ist nur zu hoffen, das» die Anleihe der Regierung, kombiniert mal jüdischerseits aufgebrachten Fonds Schnellatens für Arbeltsbeschaffung fruchtbar gemacht wird, um der Verelendung dieser Menschengruppen zu steuern Immer- KLKINE NACHRICHTEN i zahlreiche Menschen schon 2- 'A Jahre in der Emir Abdalla mit dem transjordanischen' Ausbildung und warten auf Einwandtrungs-Zcr- Premierminister und anderen hohen Funktionären »tattete einem Freunde in Palästina, Abdurraman Bey Tadschi, in dessen Hause in Wadi Chunin (»wischen Jaffa und Ramie) einen privaten Besuch ab. Zum Lunch waren arabisch« Norabein de» Bezirkes eingeladen. Die Geseilte, k: Da« Verbot des Nacht-Verkehrs auf den palästinensischen Landstrassen, das seit den Unruhen in Kraft war, wurde mit Wirkung vom 17. April aufgehoben Nur auf einigen, wenigen Strassen, z B. durch Nablus, bleibt das Verbot beschaft war dann in Jaffa Gäste des Bürgermeis- 'stehen. Die Aufhebung des Verbote« bedeutet IlfAI + b« Q/lk >U» i ». rh^m D AVltllNf« XjV-h*t^ t«r» zum Tee In einem Referat der Leiter <icr Einwan-'oi unKsabteilung bei der Jewish Agcncy in Jerusalem, Dobkin und Schapira, wurde unmittelbar vor der Besetzung Dänemarks durch die Nas's — mitgeteilt, das» sich in West- und Nordeuropa Chaluzim auf H?ieh*<:■',;an» ber..ul<lu. u. in Dänemark «9, in S c h v. e l c .* 700, iu Holland 4*0 und in Engtand 13*0 Ferner sind in L i t a u e n 2900 Chalutlm, die sich au» Polen einen weiteren Schritt in der Richtung der Normalisierung der Verhältnisse. In den nächsten Tagen beginnt in Tel-Aviv eine neue hebräische Zeitung „Hege" im Verlag der Arbeiter-Tageszeitung ,.Dawar '. Die neue Tageszeitung wird mit vollständig punktiertem Text und zahlreichen deutschen Worterklärungen erscheinen und hat den Zweck, die Neuwanderer in die hebräische Zeitungslektüre einzuführen und den auch sprachlich nicht ganz gflretlct Unter all diesen Gruppen sind Kund en eine Zeitung zu bieten