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Jüdische Weltrundschau · 1940-02-05 · 5 (5.2.1940) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
5 (5.2.1940)
Date
1940-02-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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5. Februar 1940 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU B*fl Loblied auf ein Orchester "-""""T i stallt ein anony»» bleiben« i der Gatte eine« Ezekutlv- I Mitglieds der Wlwi ein« j Betrachtung an, die vi«- I len MÄnmrn der gleichen 1 Position tlb«mll In «»er j W>!t aus dem Herren ge- | sprochen «ein dürfte, l Selbstverständlich wissen j wir alle die öffentlich« j Betätigung unserer Frauwas er zu sagen, welche Auffassung er zu vertreten hat. en sowie die Leistungen freilich sei betont: das Palestine Orchestra wird natürlich | <l*r Wlz© zu würdigen; jede künstlerische Auffassung de» Dirigenten als die fttr| dl« privaten Begloiterdie Jeweilige Aufführung «Hein gültige, unanfechtbare nkzep- { «ohsinungen haben absr tieren. Nur wenn der Dirigent wie da.n heute nicht selten! eine humoristische Seit», der Fall ist. mit seinen Zeichen gar keine künstlerische j So schildert der Gatt«, Auffassung durchzusetzen hat, sondern sich lediglich In i welche Funktion man «In interessanten Gelten gefallt, wenn somit »eine Geschäftigkeit j Mann in einem Wlzonur den Zweck verfolgt »ich und anderen etwa» vorzu- Haushalt erhält. Kr hat lauschen dann wird er beim Palestine Orchestra schlecht i das Baby au pflegen, da« fahren. X»«* Orchester nämlich wird Minen Hrhs-tn ernst \ Abendessen cu kochen, nehmen und ihn gerade dadurch widerlegen. Wo dagegen «in Meister spricht, In dasse» Werk kein falscher Putz, sondern echte» Metall glänzt, dort gibt das Orchester sein Letzte« her. Ein einzigartiger Genua« tat es darum, das Palestine Drehest™ eine Fuge spielen zu hören. Denn dann wird, was bei manchem anderen Orchester aU Formel und Schema erscheint, reiches, quellenden Leben. Eine Fuge : da gibt es j keine Nebenstimmen, da ist Jeder Spieler sozusagen Konzert-; meister und jede ■einzelne Leistung bringt die Entscheidung! { Diene Woche M Huber mann wieder in Palästina eingetroffen, um bei dem 8. Konzert den Palästina Orchesters mitzuwirken, fluhermann ist in dieser Saison der ernte berühmte Solist, der ans dem Ausland hierher gekommen ist, da andere infolge den Kriegsausbruchs absagten. Ks Ist )a für IIubermann kein fremdes Haus, in das er kommt, denn das Palastina Orchester ist sein Werk, mit dem sein Name immer verbunden bleibt, ftubermann spiette diesmal im Lande zwei seiner berühmtesten Nummern, das Violinkonzert von Mendelssohn und das Violinkonzert \ <m Brahms. Mr fand den dankbaren Empfang, den er hier verdient. Was Uubermann für Palästina geschaffen hat, geht aus dem nachfolgenden. Artikel eines bekannten (ehemals Wiener J Musikkritikers hervor, der vor seiner über Siedlung nach Amerika eine Zeitlang in Palästina gewesen ist und von dein Palestina Orchester auf das Tiefste beeindruckt mim den nachstehenden Artikel sandte. —- Red. Der Musiker, der zum ernten Mal aus Europa nach Eres Israel reist. ist neben tausend anderen Dingen, denen er als Mensch und Jude voll Erwartung entgegenblickt, noch auf etwa» Besondere» gespannt: auf das Palest ine Symphony Orchesfcra. Im üblichen europaischen Musikbelrieb galt und gilt es für ein Orchester stet« als höchste« Ziel, ein zwar möglichst ausdrucksfähiges, zugleich aber auch ein möglichst willenloses Instrument in der Hand des Dirigenten zu sein. Je mehr es als solche* wirkt, in je stärkerem Masse es sich sozusagen zu entpersönlichen vermag, umso eher wird et als vollkommen angesehen. Auch das PaJestin« Ocheatra erweist sich für den rieh tigen Dirigenten als ein Mittel reichsten, differenziertesten musikalischen Ausdruck»: Dennoch «teilt «.* keine Apparatur neutraler Instrumente dar, auf der man spielen kann wie der Klavierspieler auf dem Klavier. Nein, das Paleatine Orchestra ist eine überaus lebendige Gemeinschaft, die man führen kann — zu Sieg oder Niederlage. Eine Gemeinschaft von Musikern, von Menschen und von Juden. Dieses Letztere aber war für mich, wenn ich es nunmehr persönlich sagen darf, ein« Entdeckung, ein Erlebnis. Wir Juden sind ja zuweilen eine schwierige Gesellschaft und nicht umsonst heisst es, wenn fünf Juden beisammen sind, gibt es mindestens — fünf Meinungen. Demnach hätte der Zweifel, ob jüdische Spieler zu einer Einheit zusammenschlieasbar seien, vielleicht seine Berechtigung. Hier aber zeigt sich, das« sie restlos eins und einig sein können, wenn eine höhere Aufgabe sie ruft. Diese jüdischen Musiker, die hier Orchester spielen, hören keinen Augenblick auf, empfindende und denkende Menschen zu s-Mn, sogar solche mit eigensten Empfindungen und Gedanken. Zwar kann der Komponist, der Dirigent sie zu seinen treu, zu seinen rückhaltlos ergebenen Gefährten machen aber «r muss sich auch von ihnen in Acht nehmen! Ich bin mit so manchem allerersten Orchester in jähre langem fast täglichen Kontakt gestanden — habe zum Bei spiel an den berühmten Wiener Philharmonikern die unvergleichliche Schönheit ihrer Tongebung, am Amsterdamer Concertgebouworcficötcr die nicht zu überbietende Präzision ihres Spiels bewundert -- doch ist mir nie ein Orchester begegnet, das den geheimen Schöpferwillen eims begnadeten Komponisten, eines dem Werk dienenden Dirigenten, so sehr der letzten Erfüllung zuzuführen vermöchte, wie das Palestine Orchestra — das die Armut eines der Berufung ermangelnden Komponisten, eine« unaufrichtigen Dirigenten so schnell und mitleidslos «nthülltn, verraten wurde. Und zwar durch nichts ander«« als durch sein Spiel. Jedesmal wenn einer der berühmten Dirigenteugäste neu an der Spitze des Palestine Orchestra erscheint, sieht man die Spieler mit erwartungsvollen glänzenden Augen zu Ihm aufblicken. Ihr Verhalten und der Ausdruck, mit dem sie dann zu spielen beginnen hat etwas .so persönlich Interessiertes, steigert sich bei alier Schlichtheit zu einer so eindrlngüchen, fast an jeden Hüner einzeln gerichteten Äusserung, dass dieser sich seinerseits bald wie ein der Aufführung direkt Verbundener, an ihr Beteiligter fühlt. Wenn somit der Hörer des Paleatine Orchestra förmlich zum Mitwirkenden wird, so ist e» nicht minder bezeichnend, das« die Spieler nie aufhören, gleichzeitig selbst eifrige Hörer zu sein. Und beobachtet man die verhaltene, doch nicht ganz zu verbergende Freude, mit der ein« besonders innig vorgetragene M«lodie der Sologeige eine duftig aufperlende Koloratur der Flöte, eine kühn und elegant heraus geschmetterte Fjanfäre der Trompete von den zuhörenden Kollegen quittiert wird, so *pürt man: hier wird nicht nur um den Erfolg eines Abends gekämpft, hier wird um eine höhere Rechtfertigung, eine Beglaubigung, eine Hoffnung gerungen, um etwas, da* uns alle angeht. aber auch «ein«' Frau in juristischen Fragen zu beraten, und worin seine Frau gar in der Exekuflvo sitzt, dann hat er den ganzen Tag über zu tun, um telefonische Melc f u n g tm « n t gege nz vi n e h - mnn und weiterzugeben* Das ganze Haus, «o ,. , , j schreibt der Verfasser, Wenn daner der ausgezeichnete palästinensische Kompoj iJlt jmmcr voll belegt mit nist Sternberg eines seiner Werke „Die zwölf Stämme Israels" j Protokollen und anderen nennt und ein anderes „Joseph und seine Brüder" so Ist es! Schreibramsehül* glihm selbst vielleicht nicht einmal so sehr bewusst, dass «"[«chrlebenen Dokumenten »seh nebst allem anderen wohl auch durch die «peztflache i Man findet sie zwischen Art des Palestine Orchestra inspirieren lies». Denn Brüder j jen Taschentüchern und und Stamme, Lebewesen, die mit und für einander wirken, jln Äjjen möglichen Uli« sind die Instrumente und Irustrumentengruppcn dieses Orehern Immer so sagt ehester». So \u% auch Mark Laum, der Feuerkopf, der rechte Komponist für das ■ Orchester. Denn die Spieler verstehen und Heben diese Melodien, die aus den Tiefen dieses Lande» geholt sind, de* Landes, das heu c nooh schwer von Geheimnissen und Sehnsucht, von Enttäuschungen und Verheissung Ist, ebensogut wie vor zweitausend Jahren Und Bloch und Gnessin, Achron und Weprik und alle Anderen,, die im jüdischen Musikbereich wachsen, und vielleicht erst recht diejenigen, die noch kommen werden, sie können dem Orchester und das Orchester ihnen nie verbunden, «ein durch da» Mittel von aussen her geholter Schlagwort«, sondern nur durch ein in ihrer Schöpfung selbst Gestalt gewordenes Band. Denn wie bereits gesagt: das Palestine Orchestra ist kein mehr oder minder gut arbeitender Mu-s.'zierapparat, i>c,ii,\»rn eine aus aller Welt heifcoigeführte Versammlung jüdischer Künstler. Und nur, wenn eine gerneIn&ame Idee sie verbindet, lassen diese sich zu einer schöpferischen Etnhelt formen. Werden sie no nicht auch zu einem Symbol für PaläMina selbst? Auf die an mich oft gerichtete Frage aber in welchem RAng das PaIe«tino ■ Oehestr« Im Vergleich zu den grossen europaischen Orchestern einzureihen sei, möchte ich erwidern: das Palestine Orchester wird vielleicht mehr als andere Orchester vemagen, wenn ein unfähiger Dirigent es leitet. Es wird aber .sofort zu atmen, zu leben, aufzublühn beginnen, wenn ein echter Musiker es betreut. Hudolf KetL WIE UNSERE JUGEND LEBT Es gibt wenige erfreuliche Dinge in unserer jüdischen Welt von heut«. Zu den erfreulichen gehört es, wenn wir von einer der vielen flachscharuh-Hiedlungcn eine ihrer Lager- Zeitungen erhalten, die einen Einblick geben in da« Leben und Denken der jungen Menschen zwischen 15 und 17, die sich auf ein neues L*b*n vorbereiten. Dieu© Vorbereitung ist nicht nur eine technisch« und manuelle Angelegenheit, sondern auch eine acclisehe, verbunden mit dem grossen Erlebnis der Arbeit, der Natur und vor allem der Gerneinschaft. In diesem Sinn lauschen die Musiker dem Dirigenten fast (Dieser Tage erhielten wir ein derartiges Heft aus Gunnarpentgegtm, als ob er jedem einzelnen von ihnen und uns Heil bringen müsse. So »ind .sie auf jeden Wink begierig, den sein Dirigentenstab ihnen vermittelt: auf die gebietenden, anspruchsvollen Zeichen, die zu schwierigsten technischen Leistungen anfeuern, ebenso, wie auf die .schmiegsamen, zarten, die nur eine feinere Phrasierung verlangen, und nicht zuletzt auf jene geheimnisvollen, undefinierbaren Zeichen, die etwa bloas durch einen veränderten Gesiehtsausdruck eir.e besondere seelische Summung erbitten. So kommt es, dass auch der gefeiertste Dirigent sich diesen jüdischen Spielern gegenüber ein wenig wie bei einer Prüfung vorkommen muss. Entgeht es ihm doch nicht wie gespannt, fast erregt che Spieler es erwarten, beobachten, überdenken. Hhtnnmet in Südschweden. Wir empfehlen jedem, der unsere Jugend kennen lernen will das sollte eigentlich jeder, besonders in einer Zeil eines so tiefen Bruches zwischen Jung und Alt-, so ein Heft zur Hand zu nehmen und durchzulesen. Wir finden da ein« sehr lebendige Schilderung des äusseren Lebens und der Arbeit, auch der Feste, des Oneg Schabbath, des Sports und der Freizeitgestaltung. Diese anspruchslose, von den Kindern selbst geschriebene Zeitung ist darum so ansprechend, weil darin auch kleinere äussere Einzelheiten rriitgeleilt werden, wie z. B. der Küchenzettel, die Arbeits* einteilung, Gesundheitsfürsorge etc. Natürlich l«t alles mit selbstgemachten Zeichnungen verschen und sauber h»ktographiert. er, findet man Irgend etwas Interessantes Im Zimmer, sei es auch nur die Anleitung für einen neuen Kochkur». Da« Beste Ist, dass Wlzofrauen und ihre Gatten niemals um einen Gesprächastoff verlegen sind. in respektvoller Weise .schildert der Verfasser aber auch di« w i r k 11 o h e n L-e i * t u nge rv ■ die die Wizo in kleinen Dingen im Land« vollbracht hat. Wenn ich jetzt,, so schreibt er, eine Kwuzsh besuche, muss ich nicht, wie frü^ her, mein Essen mit einem Schwärm hungriger Fliegen teilen. Ich riskier* auch kein« Magenschmerzen mehr wegen der halbrohen Kartoffeln und des schlecht gebackensn Brotos ijie Zimmer sind peinlich Hau bei und h*b*n m*i»t eine van Gogh-Reproduktion an der Wand und ein Buch von Tolstoi auf dem Tisch überall gib», es Abaoiventinnen der Wlzo- Schulen. die auf jsda Frage eine nette Antwort geben. Solche Wunder haben unsere Frauen durch ihre Wizo-Arbelt vollbracht Wl« sie das tun, ist ein Geheimnis, hinter das nich-, einmal ein Wizo-Gatte kommen kann. Das gelungene, aus' Ernst und Scherz gemischte und gewiss auch von den verulkten Frauen gnädig aufgenommen« Feuilleton schliesst mit dem Aufruf „Wizo-Gatten alier Linder, vereinigt Euch!"

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