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Jüdische Weltrundschau · 1940-01-22 · 3 (22.1.1940) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
2 (1940)
Issue
3 (22.1.1940)
Date
1940-01-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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22. Januar 1940 JODISCHE WELT-RUNDSCHAU Seit« 7 JUDENTAUFEN In kleinen on Dr. Mo 1 r kl b ri c r (Cernauü ) Judentaufen sind wie oft in unserer Gesehn hte zu einer besonderen Zeitcrseheinung geworden. Man meidet Judentaufen aus allen Ländern, die von Judenverfolgung heimgesucht werden. Sie sind nicht zahlreich genug, dass man von einer Massenerschf-inung sprechen konnte, aber sie sind häufiger als »U' es in normalen Zellen waren, und es ist «ehr naheliegend, druss die judische Öffentlichkeit sich mit der Krage der Judentaufen befasst. Man darf sich wicht verhehlen, du»» die Judenverfolgung in Deutschland und in den anderen von Deutschland „protegierten" Gebieten eine Massenflueht aus dem Judentum in •Jen Schoss der christlichen Kirchen ausgelöst hatte, wenn der deutsche Nationalsozialismus nur die jüdische Religion und nicht auch die rassische Zugehörigkeit zum jüdischen Volke diskriminiert hätte. Erschreckend gru ,s wäre die Ziffer jener gewesen, die sich ins Christentum hinübergerettet hätten ungefähr so, wie es 14W2 zur Zeit der Judenaustreibung aus Spanien gewesen ist, als Zehntausend!- der wohlhabenden und gebildeten Stände die Taufe nahmen, um nicht Hab und Gut, und Heimat verlieren zu müssen. Wie viele dieser Marannen von heute dem Judentum im Herzen trei bleiben würden, bleibe dahingestellt. Sicherlich ist das religiöse Gefühl in der ganzen Welt heute viel schwächer, als es bei Ausgang des Mittelalters und namentlich nach der Reformatio» war. Die, Rolle des religiösen Wahnsinns von damals hat heute der nationalistische Rassenwahn übernommen. Die Kirche wird an der immerhin beträchtlichen Zahl von jüdischen Neuchristen keine Freude haben, Eehtc Überzeugung ist es nicht, die die meisten dieser Neuchristen zur Kirche treibt und man soll sich nicht__scheuen die Wahrheit zu sagen: Diese Täuflinge sind nicht gerade die besten Früchte am Baume des Judentums, sie sind m der Regel minderwertiges Abfallobst, zumindest sind sie moralisch weniger wertvoll, als jene Hunderttausende, die trotz Not und Tod ihr Judentum nicht wegwerfen und wenn auch mit schweren Schmerzen ihr Judenschicksal mit Wurde tragen. Aber nicht ohne Verwunderung stellt man sich die Frage, wie es komme, dass heutzutage, üa man nicht den jüdischen Glauben, sondern die jüdische Rnssenzug»hörigkeit bis zur Grossmutter hinauf verfolgt, noch immer Juden in erheblicher Zahl die Taufe nehmen. Es ist bekannt, dass Länder, die für eine Judeneinwandeerwillis ligionswerhsel und geben sieh als Juden ftü*. Vor dieser Gattung muss besonders gewarnt werden. Eiw Versicherung mit doppeltem Hoden darf es mrftl geben* Diese Neuchriston haben das Tlscnluch zwischen uns und sich zer £Vhnft, die In der «ktu- ' eile Fragen philosophisch j befrachtenden Ss hrlftenj reihe „Anstdiekr" des Verä ln«H Hermann-Fischer, l Stockholm, erschienen j ist, behandelt Herruvann! .Hemhausen „Die Rolle 7en»chnittou. Ks bleibe zerschnitten. Aber tief beklagen Verhältnisse, die es möglich machen, dass Juden auf derartige j Abwege geraten. Sie werden den Frieden, den sie .nuchen, nicht J finden. Sie können ihre Abstammung nicht verleugnen und dort, wc es ihnen gelingt, den jüdischen Ursprung zu verheimlichen, leben sie ständig hinter einer Maske, die den Atem bedruckt. Generationen leide» unter dem Komplex eines durch üie Verheimlichung gesteigerten Minderwertigkeitsgefühles. Wenn Täuflinge nicht überängstlich sind, bewegen sie »ich mit Vorliebe in judischer Gesellschaft, in der sie sich freier ausleben, als in einer ihnim fr»md gebliebenen ihriatüchen Umgebung. Jüdische Toleranz erleichtert ihnen das Leben Audi darüber soll ein offenen Wort gesagt werden: Man soll tolerant sein gegenüber Jedermann, aber nicht gegen jene, welche in Zn'en jüdischer itedrüngnis das eigene Schicksal von dem der Gesamtheit getrennt haben. Unsere Vorfahren hatten jedenfalls mehr Selbstachtung, als wir, die auch jedem Karriere-Täufling unsere Gescllsehnftsraume offnen. Jüdische Würde wahrt man anders. In dieser ausserordentlichen Zeit macht das Judentum auch eine (! laubiftskrise durch. In ihrer namenlosen Verzweiflung kommt eine Hlobsstimmung über die Unglücklichen, die der Holle der Heimat entronnen in unsagbarem Elend im Niemandsland verkommen (Hier auf den Meeren herumirren, ohne einen rettenden Hafen zu finuen. Wo sind Eure Gotter? Diesen uralten Hohn bort man so oft, und so mancher stellt in »einer herzbrechenden Not die bekannten Fragen nach dem Warum? und dem Wozu? Wir stehen fassungslos vor dem Rfttael des grausamen jüdischen Schicksais. Auch unfromme Juden sind Im tiefsten Wesen gläubig. Sie streiten mit ihrem Gotte, sie wollen von der ewigen Selbstanklage der Frommen nicht» wissen. Ergreifend sind ihre Klagen nicht unähnlich dem wundersamen Liede vom Berditschewer Rabbi, der im Namen von AM ISRAEL den RIBONO SOHEL OLAM zu einem DIN THORAH fordert. j Wenn man die Motive für die Zelterseheinung der be- ,|i0 | des Itaiier» in d*r Weltgeschichte" Die gegenwärtige Verwirrung der Menschheit, die durch ihren Verltutt aller moralischen Maa*- »iäbe Bich in ein beispiellose« Vernichtung*- werk hineinrr«'«l)en \tümt. wobei ein Mann al* Repräsentant des Bosen seine unhein^iche zernbt, wirft nehm den politischen Fragen die tiefsien metaphysischen Fragen auf, um die sich die zivilisierte Menschheit stets muhte. Ist da* Boise eine selbständige Macht'.' Uns scheint es doch, als ob auf dieser Erde ein Däuerdueli zwischen der Gottheit und dem Teufel im Gange sei Die verzweifelte Kinderfrage drängt »ich auf: Warum schlägt Gott den Teufel nicht, tot? Steinhausen erinnert an Dostojewski, an da« Buch Hiob, er hätte noch manchen tulmudischen Weisheitsspruch über die Mitwirkung des Bosen Im schöpferischen Proze»» der Weit, auch mancho Äusserung von Max Brod, der sich unier judischem Aspekt mit diesem Problem befo&st hat, erwähnen können Steinh&use» .. . ,. t ..... i kommt zu dem Ergehtrachtlich zunehmenden Judentaufen analysiert, stösst man! nU{ dass es sich in diesem | auch auf diese aufbegehrende Trotzstimrnung, weiche an j Krieg nicht um die Rej Gott und Menschen Verzweifelnde, vom Judentum weg zum! gelung von Mach tan - Ms au rung in Betracht kommen, nur widerwillig eine grössere Zahl Christentum treibt. So wie es Juden gibt, die der feindvor, Juden aufnehmen, auch wjiiii aie, durch Züiaüsung einer i liehen Umweit zum Trotz Juden bleiben („Dafke-Juden"), zahlenmassig beschrankten Einwanderung, immerhin menschso gibt es in dem geschilderten Zusammenhange solche, die 'liehe» Mitleid mit den Opfern der Verfolgung bekunden,; derr Judentum v,:;.v. Trotz die Taufe nehmen („Dafke- Flüchtlingen christliehen (Hauben* gegenüber ist der Widerj Christen"). Auch1 die» ist eine Zeiterscheinung, und es Ist stand viel geringer. Es häufen sich Fälle, in denen Juden : schwer gegen sie anzukämpfen. Es ist schwer, diesen die Taufe nehmen, um leichter in den Besitz eines Ein- . Opfern de* Judenhasses und der um sich greifenden Be-__________________ wanderung.svisurn» zu gelangen. Em kommt auch vor, j griffsverwirs'ung mit Gründen der Vernunft zu kommen und , OrdnungsgeaeU de« göttdass jüdische Emigranten, die sich taufen lassen, bald darauf j noch schwerer ist es, sie zu lehren, dass geläutertes Juden- \ liehen Geistes oder von zu einer anderen christlichen Konfession tibertreten. Der j tum und erhabenster Gottesgiaube fernab liegen von Lohn dcr Anarchie des Teu Taufschein enüialt munlieh eine lUtbriir-betreffend die fruj und Strafe und mit menschlichen Massen nicht zu messen here Religionszugehörigkeit. Wenn nun der Täufling die! sind. christliche Konfession gewechselt hat, enthalt der neue j Auch die Taufe in Glaubenanot ist eine vorübergehende Taufschein nichts mehr von dem jüdischen Ursprung. Man! Zelterseheinung. Es werden noch bessere und dann wieder! kend«" Kraft.'""Da» Leben wird diese Methode den Juden verübeln. Aber die sie üben, schlechtere Zeiten kommen ein ewiger Wechsel, ein ewige» selbst hat diese chmotiberufen sich auf Notwehr, und dass Juden, die »ich schon j Auf und Nieder wie in der Geschichte der Menschheit, so einmal zur Taufe entschlossen haben, sich zu einer derar- \ auch in der Geschichte der Juden. tigen moralisch anfechtbaren Methode verstehen, ist genau; Und was Ich aus (hr lerne? Da»» unsere Lage in der so verwerflich wie die Engherzigkeit jener, welche dem Diaspora eine unhaltbare ist und das» «>» nur «ine Lösung glaubenstreuen Juden die Einwanderung erschweren, ' gibt, zu leben „als freies Volk auf freiem Grund" in Es kommt auch vor. dass jüdische Angestellte, denen , unserer Eigenart zu leben in einem eigenen und freien Lande am schönsten und am besten in Erez-IsraeL. liehen in gewöhnlichem Sinn handelt, sondern „um eine moralische Entscheidung von einer» 'Tiefe, wie sie noch nie auf de r be wohn te h Erde ausgetragen worden ist. ich die Erde vom Anarchie \ fei» beherrscht «sein aoU" I Du« Boso in der Ge- ' schichte ist die gegen die ' i geistige. Ordnung wir- Entlassung droht, weil ihre Staatsbürgerschaft nicht anerkannt wird, oder weil sie als jüdische Minoritatler überzählig sind, ihre Positionen behalten, wenn sie die Taufe nehmen. Diese Dinge sprechen sich herum, und es ist kein Wunder, dass glaubensschwach« Juden der Versuchung erliegen, die Taufe nehmen jn der oft trügerischen Hoffnung, sie könnten sich und die übrigen vor dem Schlimmsten bewahren und im Lande bleiben. Noch weniger sympathisch sind jene, di Einreise ix Abreise die Taufe nehmen, um in der Fremde unbeschwert vom Judentum, ein neues Leben zu beginnen. Aber wenn sie das rettende Gestade betreten, scheuen »ie sich nicht, die von den jüdischen Hilfskomitee» angebotene Hilfe anzunehmen oder sie sogar zu fordern, Sie verschweigen den Re- Hchv Tendenz zur Katastrophe und widerstrebt der Ordnung. Die Aufgabe des Menschengeü»Uw» ist. <J2e»e Triebe zu bändigen. Nie wieder dürfe, wj« nach dem letzten Krieg, ein leichtfertiger optimistischer Fortschrittsglaube rna»»gebend »«in, sondern die Die Ge>Hi*ch»ft für jüdi*ch* Faniillenfor« hung (Um- -............. deKgruppe P&iittitina.) veranstalte vom 27.12.1Ö39 bis zum tiefe Erkenntnis 5 1. mo im National Museum „Renaler-* Jerusalem eine Au»- > da» l>b*n «in unaufhör* Stellung von Bildnissen, Handschriften und Büchern von Moses' lieher Kampf mit den Mendelssohn. Zur Einführung fand die 4. Sitzung der Gesell- Dämonen des Bosen ist.; »chaft am 27.12. im National Museum „Bezalei" statt. Dabei Eh ut eben da» ist das Vi»um zur wurden folgende Kurzreferate gehalten: Herrmann Meyer : jüduche Lehre die ge~ uberseeische» Land bekommen und vor der Moses Mendelssohn, der Mensch und Philosoph; Dr. Aue-Her - I heimniavolle grossartige Die Vorfahren Mendelssohn»; Dr. Bar üajan Da» Familien-! Sonderstellung de» Menleben M M. an Hand »einer Briefe; Dr. Diamant Die Nach-! sehen im System, der kommen Mendelssohn»; M. Sarkis Moses Mendelssohn im Schöpfung, da«» er an Bilde, Die Ausstellung bietet viel de» Interessanten und wird 1 der Erlösung der Welt gewia» auch der „Gesellschaft für jüdische Familienforj durch die eigen«, T»t achung" neue Freunde werben. mitwirken mus».

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