Mannheim
Compact Memory

Jüdische Weltrundschau · 1940-04-22 · 16-17 (22.4.1940) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
16-17 (22.4.1940)
Date
1940-04-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2424658-2424686-2424702--513-2425278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

g«lte 2 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 22 April 1940 „Jewish Chronicle" stehe eine Leitung»kri»e erj »Um Range* bevor, wie dies In einer demokratl-' »Chen Bewegung j<* nicht» im gewohn Ii che» urni alich kein deichen cier Schwache wäre. Wir glauf hen, das* die Darstellung de* ..Chronicle" in wien-; tigert Punkten irrig ist und (Jhü infolge der j Schwerfälligkeit der Körperschaften einer Welt-1 Organisation in dieser Zeit die Entwicklungen; sehr lang?*;im gehen. Aber sei <lem wie es wolle, wichtiger als diese Debiilten scheint tu Aus dem Lande des Grauens WMMNM VRD LPOI Den letzten Berichten dar JTA aus Polen ent nehmen wir: Vor Kriegsbeginn betrug dl« tägliche .Ster noch nicht abgeschlossenen t,czahl unt«»- *** Warachauer Juden 10 bis Ii n der Hinweis de» Blatte», |,n <**r Sommerzeit und *twa 20 in d«r Witterda»» die zionistische Leitung, die heim letzten, P««"1«!«- ,In d,m 1ieUten W'ntw und «* U**™ Kongreß nicht gewählt werden konnte, sondern I «k» «ruhjahre starben In Warschau täglich nicht 1 11'atiiiin» »I. «Waffe t. 1T\a m 1 Lk. — 1.« ^1 _ einfach Ihr Amt verlängert bekam, «ehr „vorknayiitnänun/" wirke. Ohne etwas gegen diese Exekutive zu sagen, die sich in schweren Zeiten bewahrt hat, entsteht die Frage, ob nicht in einer ho kritischen Zeit wie der gegenwärtigen ganz andere (Gesichtspunkte gelten als in normalen Zeiten. Die üblichen Veränderungen durch Austausch von Parteivertretern oder Heranelehung neuer, könne, so meint der ,,J. Chr ", nicht genügen, vielmehr müsse man die strengen Maßstäbe persönlicher Qualifikation der Wirkung nach aussen und innen zugrundelegen. Ks geht heute um fundamental andere Aufgaben als sie in gewöhnlichen Zeiten zu erfüllen sind. Vor allem ist, nach unserer Meinung, der Zionismus nicht mehr zu trennen von den Jüdischen Gesamtf rag« n in der Welt, die einen so erschreckenden Umfang angenommen haben. Wir brauchen, über alle Spezialaufg&ben hinaus, eine repräsentative Vertretung aller jüdischen Schichten. Programmstreitigkeiten spielen dabei ein« kleinere Rolle als viele glauben, denn grosse Unterschiede werden nicht snohr möglich sein, höchsten» Unterschiede in Nuancen, die es Überall gibt. Die Realitäten drangen heute ihre Folgerungen allen auf. auch wenn sie mit alten Theorien nicht zusammenstimmen. Es wird wohl niemand mehr, wie dies vor einem Jahrzehnt noch der Fall war, behaupten, dass e» „keine Judenfrage gibt", und andererseits wird auch niemand sich auf den Stundpunkt stellen, dass Palastina die einzige Sind vollständige Lösung bringt Für alle Fragen der praktischen Arbeit wird sich also eine Einheit*front bilden lassen, ohne das jemand dabei seine eigene Vorstellung über die ju..in verboten i»t. Auch al!< nichtjüdiechen Krankenhäuser werden gewarnt. dass sie keine jüdischen Patienten aufnehmen dürfen. OER MUKM DIR RUH In Prag wurde ein „fünfter Durchführung»- erlas» zur Verordnung des Reichsprotektors in Böhmen und Mähren über das Jüdieche Ver- , . . mögen vom 31 Juni 193»" veröffentlicht. Darin wemger al» 2000 Juden Demgegenüber Ist ein h9mt M: , ,; judelli jüdisch« Unternehmen und kat;i*lrophales hinken der Geburtenziffer unter JlkJi-cn€ Fersonenvereinlgungen haben binnen den Juden Warschau» festzustehen Ein Hauptmi Wochen aalt Inkrafttreten <M«aes Erlasses grund für das Ansteigen der ÄlerbMchkeit «ind Äe in lhr<m Eigentum. Miteigentum oder Besitz die furchtbaren Hygiene- und Untarkunfaverbefindlichen Aktien, Kuae, festverzinslichen hältnisee In den jüdischen Vierteln, w© die deut- Wert4. und Wertpapiere ähnlicher Art in sehen Bombardement« die grösaUn Zersprungen -B auf .-mutmuim r^pot eintf annctiUKen Devisenbank einaulegen. Soweit derartige Wert- Wach der Schneeschmelze waren die «Xraaaen wier? neu erworben werden, sind sie binnen Warachaus übersät nüt Kadavern von Hunden zwei Wocm?n nach dem Erwerb in ein solche, und Katzen Dil Nasi. oaben der Jüdischen Geeinzulegen | T DU Beatlmmung des meinde anbefohlen, spezielle Arbeltsbrigaden zum , , ^ch für Gegenstände aus Gold, Platin Remigen der Strassen zu stellen Da es jedoch oder 3äb%r ^,wie &4)i»t€|nt und p€rton. $ 3: Scan Vvei kzeugen marigdt^nuaaen sie den Schmutz weit ^„ag* Depots bei einer Devisenbank be mit blossen Händen wegräumen. Es wurde eine . ieil8 b4.steht;ni nat der Verfügungsberocnt.gte der neue Regierung aller männlichen Juden zwi-! Btmk binnen zwei Wochen „lt Inkrafttreten dieschen 16 und 24 Jahren angeordnet. Obwohl die \atB ErlgMBm schriftlich anzuzeigen, dass die Ge¬ Warschauer Jüdische Gemeinde immer noch 600 genMÄmle in jüdischem Eigentum oder Besiu Arbeiter täglich ste41t, dauert die Jagd auf jüdim9h9n § «: Jüdisch« Depots im Sinne der «che Männer und Frauerim den Strassen an. , l und 2 -lnd -olcne IU Kennzeichnen. Da man eich für ein Lösegeld loskaufen kann. { 5 Auslieferungen aus jüdischen Depots bedürfen bdden diese Menschen Jagden eine reiche Eind#r <^nahmigung durch den Reichsprotektor nahmequelle für die Nazis Auch mit der Be- , 6. DiaMr ErlaJÄ nlcbt fur Jl|üen HU»|Ändi. schlagnahme de» Mobiliars der jüdischen Fa- -ch<,r Staatsangehörigkeit. milien ist noch nicht aufgehört worden. Die Von der nacn j 2 ^geordneten Einlagepnicht MölHJl werden in d^en Räumen der früheren ,3»nk J#ind ausgem>mmen: a) der eigene Ehering und Polaki in der Bie^ska^aaae aufgeapeichert; | der ein<fa verrtoPbe„e„ Ehegatten. b> »Uberne *ie sollen als ein „Geschenk des Führers" unter {^j^. und Taschenuhren, c) gebrauchte» Tadle BaHendeuUchen verteilt werden. j f#laiU)er und je P9raon 2we, vierteilige Be- Bci dem von den Nazis Anfang März im «tecke, bestehend aus Maaser, Gabel, Löffel und Lodz er jüdischen Ghetto im Bai Uta- Vi er te4 orj kkrinem Löffel, d) darüber hinaus Silbersachen g»ni*jertan Pogrom wurden nach vorliegenden | bis zum Gewicht von 40 Gramm je Stück und Berichten zumindest 80 Juden getötet und etwa Um Gesamtgewicht bis zu 200 Gramm je 1 erson, 200 mehr oder weniger schwer verletzt Die Ab- \ e) Zahnersatz aus Edelmetallen, soweit er »ich sonderung der Lodser Juden im Ghetto ist bereits komplett; kein Jude darf ausserhalb daa Im Ghetto befinden eich über 100000 Juden. Kein Jude darf, mehr Lodz persönlichem Gebrauch befindet Zukunft aufzugeben braucht. In Anschauungen . und Geninnung wird es immer Differenzierungen J/iet^^f™Tei'?en geben, in einer Zelt aber, wo praktisches Hanube* 100 000 Juden dein geboten ist, müssen alle noch verfügbaren ^erlassen. Das gleiche gilt für alle Juden im positiver Kräfte der Gesamtheit eingesetzt wer- (-annektierten Gebist. ___ den. Das jüdische Volk wartet jedenfalls auf ein Die „Essener Nationalseitung" führt aus: Vor j Nachkriegsbeschädigten uie ihnen übersandte Wort der Führung und Leitung; und wenn man! dem Kriege waren von den 600 000 Einwohnern { Erklärung, ob sie Juden nach 9 e der Verorduueh versteht, dass Organe wie die Zionistische; von Lodz 12% deutsch, 38% polnisch und 60% j nung des Reichsprotektorats in Böhmen „Der Neue Tag", Tageszeitung für Böhmen und Mähren, meldet: Die Landesbehörden für die Kriegsbeschädigtcnfürsorge in Prag und in Brünn ersuchen alle Kriegs» und Exekutive, über deren Schweigen sich viele bej jüdisch. Jetzt aber wird das deutsch* Element schweren, in diesem Moment nicht« sagen können, j „wiederhergestellt". In zehn Jahren wird Lodz und wenn auch die künftigen Dinge und die Um-; nicht nur efnc der schimgtm Städte OsfcdeufsrArisse der Welt von morgen noch nicht erkennbar tond», sondern auch eines der bedeutendsten sind, so müssen wir doch bedacht sein, den Reat Zentren der deutschen Textilindustrie sein. Die an Lebenskraft und Lebensmut, der in Strassennamen sind geändert worden. Die Pietrder jüdischen Gesamtheit wohnt, nicht versiegen \ koweka-Straaee heiaat Jetat Adolf Hltler-$traaee zu lassen Do* jüdische Volk mus» in all seiner Not wissen, dass für seine Existenz und für seinen morgigen Tag mit Aufgebot der besten moralischen und intellektuellen Kräfte, über die wir verfügen, gerungen wird. Schon die Gewisshett solcher Bemühungen hat eine aufrichtende Kraft. Wenn man die Darstellungen der deutschen Presse über die „deutsche Ordnung im Ghetto" (vgl. S. 10) liest, fragt man sich unwillkürlich, an wessen Adresse solche Ausführungen eigentlich gerichtet sein können. Die ganze Welt ausserhalb Deutschlands weiss doch Bescheid Der deutsche Journalist hebt rühmend hervor, das« im Generalgouvernement Polen — im Gegensatz zu früherer Zelt — keine Pogrome möglich .seien; in gewissem Sinne mag das alles, richtig sein, denn in Nazi-Land geschehen nur Dinge, die von oben ortjanitiert sind, wie es in Deutschland der Pogrom von November 1938 war, Da im totalen Staat alles einem einheitlichen Zweck dient, so hebt sich die Obrigkeit auch eoiche Aktionen wie Pogrome für den Moment auf, wo sie sie aus irgend einem Grund für nützlich hält Alles geschieht nach kalter Berechnung, nichtä ist hier „Volk»wllle". Man kann es nur als Zynismus bezeichnen, wenn dabei von einer „Greuel-Propaganda des Auslandes" die Rede ist und von „Gramophonpiatten Uber Judenverfolgungen, die von Zeit zu Zeit aufgelegt werden**. Die furchtbare Wahrheit ist leider zu bekannt, und die Gesetze der deutschen Okkupationabehörden selbst »prochen «ine viel zu beredte Sprache dl« Koaciuako- Avenue Hermann Göring-Straaee. Immer mehr Baltendeutsche kommen in die Stadt Der in Bouthen erscheinende ,,Ob«rschlee4ache Kurier" teilt mit, dass bei Auagabe von Identitätskarten an .Volksdeutsch«" im General-Gouvernement in Polen jeder Bewerber nachweisen muss, da» er unter seinen Vorfahren keinen einzigen judischen Grosselternteil hat. Somit werden im General-Gouvernement die Nürnberger Gesetze noch strenger gehandhabt als im Reich, wo ,',Vierteljuden" mit einem jüdischen Groaeeiternteil politisch« Rechte genieaaen, sofern aie aalbat nicht d«m jüdischen Glauben angehören. Die offizielle „Warschauer Zeitung" veröffentlicht eine Verordnung des Nazi-Gouverneurs für Polen, der den nichtjüdischen Arsten verbietet. Juden ärztliche Hilfe zu leisten, während jüdischen Ärzten die Behandlung von Nlcht- und Mähren vom 21. Juni 1939 sind, sofort ausgefüllt zurückzusenden, sofern sie dies nicht schon getan haben. Wer die vorgeschriebene Erklärung nicht einsendet, dem wird die Auszahlung der Rente mit 31. März eingestellt. Für Kriegs- und Nachkriegsbeschädigte, die kein« Juden sind, aber eine Jüdin zur Frau haben, gelten nach einer Kundmachung des Finanzministerium» die gleichen Vorschriften wie für Juden. £lNOESCHMOLZ£N£ DENKMALER Dasselbe Organ des „Reichsprotektors" Neurath schreibt unter dem Titel „Jüdische Denkmäler in Prag werden eingeschmolzen": „In Prag ist endlich auch die Frage dea Weiterbestünde» bestimmter Denkmäler entschieden worden. Die Stadtgemeinde hat den Beachluaa gefasst, mit der israelitischen Kultuagemelnde wegen der Entfernung des Rabbi Löw im netten Rathausgebäude und des Moses in der Pariteratrasse (vor der Alt-Neu-Synagoge) in Verbindung zu treten, wobei bei diesem Denkmal die Einschmelzung im Sinne der Kriegswirtschaftsmassnahmen des Reiche» erwogen wird." Anstand kann niemand getäuscht werden, scheint also, dass diese journalistische gandu sich nach innen richtet, woraus man sehllessen muea, daas im deutschen Volk noch Kreise vorhanden sind, die das. was wirklich geschieht, missbilllgen würden, wenn sie die Wahrheit wussten. Während wir an diesem Peuaach-Feat all der Taugende von Juden gedenken, die diesmal da» Fest garnicht oder nur unter äusseret gedruckten Bedingungen und in im I furchtbarer Not feiern können, vor ailam der B« hunderttausende Juden in Polen, für die sonst dieses Fest ein tiefer Einschnitt im Jahre war, empfinden wir, dass der tiefe Glaube an die Idee der Freiheit, an die Idee der Auferstehung, die stets die Grundstimmung dea Pesaach-Festea gewesen ist, uns und sie vereinigt und trotz allen Widersprüchen und aller UnWahrscheinlichkeit die Überzeugung gibt, dass an einem kommenden Tage unsere Enkel wieder sprechen werden: „Knechte sind wir gewesen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.