Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 2 (12.1.1940)
- Date
- 1940-01-12
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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12- Januar 1940 JÜDISCHE WELT RUNDSCHAU 8dt«? DEUTSCH-JÜDISCHE ORGANISATIONEN IN USA Ulf Ueuiscueii Juden u viel weniger in die ameriK urgamsalionen euigeorunet. noaiiung in «New Kork New »orK n uscn-jtiuiscnen 1.4 in en sich bisher umeimien unu nueren .saunen. i-»u> /Aliuni die cinoruming in vieler, nesonders in sprachlicher und gesellschaftlicher itmsicht Aut der anderen seile haben die umeriKanischin gemeinden und Organisationen trotz einer Kein« von erfreulicher» versuchen die deutschen Juden bisher noch nicht genügend stark zu «ich herangezogen < Das National Coordinating Committee versucht jetzt durch sein „Division for Social and Cultural Adjustment" auch auf diesem Gebiet Brucken zu sehlagen). Diese Ursachen fordern die Bildung e i n es (»cutsch-jü d i s c n e n S o n d e r I e bcn.1 in New V ork, das, sofern es n u r gesellschaftlichen Charakter hat, unsere Einordnung hemmt. Andererseits erfüllen die Zusammenschlüsse der deutschen Juden, sofern sie ihre Aufgaben verstehen, eine äusserst wichtige Funktion: Sie haben einen, wenn auch kleinen Teil der deutschen Juden, die sonst jeaer Jüdischen Gcmemschaftsbildung fern blieben, als jüdische Organisationen erfasst, und bemühen sich, soweit sie ihre Aufgabe verstehen, sie in das allgemeine und jüdische lieben des Landes einzuführen und ihre judische Gerneinschaftsbindung und Verantwortung zu starken. Deshalb bei denen der frühere Berliner Oberkantor Peiasachowitsch als Chasan fungierte. In New York wurde kurz lieh eine neue druttrh-judttchr Uemrinitt: gegründet, die den Namen „Habonim ' fuhrt. Rabbiner der Gemeinde ist Dr. Hu(/o Hahn (früher lassen«. Im Zusammenhang mit der Gemeuuli besteht auch cm ,Judutckcx Lerhrhau* t raue t%o.it:n*u-rtg", ai dem u.a. Dr Eduard Mraiisa». der früher in Frankfurt an dem von Franz Kosenzweig gegründeten Lehrhaus lehrte, Vorlesungen Uber biblische tnemen nait. Aue uie.-»« uemeinaen und v«rgamsavionen erlassen bis jeUt tu« ctni ii Kieifttjti ich ui-r tituwciifli Juuert Kl «ew i ui n. eiuanu im judiscm xwi ii vifci»; «uurtMiteii, uie u uner in u i,*.ueu tuureiiu gc v* <:.-*«. n;unu, meinen innen noch um, man. uuren int e MiiwirKUiig Uie Ai heil zu (jt^tni min tu siaraen. Aussei iiaio iM'w Kitn.i Italien sun bereits tu « m* r giuss«--«« Anzahl von Städten auen dcutscn-judiscne Gruppen gebildet, uie sich meistens i^eriuaii-Jewisii t. tun nennen und ve« .-«u«. nun, .uii ivin Wanderer kui.ureil in uie amerikanuehe Well eiii/.utun»cn. eine heiusiniue der Immigranten /.u oigiinisien n und einen gesellst omtu« nen «Misanuueimcnlu.ss der Immigranten untereinander und mit Amerikanern zu turdern. riutche Organisationen bestehen bereits in Chicago, Philadelphia, troit, Iah*. Angeles, «an Krancisco, Boston, Cinciiinati, haben diese Gruppen, solange die deutschen Juden nicht ganz ixjuis. l'illstuirgh. Newark. Patterson und Oaklaml in das amerikanisch-jüdische Leben eingeordnet sind, nicht nur »chiedene davon haben sogar ean eigenes Klubheim und eine ein Lebensrecht, sondern es wäre zu wünschen, dass sie ihre \ Zeitschrift. Arbeit noch klarer ausrichten und dadurch eine viel grössere j Allt, deutsch-judischen Gruppen im Lande arbeiten noyh Anzahl unserer Menschen erfassen würden. j unabhängig voneinander. Seit einiger Zeit sind Kraft« am Deutsch-judische Organisationen gab es in New York 1 Werke, um einen Z u s a m n» e n s ch l u >» s samtheher deutsehbereits vor der neuen Einwanderung seit 1933. Schon vor j jüdischen Organisationen zu einer Kederation of German dem Kriege wurde der „Deutlich -j üd i »ch« Männer und Damenbund" gegründet, 1923 wurde der Proapect U n 1 t y Club und wenig später der Ge r m a n *-J e w i s h Club ins Leben gerufen. Diese Vereine und einige weitere, che heute nicht mehr bestehen, waren in den Jahren vor 1933 gesellschaftliche Zusammenschlüsse ohne besondere Bedeutung. Erst die neue Einwanderung hat mit den daraus entstehenden sozialen und kulturellen Aufgaben diesen Organisationen eine wichtige Funktion gegeben und noch eine ganze Reihe weiterer Gruppen und Gemeinden in und ausserhalb New Yorks entstehen lassen. Unter den heute bestehenden Organisationen ist der German-Jewiah Club in New York die bedeutendste. Wenn auch «eine MitgliederzahJ nur wenige Prozent der in New York lebenden 90—40.000 deutschen Juden umfasst, so ist der Club wesentlich als Trager der deutsch-jüdischen Zeitschrift „Der Aufbau", der bereit* seit fünf Jahren besteht und teilweise in Englisch erscheint, und zwar seit 1. Dezember 1939 als Wochenschrift. Er wird von etwa 10.000 deutschen Juden bis jetzt fast nur in New York gelesen Die Redaktion hat vor kurzer Zeit Dr. Manfred Georg übernommen. Die Zeitschrift war zu Jews in America herbeizuführen. Eine »okhe Gesamtvertretung, wie sie sich hier die Juden aus gleichen Herkunftsländern in ihren l^andsrnannschaften geschaffen haben, fehlt uns noch, nicht um zu den vielen noch eine neue Organisation ms Leben zu rufen, sondern um überhaupt eine Gesamt - Vertretung der deutschen Juden in den Vereinigten Staaten nach aussen hin zu schaffen und um nach innen hin die Arbeit der deutsch-judischen Organisationen im Sinne einer Ergänzung der amerikanischen Hilfsarbeit noch wirksamer auszubauen. Reinhold Herz (New York) Zweimal Wilhelm Busch auf Hebräisch Ja: zweimal! Kaum ist Wilhelm Busch frei, gerade sind eben trat 30 J«Ul«c aeii dorn To<Jc de« |onlul*n I>l,-hf«.r«.. ZHihnera und nicht zuletzt auch Lebensweisen verflossen, da werden uns bald * w e i hebräische Ausgaben seiner Melster- «chopfung „Max und Moritz" vorgelegt Wilhelm Büschs Humor i»»r _kein „deuUchcr" und uber- | haupt kein irgendwie ... ischcr Humor, sondern eben e »; h t e r nach«; vor allem ein Mitteilungsblatt mit Bekanntgabe derjH u m o r. Und deshalb ist i-n gut und eine überaus verdienst- Veranatakungen etc , ist aber jetzt ein wichtiges Instrument zur i volle Angelegenheit, Busch und seinen „Max und Moritz" geistigen Einführung der deutschen Juden in die neue Welt. | unseren Kindern in hebräischer Sprache nahezubringen. Wir, Es gibt ferner seit kurzer Zeit noch eine kleine Zeitschrift, : die wir noch die billigen, anspruchslosen aber dabei so gedie »ich „Our Way in America" nennt Vor wenigen Monaten i fälligen Busch'sehen Volksbücher im Gedächtnis haben, greihat Wilhelm Marcus (früher Berlin), die Geschäftsführung | fen natürlich zuerst nach der O r i g i n a 1 - A m * g a b e, die des German-Jewish Club übernommen. Der Club betreibt j der Verlag Joachim Goldstern & Co., Tel Aviv, in der übereihen ArbelUvermittlungadienst und eine Kechtsberatung neben 1 setzung von Chawa Ktirmi herausbringt. Wirklich: Das ist den kulturellen, geselligen und sportlichen Veranstaltungen, i die Busch'sche Volksausgabe, wie wir sie als Kinder wieder und wieder in Händen hatten, und wenn man heute wieder darin blättert, vergiast man völlig, das« das ja jetzt he-; bräisch ist, denn es sind wirklich dieselben Gedanken, das; gleiche Versmass, ja, fast könnte man sagen, ebenso flüssige, klingende, im Ohr bleibende und manchmal auch „grobe";Vcise wie von Busch selber. Und wenn es, wie ich glaube, für den Übersetzer ein Lob ist, sagt man ihm, das» man ihn »ls Kenner des Urtextes b*irn Lesen völlig vergessen habe, so kann Chawa Karmi dieses Lob erteilt werden. Anders steht es mit der Arbeit, die Anda I* I n k e r f e I d, der wir im übrigen mehrere und gute hebräische Kinderbücher verdanken, im Verlag ,,J«wne", Tel Aviv, vorlegt. Im Gegensatz zu der Obersetzung Chawa Karmin nennt Frau Pinkerfeld ihre kut/:' Vagung von vornherein nur «ine Bearbeitung. Abgesehen davon stellt aber dies« Bearbeitung i»in textlich eine Auswahl dar, ein Streich, und zwar der des mit seiner Pfeife explodierenden Lehrers, fehlt vollständig, und auch sonst ist der Begleittext auf das Mindestmass des für die Bilder gerade unbedingt Notwendigen abgestimmt. Und dann die Bilder selber: Das ist doch nicht Busch! Fast möchte man es nicht glaubet», da.ss die» ein hebräischer Verlag gemacht hat, demuMeie Bilder sind denen antisemitischer Blätter nicht unähnlich. Die den Busch'schen Zeichnungen gewaltsam eingefügten krummen Nasen, Bärtchen, Kappchen | und Mützen sind unser unwürdig: das hctisut nicht Judu!- sit-rur.g. Oder sollten die trefflichen (und eben unübertreffbaren? Busch-Bilder dadurrh etwa der Vorsti-llungswelt des blatt hat, Die anderen Gemeinden sind: „Tikwah Chado-; palästinensischen Kindes angepasst werden? Doch zum Gluck ichüh" fSchottland), trAduth Jizraet' «David Simon i, .Jiehal i st.hen unsere Bäcker und Schneider in Wirklichkeit anders Ada*» Jt-MihuruH" «Dr. Jo#4»f BrÄuer».of Hope". Einig«*! aus> un.j aucR ^j. pulästinerisische Bauer ist zum Säcke- Zeit arbeitete Dr Joachim Prinz an dem Aufbau einer j tragen wohl schwerlich mit dem. langen Rock angetan! «Das deutsch-jüdischen Gemeinde; inzwischen ist (wie schon be-i also war ein Missgriff, der umso mehr zu bedauern Ist. als richtet) Prinz Rabbiner in Newark geworden Ferner wurden { Frau Pinkerfeld sonst ihren Ton sehr wohl auf die Kindereine Reihe vor Freitagabendgottesdiensten abgehalten, weit abzustimmen weiss. Hans Tram er, Er hat die Erfüllung der gesellschaftlichen und sportlichen Auf gaben bis jetzt besser verstanden als seine Kulturarbeit, zu der jetzt erst Ansatz« gemacht werden. Das gleiche ist der Fall beim Pros pect Unity Club, der sogar über ein eigenes Clubheim verfügt. Diese beiden Clubs sind zum gesellschaftlichen Sammelpunkt der jungen deutsch-jüdischen Menschen geworden. Träger einer ausgezeichneten kulturellen Arbeit, die jedoch leider noch nicht genügend Kreise umfasst, ist die „Theodor Herd Society", ■ eine der Zionist Organization of America angeschlossene Vereinigung deutsch-sprechender Zionisten die 1&33 durch den leider zu früh verstorbenen Dr San ja Schwabs eher gegründet wurd* und gegenwärtig unter der Leitung von Dr. Lazar Wallerstein steht. Der Theodor Herzl Society steht der erst vor einigen Monaten gegründete „Mtu-cabt AthM'tic Club" nahe, tfer von Makkabim aus Deutschland und Österreich gegründet wurde. Von rein gesellschaftlicher Bedeutung ist die Vereinigung der „Immigrant Jewinh War Veteran*" (ehemalige Mitglieder der Bünde jüdischer Frontsoldaten) Eine nicht nur Juden umfassende Organisation ist die .Jiilfhelp for German Emigr$*", die eine reine Sozialorganisütion darstellt. Neben diesen Organisationen bestehen uueh eine Anzahl deutsch-jüdischer Gemeinden. Davor« ist die älteste die Israelitische Kultuxyemeinde von Rabbi M a 11 n a, die ebenso wie die von Dr. Max Koppel aufgebaute ,J<ynü- Oogcngemrinde Washington lleights" ein eigenes Gemeinde- Detcartes Das neue Buch de* jüdinehrn Professor«» Ca*»irf/r < Ernst Ca*Mrrr: Desmrte«i IVhrp, Persönlichkeit. Wirkung Stockholm, Rer mann-Fi »eher Verlag 308 HS. > ist ein grossartiges Kulturgemälde der Zeit, in welcher Pescnrte* gelebt hat. Der Philosoph starb i960 in Stockholm, wohin er «ich kur». vorher auf Einladung der Konigin Chrl- *tine, der Tochter Gustav Adolfs, begeben hatte. Vier Jtthre nach seinem Tode verzichtete die Königin auf ihren Thron und trat «um katholi- *chi'n Glauben über. Hat der philosophische Unterricht des Descartes den Glaubenswechsel gefordert oder gar herbeigeführt'' Casslrer gibt dem alten Streit um diese Frage eine neue Wendung, nicht durch Beibringung neuer Dokumente, sondern durch Aufhellung des historlu-hen Hintergründe* jenes (! I a 11 be n s w e c h se Is. Gassi - rer sieht die Grundlag* des Einflusses der Phllo- »ophle Pesdartes' auf die Königin in der kritischen Einstellung zur neustoiüi-hen Bewegung de« Jahrhunderts und in seiner positiven Bewertung der Affekte. Eine Unterdrückung der Affekte, wie sie der Stoizismus fordert, würde gegen die Natur des Menschen sein. Die Ethik kann die Affekte nicht ausrotten wollen, windern muss sie der Vernunft dienstbar machen. Diese I^ehre machte auf Christine tiefen Eindruck. Auf ihren I i lau benn Wechsel mag da« Studium der Desearte*'- •tciiru Philosophie sofern eingewirkt haben, als Descartes ein Gegner der „ natürlichen Religion" war. welche die Grenze ^wuM.-heii Vernunft und Offenbarung verwischte und auch die Wahrheiten der Religion auf Vernunft bauen wollte. Die Vernunft kann wohl das Dasein Gottes beweisen, •her was darüber hinausgeht, ist ihrem Bereich entzogen und der kirchlichen Offenbarung anvertraut. Das bedeute* keine doppelte Wahrheit, .sondern das Reich d*«r Wahrheit ist ein einzig««, aber nur zum Teil dar Vernunft zugänglich. Aup diesen Voraussetzung«« mag Christine die Folge» füngeri gezogen haben, welche nie dazu bestimnv ten, in die katholische Kirche zurückzukehren. So wäre ihre Fi.ikrhrung wohl nicht direkt, aber doch indirekt von De«r artes beeinflusst. Diee sit die l»»ung. dl« Cass|- rer einem alten Problem gibt, aber wichtiger eile diese ijösung selbst wird für einen weiten Leser« irels des kuitu/gescbiclsU