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Jüdische Weltrundschau · 1939-12-08 · 26 (8.12.1939) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
26 (8.12.1939)
Date
1939-12-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU 8. Dezember 1030 NEUE SIEDLUNGSGRUPPE Im Januar 1938 wurde einer Gruppe von 18 Chawerim, die sich als Arbeitsgruppe zusammengeschlossen hatten, durch die Jewiah Agency •in kleine«, nicht im besten Zustand befindliches Lager in Tirath Hchalom bei Ness Zionah sugewiescn. Diese Chawerim waren im Jahr« 1937 von Deutschland gekommen, hatten Ihr« Berufsverbot-i tun g bei oberschietiischen Bauern gemacht und wollten nach den ersten Erfahrungen, die aie hier im Lande gesammelt hatten, später einmal in der Form des Moschaw owdim zur An- •iedlung kommen. Sie gaben ihrer Gruppe den Namen „ B n e I G i> u 11 m ", Freunde und Bekannte aus Deutschland besuchten Tirath Schalom und schlössen sich an. Im Laufe des Sommers 1938 kam eine Gruppe ins Land, die ebenfalls beitrat Der Sommer 1938 brachte die erste Kraftprobe. Es herrschte Arbeitslosigkeit, nur sehr wenige Chawerim gingen täglich xur Arbeit heraus, Schmalhans war Küchenmeister. Aber ungeachtet dieser Tatsache wurde das Lager einer gründlichen Renovierung unterzogen, eine GrUnanlage mit Bänken und Springbrunnen angelegt, der Rest des freien Bodens mit Gemüse bebaut, sowie die erste Baracke errichtet, der im Laufe der nächsten Monate zwei weitere folgen sollten. Man hatte seitens der Institutionen Vertrauen gefasst. Die Deutsche Abteilung der Agency gab die Gelder für die Baracken und unterstützte die junge Gruppe sehr. Im Herbst 1938 übertrug die Landwirtschaftszentrale den Leuten den „Pardess Palatnik", 250 Dunam Orangenpflanzung, SO Dunam Wein, 47 Dunnm unbebautes Land, im nördlichen Scharon bei Kfar Kadimah gelegen, auf die Dauer von 4 Jahren. Als Entgelt sollte nach Ablauf dieser Zeit 40^ der bearbeiteten Böden und Kulturen in den Besitz der Gruppe übergehen. Gleichzeitig wurde die entgültige Ansiedlung in der dortigen Gegend in Aussicht gestellt. Das Wachstum und die Entwicklung des Irgun (Siedlungsgruppe) im Laufe des vergangenen Jahres ersieht man aus der folgenden Tabelle: hiervon davon am Bodenbear- Zahl der An*ied~ besitz beitet Chawerim lunypkitz in Du. in Du. November 40 14 225 175 Dezember 44 14 225 200 1939 Januar 51 15 225 203 Februar SO 18 347 320 April 60 30 347 325 Juni 87 50 347 S27 September 96 47 347 347 Oktober 98 47 2075 347 November 98 52 2394 1047 70% aller Chawerim stammen aus dem Altreich, wuren im Hechaluz organisiert und kamen nach zweijähriger Hachschara ins Land. Die restlichen 30% sind aus Österreich und der Tschechoslowakei. Gerade bei der Einordnung der letzteren leistete die Deutsche Abteilung wiederum grosse Hilfe. Im Laufe des vergangenen Jahres wurden angelegt und angeschafft: Gemüsegarten 30 Dunam mit Installation, Hühnerstall mit 100 Hühnern, 2 Pferde, 2 Maultiere, 1 Esel, zwei Wagen, Arbeitsgeräte, Handwerkszeug, zwei grosse Wassertanks a 15 cbm. Das Lager wurde vergrössert um zwei Baracken, zwei Vorratsräume, Pferdestall und Duschraum. Anfang November übertrug der KKL. dem Irgun 1933 Dunam zur Bearbeitung, die Bearbeitung dieser Böden setzten die Anschaffung von weiteren vier Maultieren, vier Pflugscharen, zwei Eggen, von Saatgut und künstlichem Dünger voraus. Am Jahrestag der Pardess-Übernahme fand in „Gculim" eine kleine Feier statt, bei der Dr, Kro- Hk im Namen der Deutschen Abteilung und der Hltachduth Olej Germania Grüsse und Glückwünsche überbrachte. FÜR JUDISCH-ARABISCHE ZUSAMMENARBEIT Eine in Jerusalem tagende Konferenz der „Liga für jüdisch-arabische Annäherung und Zusammenarbeit" (einer jüdischen Vereinigung, die sich die Verbesserung der jüdisch-arabischen Beziehungen zum Ziel gesetzt hat), faaste folgenden Beschtuss: „Angesichts des Krieges erscheint als vordringlichste Aufgabe die Beseitigung der Spannung in den jüdisch-arabischen Beziehungen und die Schaffung einer Grundlage für die Zusammenarbeit beider Bevölkerungsgruppen. Mit den wirtschaftlichen Folgen des Krieges wurden bereits in den ersten Wochen die gemeinsamen ''lebenswichtigen Interessen aller Einwohner des Lnndes hinsichtlich des Schutzes der Wirtschaft offenbar. Bei Fortführung der wirtschaftlichen Trennung zwischen den beiden Völkern ist die Frage der Versorgung, der Arbeits- und Erwerbslos!gkt-tt nicht su lösen. Nur gewissenhafte Fürsorge für die Stärkung der gesamten Wirtschaft des Landes wird die Brücke zwischen den besonderen Bedürfnissen der beiden Bevölkerungsfjruppen »«•rmffen, wird ihnen in den Tagen der Bedrängnis eine Hilfe sein und den Weg ebnen zur Fortführung und Verstärkung der Zusammenarbeit auch in den Tagen des Friedens. Feindliche Bomben scheiden nicht zwischen Juden und Arabern, Schutz vor Luftangriffen, schnelle Hilfe für die Verwundeten, Fürsorge für die Kranken, Schutz der Kinder usw. —, sie stellen ein weites Feld für eine gemeinsame Tätigkeit der beiden Völker im Lande und für ihr gemeinsames Auftreten vor den Behörden dar. Die tägliche Gemeinsamkeit auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiete in der Zeit des Krieges ist geeignet, starke Grundlagen für ein politisches Abkommen zwischen den beiden Völkern zu schürfen. Bürgerlich« und politische Gleichberechtigung, das Recht der Verfolgten dos jüdischen Volkes auf Alijah nach Eres! Israel auf der einen Seite, wie das Recht der j Araber auf Selbständigkeit und Freiheit auf derj anderen Seite, sowie die freie Entwicklung Eres j Israels fübeide Völker, müssen als Grundlage für die politische Zukunft des Landes dienen. Die Lehre der schweren Tage, die jetzt über die Menschheit hinweggehen, besagt, dass gegenüber der Gefahr seitens grosser angriffslustigcr Mächte es für die kleinen Völker keinen anderen Weg gibt, als Zusammenschluss und Einheit für gemeinsame Abwehr und für gemeinsames Handeln. Das musa von jetzt ab die Hauptlinie auch im jüdischen und arabischen Leben sein." An der Konferenz nahmen Personen aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung teil, darunter alte Kolonisten, Intelligenzler, Angehörige von Arbeiterparteien und religiöse Juden. Den Vorsitz führte J. Kalvarisky. Die Resolution der „Liga" wurde nicht nur von der jüdischen Presse Palästinas, sondern auch von einem Teil der arabischen Presse wiedergegeben. Die arabische Zeitung „Falastin" tritt in letzter Zeit für wirtschaftliche Kooperation beider Völker ein. Der Hnlf Tel Aviv bemüht ■ich )«tst, «ein« Arbfit durch nett« Formen noch abwechslungsreicher iu gestalten In 4er nächsten Zelt ■ollen mehr«» Führungen In 4er 8Uit und Ttjullm ins Land stattfinden. AI« erat« Veranstaltung dieser Art fand ein« Führung durch den Hafen am 2. Deiember statt. Am 0. Desember ist «ine Führung durch daa Museum vorgesehen. JERUSALEM Die Ortsgruppe Jerusalem teilt mit: Das Bomsssr- Semester 1939 des M«braUcB*n JMainara der IIOOOA. Jerusalem wurde mit etwa 100 Hörern durchgeführt. Wir beginnen Jettt daa 2. Semester dieses Seminars, Es finden insges. « Kurse statt: 2 Hprsehkurae, t Tenachkur», 1 Kurs ttber Mischna und Midrasch, 1 Kurs Aber Literatur des Mittelalters und 1 Kurs -über die Entwicklung Jerusalems bis sunt Mittelalter. Das Seminar wird in Gemeinschaft mit der hebräischen Abendschule „Hamadrich" durchgeführt und findet In den Räumen der „Maaieh "-Schule, King George Ave. statt. Ausserdem eröffnen wir am Dienstag, den 5. 12. einen Chug twrl in dem Referate und Diskussionen über aktuelle Tht-u.ea In hebräisch stattfinden. Der Chug steht unter der Leitung von Dr. Mas Meyer und findet In der Wohnung ton Dr. Hpitser. Abarbanelitr. 4. atstt. Ab Mitte De- «embtr werden wir ferner alle 14 Tage am Schabbath- SachmitUg hebrfclache Vortrüge von Profes wren der Universität and bekannten Persönlichkeiten Uber wissenschaftlich« und allgemein interessierend« Themen veranstalten. HAIFA Kulturarbeit. Im Lanfa der leisten Wochen fanden swei grosse Veranstaltung«'» statt. 1) Gedächtnisfeier »um 10. November. Herr KapUnskr hielt die hebräische Ansprache, Dr. Schlossbtrg die deutsche Ansprache. 2) Dr. Werner Fellchenfeld sprach im „Bethenu" vor einer lahlrelchen Zuhörerschaft über diu ..Palästinensische Kriegswirtschaft". 8) Ausser diesen Veranstaltungen, so denen 200 besw. 850 Personen teilnahmen, fanden im Klub der Olim kleine Zlrkelvpranstaltungen statt: Drei Abend« (einer tn deutscher, rwel in hebräischer Sprache, unter Leitung von Frau Löwenhers und Dr Sslomonskl und ton Herrn Pres* mann) w»r«*n d**ni Inhalt der n-a-iii o o' g"widmet. Ausser Vorträgen fanden is Quellen und Dokumenten statt. In wurde auch die Bllderausstellung „Feat« Im Klub eröffnet. — Anlässlkh der An- Prof. Buber in Haifa versammelte sich Freunden im Klub su einer regen DU- Ertlehungsproblem*. — Pen ..Legenden war die nächste Bilderausstellung des Klubs dem (deichen Thema fanden ein hebräischer AUS DER ARBEIT DER H0C0A OKTMiKlTPE TELrAVIV Zentrale Veranstaltungen. Zum Gedenken des 10. November 1038 fand eine Kundgebung Im völlig Uberfüllten .Isscha HaifeUsaal statt, bei der Dr. Siegfried uv.it* und Dr.. David SchJoasberg sprachen. Drei mi-sten berichteten su» Jenen Tagen aus Ihren eigenen Krlebnisseu. Vor dem Wirtschaftskreis der HOOOA. ppntt'h Dr. Werner Feilchenfeld Uber Palästina« Kriegswirtschaft. Der Vortrag hatte ein nach Huri^rt*., »ahletule« Publikum angezogen. Dr. Feilchenfrid brachte . ine Reihe konkret formulierter Vorschlüge, über' d.V auch «Ii» hebrölsche Presse berichtete. In der Diskussion nahm David Morowltx ausführlich in den aufgrworfenen Problemen Stellung Die Debatte, die ausserordentliches i Interesse hervorrief, soll bei weiteren Abenden de* Wirt' | »ehaftskreisea fortgesetst werden. Im Saal des Beth Hachalusoth referierte Dr. ilkhae.] Traub über „Die Wwitjadenhetit im Kriege". Nach einer historischen Kinführung gab Dr. Traub eine eingehend« Analfss der jüdischen Sitration in der (lola bei Kriegsbeginn. Resirke. Die Veranstaltungen der Hemke waren in der lutiten Zeit besonder! erfolgreich. Der Zyklus des Herirk Süd „Das jüdisch arabische Problem*' wies iede« Mal wachsenden Besuch auf. An dem ersten Abend sprach Wolfgang Vourgrau, nach ihm Z. Ahramowitsrh- Der Zyklus »oll am 1» 12 mit einem Au»si>rarh»abend über Annäherungantögllrhkeit iwischeii den beiden Völkern beendigt werden. Starken Besuch wies auch die „Gri sproAeno Zeitung" de» Betirk West auf, an der sich! Dr. Ksipferberg. Dr. E. Wittkowski, Marcel Lew und! Kaufmann beMligte». Irr. B*slrk Nord referiert«! Dr. Artur Prini über , Di« Zukunft 4er Übergugswma^mug, im »«Urs. W««i »«**,« Cohn umr ,.E*nordntmg der deutschen Alijah". | Vorlesungen ai diesen Tagen und Feiertag«" Wesenheit »ort ein Kreis von kusslon über der Juden gewidmet. (Schochat) und ein deutaeher Vortrag (Dr. Präger) statt. — Anlässilch des 2. November sprach Max Kober über ..Die Bedeutung der ßalfour-Dck!*ratlon für den Palästina-Aufbau". — Ein weiterer deutscher Vortrag .,800 Jahr« seit Jehuda Halevi" und Vorlesungen aua den Werken Jehuda Walevts fanden unter Leitung von Frostig und Dr. Salomonakt statt. — Erstmalig fand eine öffentliche Singstunde tinter Leitung von Schimon Krönherg Im Klub statt. Alle dies« Vortragsabende waren im Durchschnitt von «0 Personen besucht. Ausserdem nehmen täglich den Klub etwa SO Leaegäste In Anspruch. Wöchentlich 1 Mal findet fern« ein Chng Iwri (50 Teilnehmer) und t Mal In swel Wochen ein Schallplatten- Komert statt. Der Klnb hat ferner dl« Aufgabe erfüllt, dass In ihm Hundert« von deutschen Olim sich Aufnshme In die hebräischen Kurse des „Mifal Ha- ' registrieren und prüfen Hessen. In diesen Kursen lernen «um ersten Mal weitaus mehr deutsche Olim als bisher durch die Kur»« d*r HOOOA. erfasst werden konnten. Es werden weitere Kurse für Anfänger. Mittelstufen und Fortgeschrittene eingerichtet. Anmeldungen hierfür werden Im Klub oder Im „Mifal Hamil", J«. rusalom-Str. 4, erbeten — Tn den Vormittagsstunden fanden auaserdem im Klub drei hebräische Intensivkurse für Anfänger, Mittelstufen und Fortgeschritten» statt. Engttacha Knrae. Nachdem wir Mitte Oktober vier Knglische Intensiv-Kiira« (1 für Anfänger, 2 für Forttrese.h) ittene und 1 Handelsknrs — Pittman) eröffnet hatten haben wir einen englischen Kurs iilr Fortgeschrittene auf dem Karree) mit drei Woe^nstunden begonnen und werden — angeregt von den Erfolgen der Srhül»r lr» diesen Kuraen — einen weiteren Intensivkurs für Anfänger und ausserdem für Menschen errichten, die gewiss« Vorkenntnisse der englischen Sprache haben. sb»r für einen FortgenchrlttFncn-Kurs nicht in Frage kommen. Die Kurse umfassen sechs Wochen* stunden kosten 1.— LP monatlich und setxen Hausarbeit voraus. Anmeldungen werden im Büro der HOGOA erboten. ssJÜD SÜSS» Wie in deutschen Zeitungen mitgeteilt wird, ist dort ein Film J u d Süss" in Vorbereitung, dessen Drehbuch von Eberhard Wolf gang Moeller und Ludwig Metzger stammt. Die Regie führt Dr. Peter Brauer. Stolz heisst es in den Ankündigungen, es sei „der erste antisemitische deutsche Film". Der Verfasser des Drehbuches, Moeller, hat bereits vor einigen Jahren in Nazi- Deutschland ein antisemitische» Machwerk „Rothschild siegt bei Waterloo" auf die Bühne gebracht. Die Verfasser verwahren sich gegen die Vermutung, sie hätten für ihr Drehbuch die bekannte Novelle von Hauff benützt. Häuf?, so sagen sie, „lebte in einer Zeit, die die Juden wie die Polen besang und befreien wollte" — gewiss keine akzeptable Tendenz für antisemitische Autoren von 1939 Eine der Hauptrollen des neuen Films (den Rabbi Low) spielt der bekannte Schauspieler Werner Ärar*» (der «3. in den Filmen ,:BurgtheÄter"' \ma ..Rudolf Koch" mitwirkte).

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