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Jüdische Weltrundschau · 1940-04-08 · 14 (8.4.1940) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
14 (8.4.1940)
Date
1940-04-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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,f W ^f" Wmm^9- JAHROANG II / Nr. 14 JUDISCHKihlDSCHÄU roda*»!o«i. VetUs n.-trt Ani«H#n-V>rw»lttmf: Jeraiftlem P. C fc i'.'ii); .-, }lpn JetnoU .Str.. TH.-phon 307» fi.r uturrlftrigt.- MunuskripiH wird kein.- (i»r*nti* tthn n<.i.u:i. n. ,!<..!.-r Kimm ri-:nC oder Anfr«f i»t «-In lnt.>rnitlonftlrr Antworti'-hrln Ix-kufiürfh ZuncInifU-n für di« UodAktio:i w«>riW<n tiirhi an Kin«»)p.tr»on«>n. »on*f»rn Q Appfi lOJA •» dir Kod.ktion. .Jtn.MJom. P. O. II. flf.fl rrb-t«n. At KIL* 1940 Kl SALKM 5*r 'S tra r.i« *s. 'flnmal >i»fl"h<»r.?I(rh An?*l*«!i«miahtn« fflr L*:»<li>rm.trh!^«!!^ J»r\i*al«m i' O l, «*» \niriK<v>le»l<» p»»r Uiftpunt *rl-<trn - i>t» \n»»'t*i*. floh« jrrfMlt In fl Mp«U«'n. j* :U> oir. hr-it <in.ii<ij>r«l« I inet» rm tli .V. J.i Mi-mll.- Miulm»l«r<n««i Ii l«ch C'. ,-mi fleautfyrftfae ▼»r«l i-i«t.- »i'i Mri,ht»s ,i.!tutt*>». Dettlschfoiuf, Mörz 1940 Zur Lage der Juden Die augenblicklich«Lage der Juden in Deutschi wandter Julius Streichers gehört, der di* Juland wird in allen Berichten ziemdich UbereindenpoUtik Auf« Stärkste beeinfluast. stimmend geschildert. Hb ist infolge de» Krie- So mUswn «ch die ehemaligen Jüdischen gas jetzt schwieriger als früher, sich ein Bild Häftlinge der Konzentrationslager in regelrnäseivon der Gesamt.»tuation der Juden in Deutlich- , Ken Abständen von vier Wochen, oft auch nur dand zu machen. Jeder Berichterstatter kaum; von vierzehn Tagen bei der Geatapo melden, die Zustande nur so darstellen wie er sie selbst Dk^er Zwang zur Meldung ist mit Kriegsbeginn guaahen hat. Wenn infolgedessen auch dm ', auch auf die Jüdischen Frauen in Breslau ausge- Bhckfeld des Einzelnen eingeengt worden ist, \ dehnt worden. so geben doch die verschiedenen Schilderungen : Auch die Ausgabe der bvbcnamUtelkarten, jie eine Übersicht über die Situation in ganz [ i,s BresLiu von Beamten der Jüdischen Gemeinde Deutschland. utui <iem Städtischen Hrnährungsamt gemeinfJIC iTETTUIER sMTTIAII;;"am im Sa,l,c <k-r Gesellschaft der Freunde eres« ^.iTÜT», i < 7? , JS „ \tolgi, wird unter Aufsicht der Gestapo vorgenom- „i^ni™ T?erq^r. **n""^f"»** Ef men. Vor kurzem hat bei dieser C^genheit die wJh> " Tr JulenJn K^«P<> ^00 JüdUch«, Personen fest- Deutschland tiefen Eindruck gemacht haben. r_ J Wenn man auch hofft, das* es sich bei der De- ' Z J°n ™ > {Z portation fast sämtlicher Stettiner Juden nach Lublin zunächst um eine 'Sonderaktion handelt, .Israel'' Alle dio sie auf ihren Lebensmittel jüdischen Zwangsvornamen und „Sara" hatten mitain tragen lassen. Juden wurden mit erheblichen Geld' £ Jufc- Sfr »"* in ^afen^L^HÖh;"^ RM. ^KTtrSt.^Kine Deutschland lebt, das» ihm dasselbe Schicksal bevorstehen kann. ält/ere Da ine erhielt fcogar drei Monate Gefängnis, » „ . , ■. weil ihr Fall als besonders schwerwiegend ange- °f,!m ^r.U".?„>!.^-n..-™cut die f^'- sehen wurde. Die Lebensmittelkarten, die in Bresum J*^*^ lau an die Jud^n ausgegeben werden, tragen jetzt Jen Aufdruck „Jude", Wie auch in anderen Städten, so sind In Breaiiu den Juden bestimmte EinkaufHstunden und bestimmte Lüden vorgeschrieben worden. Die Inhaber der wenigen Geschäfte, in denen die Bre.slauer Jude-n ihre Lcbensmitte! beziehen können, sind sämtlich alte bewährte „Parteigenossen" der Nazis. bungen. die Auswanderung Preis zu betreiben, fortgesetzt. Jeder Jude, dem es trott all dieser Schwierigkeiten, gehngt, Deutschland zu verlassen, wird von den Zurückgebliebenen mit Bieten bestürmt, die Angehörigen im Ausland zu veranlassen,, alle Sehritte 2u unternehmen, um ihre Verwandten aus Deutschland herauszuholen. (Aus weichen Gründen die Deportation der Stettiner Juden nach Lubün erfolgt ist, lässt sich bisher noch nicht übersehen. Es Das Benutzen von Auto-Laxen in Breslau .... ., . 0» f. t ist Juden verboten. Zuwiderhandlungen werden ^betonn^dass die Summer Juden, «hon unge j durch Meldungen bei der Gestapo gefähr vier Wochen vorher durch ihre zwangsj ahnciet massige Überführung in ein Warenhaus erj ' schreckt wurden. Damals mussten sie in wenigen Stunden ihre Wohnungen räumen, um baltendeutschen Familien Platz zu machen. Stettin besitzt in seinem Oberprasidenten Sehwctic-vobürg einen besonders radikalen Antisemiten. Aber es ist nicht anzunehmen, dass dieser Gauleiter den Abtransport von 1200 Juden ohne Billi- Nuri Paschas Sturz Der Rücktritt dos irakischen Ministerpräsidenten Nuri Said Pascha, der dur«h Raschid Ali Gailani ersetzt wurde, hängt, wie aus gung des Chefs der Gestapo, i/tmmlvr. hat durch-! Baghdad berichtet wird, mit der Paiäsunafrage füliren können. Himmler ist Ja auch gleichj zusammen. Im Baghdader Parlament war m zu zeitig „Umsiedlungskonunissar".! einer leidenschaftlichen Debatte gekommen, in Et» ist inzwischen bekannt geworden, dass die I der von nationalistischer Seite gefordert wurde, 1200 Juden aus Stettin und Umgebung inPias ki, j die Frage Syriens und Palästinas (im südüch von Lublin, angekommen sind, einem | Sl""e der Unabhängigkeit dieser Lander) gerade Orte, der nicht weit von NLsko liegt, wo sich bereits mehrere 1000 Juden au* 3tüfiri.*ch-0!rtruu, Kattountz und Wien aufhalten, während sich in d«en Städten Lubartow und Ontrow die meisten Juden aus? Poactt und ÜJxngcn befinden. Ungefähr 100 Juden aus der ostpreussischen Htadt Treuburg waren bereits vor einigen Wochen in ähnlicher Weiae nach Btaiapädia*ka im Distrikt Lublin verschickt worden; dorthin kamen auch die Juden aus Eitting, Martonburg in Ostpreussen und aus der Gegend von 3chneidemühl. Es handelt sich bei diesen Gebieten in der Wojwodachaft Lublin um besonders ärmliche Bezirke, wo man die Juden in den Häusern der noch lebenden armen Juden unterbringt. Auch nach Belzyce sind Stetüner Juden gekommen. Nach hier eingetroffenen Nachrichten sind von den aus Stettin in den Lubliner Bezirk deportierten Juden viele unterwegs gestorben. OIE VERHÄLTNISSE IN BRESLAU In Breslau geht die Gestapo bwäOndera rigoroa gegen die Juden vor Es wird behauptet, dasa dort zu ihren leitenden Beamten ein Ver- 'jetzt zu lösen, bevor der Krieg im Nahen Osten ausbricht. Nuri Pascha, der im Jahre l»8ft eine hervorragende Rolle in allen Palästinafragen ge spielt hat, erklärte im Parlament, Irak aikin könne diese Frage nicht lösen, da es noch andere interessierte Staaten gebe. Man müsse es mit Verhandlungen versuchen. Nuri behauptete, durch seine Tätigkeit grosse Erfolge In bezug auf Palästina erreicht zu haben; er hoffe, so sagte er, dass in Kürze eine arabische Regierung in Palästina in Einklang mit dem enghschtn Weissbuch eingesetzt werden wird. Das Weiavbu^h widerspreche nicht der Baifour- Deklaration, die nicht versprochen hat, ganz Palästina in ein jüdisch tu Nationalheim mit einer zionistischen Regierung zu verwandeln; da» Weissbuch spreche da« deutlich aus. In der Debatte sagten mehrere Redner, durch eine Regelung der syrischen und palästinensischen Frage werde die arabische Freundschaft tixr England und Frankreich nur wachsen Man übta heftig« Kritik an der Lauheit der Regierung Nuri's in dieser Sache, so das» die Regierung schliesslich zurücktreten musste. „Alles zu gewinnen" Dan jUdiache Chao» — lUrtc* Leben, | neue Men** he» — IVi»r »prfcht fUr «II« | Juden — ArtttrikAnhehf* Judentum —- Der Kernpunkt | Was immer noch an ZcretörunK \ Schnecken bevorsteht?» mag, v» wird der Tag j kommen, wo die menschlichen Beziehungen! und daa Völkerleben neu geordnet wer- I den n»ü«aen. Die Welt wird dann ganz gewüui! anders aussehen, auch die Sieger werden vor! neuen Problemen stehen. Wenige Dingo aber sind so unvorstellbar wie die Situation, in deiche Jude n dann nein werden. Für die Juden bedeutet die Ankunft der Nazi-Horden in einem Land die brutale Vernichtung. Wir erlebten schon einige Beispiele. Und die Flüchtlingsniassen, die panikartig den Kontinent verlassen, in d<?rn sie fast zwei Jahrtausende gelebt und an dem Werden von Wirtschaft und Kultur mitgewirkt haben, versuchen an irgendeiner Stelle der Weit ein notdürftiges Asyl zu finden, aller Voraussetzungen eines geordneten Lebens beraubt. Wie kann die» jahrelang »o weitergehen? Wie soll eine Generation unter solchen Bedingungen aufwachsen? Und wenn der Moment der Ruhe kommt, wie kann so viel Zerstörung wiedergutgemacht, so viel Verlorenes wiederhergestellt werden? Dass Tausende von Menschen ihr Leben lassen müssen, ist unter solchen Verhältnissen unvermeidlich, aber auch bei andern Völkern sterben Tausende, in dienern über den Erdball geisternden Krieg, der heute in Spanien, morgen in China, übermorgen in Polen Mensehen jedes Geachlechta und Alter» [dahinrafft; nur wenn man über das Schicksal i hinweg das Volk betrachtet, wird die AusjnUirnsiage deutlich: die Völker leben weiter | und erholen sich wieder, sie bleiben auf ihrer | Erde. Wie aber mit den Juden, deren Groas-; teil so lange überzeugt war, gar kein Volk xu sein? Sie sind ein Volk ohne die wesentlichen | und natürlichen Lebensgrundiagen, und hun- I dertfach schwerer als bei allen andern iat bei [ihnen eine Einrenkung der aus allen Fugen geratenen Existenz. Die Juden haben ihre \ Lebensform als Volk noch nicht gefunden, und nach dem Krieg wird, m ist zu befürchten, nicht viel mehr von ihnen sichtbar sein als eine chaotische Mause herumgejagter und heruntergekommener Flüchtlinge. Dies gilt es zu verhüten. In jenen Ländern, wo Juden noch Luft zum Atmen haben, muss das Gefühl und der Stolz »ich empören gegen eine solche moralische Verelendung. Auch von den Flüchtlingen beweisen viele Mut und Zähigkeit und zimmern sich ein neues Leben. Vor allem aber wächst die Bedeutung der Judensiedlung in Palästina, die trotz allen Schwierigkeiten und politischen Reibereien als einzige Ganzheit die Judenhtit repräsentieren kann. Dort ist auch gezeigt, was Juden!eist«n können, wenn die äusseren Bedingungen auch nur halbwegs vorhanden sind. Darauf hat z. B. Sir John Hope- Simpson in seinem gromie:i Buch Über das

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