Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 2 (1940)
- Issue
- 1 (5.1.1940)
- Date
- 1940-01-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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5. Januar 1940 JtTHSCHF; WEF,T RX rNDSCHA V Stil* 7 eine La m iN rtn h in ciin'.n Industrie, etwas Hand es relativ wenig, dir jrewanderten 1".' m i 1 e n!)!♦> Hauptstadt l.a Vm Stadt von cn. 2m 000 : von lltlJ^M l . I i-rk. f'.un •(»,-! nd durchwe Ii, von re In n Famvohnern. hegt F« hat ein wenig ebuule Häuser gibt, i uns Kuropn ein- F.inhelmlsehen beder eine stark verraltete hygienische er, m denen es oft Den Schluss der Kanalfahrt bildet die kleine Stadt Panama, mit gewaltigen Rnnglcrnnlagen und Hebekranen. Hier i hielt sich aber das Schiff nicht auf. sondern fuhr gleich in; die «ich weitende Bucht. Man sieht wieder auf das Meer i hinaus: Der Stille Ozean! i In Südamerika! Etwa am II Mar/ «»r d* r Dampfer in Ruena V. n »',}\n[ ",1,,,,"n| Hu.,e, haben m tura fColombirii. am IM in Salmas «Fquadorman?,,tr »'» ^'^ »»' nt-pre, hend fuhr jetzt meist in Sichtweite der Küste Fast immer »ar K,nrIM hl,m* °'h ' 1 "„r ' 7 <,,m ,f1,;hn,h sie mit dichtem Waid bestanden, der bis an Wasser reicht. ',m ',Pr P™'*'vi.trn »v*lene fehlt. In den Wäldern lag Dunst und Nebel auf dem SehifTsvcr- \ r)"'' «"^»dt liegt '«Tt-J m hoch, was zur Folge hat. das« die deck wurde es von Tag zu Tag heisscr Am 17 März waren! meiaten Meuc hen sveh tagelang, oft wochenlang erst an die wir ih Call it t> (J'ertn: der Hafen modern, ninten punoramni n,.l,t-;.i„;; nnr»^r> n.II.,.*- Miud.«/.md nitnn s«< h artig das Geb.rge Niemand durfte an I^ind Di.» Pn^agü re überhaupt m. Iit d iren g. *nhni"i die«.«.n bleibt nur übrig in eine» zur gleichen Zeit ankernden holländischen Schiffes! tiefer gelegenen Gegenden etwa nach Chnehahumha zu wehen, meist ebenfalls judische Flüchtlinge - durften an Dand i1'«* I riukwuuier ist mit Vorsicht zu gemessen. An allen In Arle» (Chile> stiegen wir endlich aus Zwei Tage < *'rk'™ Kn<I«?n der Stadt wird gebaut; gute Maurer. Zimapiitcr «ollte die Bahn von Arica nach \jt Paz fahren. Aber j'»«''leule. Klektro-. Wasser- und andere Installateure dürften wo übernachten? Die ersten paar Stunden kampierte mnn! daher auch jetzt noch die relativ günstigsten Berufsaussichten im Turnsaal einer hoch oben in der Stadt gelegenen Schule. I haben Außerdem bietet gute Ansichten die Landwirtschaft Bin sum Ab""d hnt'o "in Vertreter des Komitee« in Santiago,*''" Rur. angelernte, körperlich kräftige Mensrhen denen da« von Arica noch einige hundert Kilometer entfernt liegt!!we,m H»e!n Gruppen siedeln mit Kapital in (1er erster, von den Stadt- und Militärbehörden < rwirkt dass wir in der; ZtMl Keholfeu wird, Recht wenig Ansuchten haben in La Militärkaserne übernachten durften. Sie waren ganz neu. I - "»f' vermutlich auch in den anderen Orten des Hinhalten einen Hof zum exerzieren und es waren auch Blu mep und »chattige Baume da. Wir schliefen in den eisernen Bettstellen auf Strohmatratzen. Ks war eine Wohltat gegen den Aufenthalt auf dem Schiff, es gab Duschräume und Waschbecken! Auch die Mahlzeiten bekamen wir dort. An langen Tafeln, die unter einigen schattigen Baumen standen, wurde für die Hunderte gedeckt. Dazu spielte zu unseren Ehren die Militärkapelle. Am anderen Morgen kam ein OfTid. <- Stilles <r und Mechaniker de! Htdarf des Landes! scheint durch die einheimischen Handwerker vollauf uedeekt i zu sein, Etwas anderes Ist es. wenn Leute mit langjährigen i■ Spe/ialerfahrungen etwas beginnen, was hier ' gesucht ist. j'.ufc Möglichkeiten'. (Jute Automechanlkcr mit vleljahriger I Krffihrung: g u t. e Violinisten und Pianospieler mit Kenntj nis.sen der Musiktheorie und -Geschichte. Dh« p-rossere Zahl; von Eingewanderten dürfte »ich noch in La Paz aufhalten zier und erkundigte sich personlich wie wir hätten, und ob es an etwas fehle Wir dankten mandanten der Kaserne in einem Brief i Auf dem Reisebüro in Anca bekam man den so heäss i ersehnten Scheck, lautend auf 100 Dollar, ausgehändigt der! eine Hilfe von Seiten der ..Hicem" war. Der Scheck ist wohl i für die meisten, wenn nicht alle aus nicht deutschen Uini dem zur Emigration durch die ..Hu cm" Gelangenden ne- I stimmt. Er Ist eine wesentliche, ja. entscheidende Hilfe für j die erste Zeit m Übersee. I geschlafen i Welche Berufe haben die Leute, die dort hingekommen sind? lern Komj ^,lfn grosseren Ted sind es Klemkmifleute. die zudem meist .'noch mittellos sind; d'inn Handwecio-r solcher Branchen die wenig uewticm .«md. Scnneider iribt es sicher schon renug und ivtu soll •/ B. cm Korsettmacher für Chancen haben?!>'hri*r in Bolivien In La Paz interessierte sich für mich Ui sehr netter ist? e!n Herr, der selbst, erst vor einiger Zeit eingewandert jw,nf. Sein Sohn, der selbst früher Lehr.-r g*»w.-«« w«r | letzte sich beim Unterrichtssministerlum in La Paz für mich 3800 M*t*r Uherm 9iee.reH*l>U>tzel j e,n- Nachdem ich etwa 10 Tag.; lang auf das Sekretariat fies Nach viel Ach und Krach fuhr am anderen Morgen gegen j Mmn»tenumM bestellt worden war erhielt ich am ß. April 5 Uhr unsere Bahn von Arica nach La Paz ab Um mögj ,Jt'n «^scheid, dass ich die Stell« als Lehrer erhalten hatte, liehst wenig für das Gepäck zu zahlen wurden abenteuer- | uud "U-U h -«»i folgenden Tag mittags um 2 Uhr mit dem liehe Trick» ersonnen, um diese in den Kounec.« zu verstauen, i 7>U)< Gegen die Ortflirni.HhH» <ß«»«.l.8\ ,tlt> wnhn\n,l der Fahrt über die grossen Hohen des Andengebtrge» bei fast allen Reisenden auftritt, liess sich ein jeder von Einwohne die Provinz abzufahren hatt Fahrt nach T. war hmdschaftlleh wund Arica und von Leuten, die es ganz genau wissen wollten, so ziemlich jenes Mittel empfehlen: angefangr-n vr.n rTnohlsurh. den man in die Nase stecken sollte, bis zu Fruchten die man nur unaufhörlich essen müsse, von irgendwelchen Phari »ngebrannttmazIe-Produkten bis zu 47ti Lald mm h». »" h aU dü ' *' nem ptroh erster. Anzeichen \on OhrensT.-en u-iJ F»r?1'|f>i V" «..ftrft»«n j für unm w> der Geruch von Knoblauch mit dem von 4711 und anderem | Meist kiM. Dil V<in« e Was^ertürnnein S<hwar/e Wölk brennend heiser So<->»( auf der i In T. Kibt es einen Marktplatz nMiti-rule TTf^'i^er der Rest sind oll. Wieder i und Gewitter zur Linken, ehten Seite der Hochebene, und * migi f uiopalsf h m Häuschen und Flutten aus i Lehm, den man beim Bauen mit kurzgeschmtvermentrl. fne hvElernschen F.mrichtunfcn sind r.urfipH'«e.h^ri Begriff»» trini'/.lieh :in/uri>iriif<n<l noch nicht r-mmn! Wass-r: dieses steht dafür Im den Strasschen und Oassehen beim geringsten Reiren-?r Stunden schauer. Zur Zeit wird von einem österreichischen Ingenieur sind völlig! (einem Emssrranten» die alte, schon seit vielen Jahren unersetzt: sie soll in in pikantester Wesse Die Fahrt von Arien nach La Paz dauert Schon die Gehlrgshänsre, an denen Arica kahl, kein Raum, kein Strauch -nicht ein Crn«ha!m weit und! brauchbare Wasserleitung durch breit ftherall nur gelbbrauner, nackter Boden. Felsenireröll..1 ^rei Monaten fertig sein, Die» bleibt auch wahrend der ersten Stürmen der Bahnfahrt } Da» Städtchen selbst ist hübsch. Es Hegt im Talgrund, in» Gebirge so. Nach .V fi stündifter Fuhrt, werden die Berglauf der einen Seite schroffe, aber nicht hohe Hange auf hange grün, einzelne Grssbuscbel und W'vhnlder Und beide- | der anderen SciUdas Geb irre, dsis aber trotz seiner Hohe krautartige Busche besetzen tn merkwurd?" regelmässigen Ab- | nicht mit Schnee bedeckt. i*t. D»e (Jrenze des ewigen Schnees Ih gt Pr u> und i •»nt» ständen die H^inire. Hinzu komm» auf den 'enehten Hochflächen ietrt Mor-»i d t%n'* vje R-'d .'er Ho hrrtw.rf D'r Berge werden immer imposanter, und schließlich tauchen, die weiten Hochflächen wie Im Amnhlthe^ter 'ast. run«! timcebend. schneebedeckte Rcrrketten auf. Von Zeit zu Zelt eine kleine, einsame Berestation ■ em Hnusehen nicht weit davon manchmal ein kleines Dorf Van sre«e» nu«. Fi nitre Füneeborene bieten Wrüchte T.imonaden oder auch het.use.« Gemüse feil. Fm l<Mh!er Wind erinnert uns daran, dn.ss wir zwar In den Tropen, aber m srrosser Hohe sind. Versucht man schnell auf und ab zu eehen. bekommt man vnnz gehöriges Herzklopfen 3.800 Meter über dem Meeresspiegel. Spät am Abend sieht man fern unten im Tal Hunderte;Smmta$r und Hunderte von kleinen Lichtern: La Paz Eine halbe rhi*'-«*?-. Stunde vorher steigen auf einer Station einige Herren ein und rufen den nach wochenlangen Strapazen fast resitfiiirrten Leuten zu: ..Im Namen di-s Komitees heissen wir »Sie wüikommen in I^a Paz. in Bolivien. ■ Das tfit gut, nach allem. Der Empfang tn La Paz auf dem Bahnhof durch den dortigen Hilfsverem war sehr gut. Man hatte «ich jede Mühe gegeben, und vorher Tag und Nacht gearbeitet, um die über Tausend ntu Hinzupei.omminen untt rzubringtn. Wir kamen alle m vorbereitete Quartiere. Ich selbst kam mit einer Grupi t von Sil ben I tuten in un Zimmer f.nts Neubaues ausserhalb der Stadt: wir (und sehr viele andere »n anderen Quartieren; schliefen auf Strohaxtcken auf dem Fusabocien. Dtr Inliaber eines T<ilt<« dei Wohnung war »elb.st erst etwa 14 Tage vor uns aus Deutschland gekommen und schlief samt Familie ebenfalls stuf dem Boden, den Tropen sehr hoch. Kh gtbt hier eine kleine iniife eing«;bon?ne Hatulsverker kleiyte Kaufläden. Schulen: zwei Elernentarschid^n (hier Primaria und eine Ml*telsehul« •Secundaria oder Co!c«foh * i h. — r bin ith f t hn t hah« 12 Stund« n pro Worhe zu geben, was mir aber deswegen poch sehr sauer wird well i< h?*d*. Stunde >t<t i ot h. r für muh -wlbi* o ■> Sj.ui^ h< m'shwn üher-e*/«« "t'!«**■ f»'^ Ri Vfiltfonm - mt im lüitc meinen wehr freundlich, und zuvorkommend. Teilnahme um feistmen Leben der übrigen Welt und eine Onenti« runt' Iber d,ts nf'hti<.<>he od*» sonstige Zeltge»* heben i"t hur v,.lii r „ .f hln^sf-n Di* PO'<t geht Mittwochs und 'oatftnkunft oben'«Iis zweimal, Abgesehen von .} r « . *,,r,,tn ri' n t«v^r,gl'eI»en }>«wt.r, r»r»ut. sendunpren üH«r Art häufig woehenlanjre Visrnpatung. Fine merk ..Via, Buenos Aires". Ich verdiene im Monat ßr,D Bolivtanos. hiervon gehen allerd«tKS m« h ( nu Steuern abC *s bleiben R0*> Bolivi mos t.ii nl» schlechtes f>h;Ut gilt». Vor noch nicht langer Zeit wurde d ts Gi halt der I fhrc r «o erzählt rn<«" mir oft " rrii ist mit mehrmonatiger Vers »Utting au.Hi'ezahlt: Dann verrifsindeten die eile f. nötig hitUn ihr Geh dt -n trg« min < '< hf T * ut. d'e hn ffur <'»>* kIi Im C'buhr nahmen Heute Hfdl d'e \ ■ (/ il hmi' im i'i'i meinen mit tvrht mehr «iis I 2 mon«- ( ger Vi-rMiaturu' komm-n (W e n Pilus»ma' \dk» In Bolivien b« ••teht De \ isensperre Dadur*h?sf *ier Bezug von Ze'turu-en fnier der Kauf \on Bu. ht rn au« anderen landen: sehr erschwert. vr>n Freiheit. (JielchhrU, Brüderlichkeit einst «eboren worden war. ein judischer Offizier unter der falschen Anschuldigung fies l jinde.tverrates vtrurttil» Und als Dre\- fu*H die johlenden Kelhen seiner Peiniger entlanggehend. Immer wieder rief ..u h bin unschuldig, icn bin unschuldig' . ila war unter denen, die das h..rt, ii i.cid •muin im un-; bekannter Bnifler. ein aus der Ferne gekommener Judo. der. obwohl er allen v«fKt"vi«Mi hatte, > verstand. warum dies alles geschehen konnte und ire.mhehen musste: Theodor Herr,!. Aua »el- : tiem Bog reifen entstand die moderne zicmiatinoho Bewegung. Drcyfua.-i sehne es htn- , aus, und Millionen Mar-; tyrer vor ihm und nach : inm haben es hinausge- ' schrien in die Weit: tch i hin iinxrhuldtt/. ich bin! unschuldig. I'ud so. wie es aus der Kehle kam. : mit der erstickenden und : qualenden Angst. auf i Schelterhaufen und in (.cfangnissen. in Konzen-; trationslagiMTi und bei Pogromen, so ist es zum historischen Frkennungszelchen des jüdischen Volke« geworden. Wie kommt, dies? Warum werden Juden verfolgt, obwohl die Anschuldigungen unhaltbar .sind? In kritischen Zeiten, wenn Spannungen V.w!.schen den Völkern beuVllW in.V.l|.l» Zeiten in Hunger Knsis und Un- /iiftledenheit herrsch» spre'-iirn Instinkt.,, und na ht d'e ruh'ge Finsu ht ■Muri suent einen riündenbfick. an dem man sich abreagieren kann. Sind dies die Zeiten, in denen Rachsucht und Verbitterung gegen den unbekannten Feind den Weg ,1c < g« r'ng""* •» u. "U ..HtiindeH suchen, und dann wehe dem Wehrlo.se n! [)««r Jude, weh'rlo« wie kaum ein atiderer. erhält dann wieder seine Bolle uin Dulder, und er huiJMtt fianri gleichzeitig Ausbeuter und Streikbn-clier, Reaktionär und Revolutionär. Kriegshetzer und feiger Piizlflüt. KapItallMt, K (> m rn 11 /1 IM. Trot z k I »t. Gntittobewohner und Kosmopolit, der in destruktive Vergeisitigung Versunkene und der «ich i,tt. uUn> t. A,i.vi. h,iJ"!f "■ gen F'.rgetMmde. alle» . is jt im<)i d«n. B*d«»rf der gegen ihn gerichteten Perversität. Und der Sunden bock, der ..von Gott ge wii h 1 te Pr u ge Ik nahe" wein« nicht» anderes zu tun. nl» tu ruf»;n: ich bin unschuldig ' . . . Heine Schuld hegt!r» striner Geburt, er busat für die Tat^u he «it*«» er £U tiner Minderneit gehört.