Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 25 (27.10.1939)
- Date
- 1939-10-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. z$, 27. X. 1939 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Seite i handelt. Man erkennt jetzt vielleicht deutlicher, warum der Antisemitismus eme so überragende und zentrale Rolle in der Nazi-Propaganda spielt hat. Man braucht ihn offenbar, um dem deutschen Volk irgendeinen Schuldigen an seinen Leiden vagen zu können, damit da» VoIk nicht erkennt, wer der wahrt bämidtge ist. In dem Artikel heisst et z. B., dass einmal ein Jude von der britischen Kcgicrung gesagt habe, dass „ihr Regierungssystcm die Vorstufe des künftigen jüdi sehen Weltreiches sei." Wir finden hier wörtlich dieselbe Ter minologic, die dem deutschen Volk früher in Bezug auf den Bolschcwismu« präsentiert wurde. Damals war das Regierungssystem Sowjet-Kusslands „die Vorstufe des künftigen jüdischen Weltreiches". Es ist eine furchtbare Erkenntnis, dass Millionen eines Kulturvolkes olfenbar jeder Wendung dieser teuflischen Lügenpropaganda anheimfallen. Man soll ihre Wirksamkeit nicht unterschätzen. Es ist sogar möglich, dass eine gewisse Wirkung auch über die Grenzen Deutschland hinausgeht, trotz aller Unlogik der Dinge, einfach weil Emptindung>momentc und gewisse Dcnkbcqucmiidikcitcn mitsprechen. Die Juden in England und Frankreich selbst fühlen sich t natürlich völlig solidarisch mit ihrem Wohnland. Dies gilt auch für die jüdischen Flüchtlinge, die als Opfer des Nationalsozialismus in diesen Ländern Zuflucht gefunden haben. Unzählige Kundgebungen von Einzelnen und von Gruppen, Zuschriften in den Zeitungen und mannigfache Aktionen beweisen, dass die Juden bereit sind, sich zum Militärdienst für die alliierten Demokratien vorbehaltlos zur Verfügung zu stellen. Dies wäre eine Pflicht der Dankbarkeit in jeder Notlage des betreffenden Landes, um wie viel mehr bei einem Krieg gegen die Macht, die als erste dem Judentum offen den rücksichtslosen Vernichtungskampf angesagt hat. Es wird über Bemühungen berichtet, eine geeignete Form zu-finden, um die Dienste dieser Juden nutzbar zu machen. Die Aufstellung einer jüdischen Legion innerhalb der cnglisdien und französischen Armee ist auch in Palästina gefordert worden, aber bisher wurde dieses Angebot nicht akzeptiert. Man bedenke, dass unter den heutigen komplizierten Verhältnissen dies nidit nur die Präge eines moralischen Impulses der Opfcrbcreitschaft ist, sondern ein schwieriges Problem der Ausrüstung, Ausbildung, Besoldung usw. mitumfasst. Soldic Probleme sind nicht von einem Tag auf den anderen zu lösen. Es ist aber wichtig für alle späteren Betrachtungen, jetzt schon festzustellen, dass die jüdische Oeffcntlichkeit in allen ihren Verzweigungen die Pflicht alier^Juden in den alliierten Landein zur aktiven Teilnahme am Militärdienst uneingeschränkt bejaht hat und dass es nicht an den Juden liegt, sondern an technischen und organisatorischen Schwierigkeiten, wenn diese Teilnahme der Juden noch nicht Wirklichkeit geworden ist. Es ist für die Juden eine allgemein empfundene Ehrensache, dass der englische und französische Soldat nicht den Eindruck habe, er kämpfe gegen den Judenfeind Hitler, während die Juden selbst zurückstehen. Die Haltung der Juden in dieser Sache ist eindeutig. Noch am Vorabend des Krieges hat der Mann, der mehr "irgendein anderer als Sprecher der Juden unserer Zeit gel» 41 darf, Dr. Wetzmann, als Präsident der Jewish Agency in der Schlussitzung des Zionistenkongresses in Genf eine feierliche Erklärung über die Haltung der Juden abgegeben. Dies ist umso bedeutungsvoller, als gerade auf diesem Kongress die Meinungsverschiedenheiten besprochen wurden, die sich zwischen dem Zionismus und der jüngsten englischen Palästina- Politik herausgebildet haben. Diese .Differenzen verlieren in ihrem eigenen Bereich nicht an Geltung, wenn zugleich ausgesprochen wird, das» bei einem Kampf der Art, wie er jetzt ausgefochten wird, die organisierte Judenheit — und vor allem auch die Judenheit Palästinas — hinter dem Englischen Rci che steht, weil es in England die Macht sieht, die für Freiheit und Menschlichkeit kämpft. Die politische und kulturelle Atmosphäre, die von den Westnvächten verteidigt wird, ist die einzige, in der Juden leben können — sagte Wcizmamv Seine Worte fanden ungeteilte Zustimmung, und kurz darauf wurde in einem Brief Wechsel mit dem" Premierminister Cham* bcrlain dieser Gedanke wiederholt. Es handelt sich hier .nicht sm eine -„Loyalitäts Versicherung'' der Juden, die ohnedies ah cwglischc Bürger oder Bürger der Dominions ihren Platz und ihre Pflicht im Rahmen der englischen Armee haben, sondern um diejenigen Juden im englischen Machtbereich, die nicht durch derartige Pflichten gebunden sind, aber sich freiwillig zur Verfügung stellen. Wcizmanns Abschiedsrede war zweifellos der Höhepunkt dieses an Inhalt sonst armen Kongresse« In die oft wirklichkeitsfremden Debatten war ein Ton der Lebensnähe eingebrochen. Und das Wort „Auf Wiedersehen", das den in die verschiedenen Länder, u. a. nach Polen, nach Palästina, nach Amerika, nach Deutschland zurückreisenden Delegierten zugerufer. wurde, hatte seinen konventionellen Klang verloren und wurde plötzlich in seinem echten menschlichen Wortsinn erfasst und aufgenommen. Wer weiss «— so klang es durch — ob, wann und wie wir uns wiedersehen! nidit mehr bagatellisiert werden, sondern rnuss eine internationale Lösung finden. Die vcrsdiicdcncfi „Lösungsvorschläge', die von deutsdien Führern bei verschiedenen Gelegenheiten gemacht wurden, brauchen wir nidit ernsthaft zu erörtern, was Wahres an den Zcitungsberiditcn über einen jüdischen Rayon in Polen unter deutsdiem Protektorat ist, lässt sidi gegenwärtig sdiwcr feststellen. Aber niemand wird glauben,; dass von den Nazis eine Initiative in dieser Sache kommen! kann. Nur mit Verständnis für das W«sen der Dinge und mit Wohlwollen kann man daran herantreten. Die Judenfrage ist ( schon seit einiger Zeit Gegenstand internationaler Konfcrenj zu ausierordenlllcbcn Massnahmen sofort erkannt. Der Wa*d zen, aber in ihrem ganzen Wesen und ,n. ihrer ganzen Breite f u Nat.onalrat der Juden Palästinas, wurde reorgamist sic bei dieser Gelegenheit nicht aufgerollt worden. Die neue! < * ' * Beratung, d " Washington Schwerste erschüttert I.abcn, sollen 7urückgcstellt werden im Interesse des gemeinsamen Ganzen. Ks wäre zu begrüben, wenn in dieser Hinsicht die Regierung die Führung ergreifen würde. Zwar haben Ausbruch de* Kriege«, die Unruhen im Lande fast aufgehört, zwar haben sowohl Juden als auch Araber die britische Regierung ihrer Loyalität versichert, aber von einer direkten Kooperation beider Völker im Interc^e der gemeinsamen Landesaufgaben kann bisher noch nicht gesprochen werden. Auch im jüdischen Jischuw hat man die Notwendigkeit 1 r \ i- ' ■ £ Ii» j i v Lcumi, ixationairat ucr luden ralastmas, wurde rcortcani- 1 dieser Gelegenheit nicht aufgerollt worden. Die neue! ,_ . „ ,________ .y* „ , ' '""s*"' , n 1 . u 1 f." j s /-vi .1 1! s«ert und an seine spitze Pinchas Kalenberg gesteift, ein Mann. , die Präsident Koosevelt für den 16. Oktober nach i_r „, . nttr mtrim\ . „ . , , , * 6 Y j ' ton einberufen hatte, war als eine Fortsetzung der so- "*h,1 "Tesrdcr Vome" '"'ustnewerke des Landes n Evian-Konferenz gedacht. Der Präsident des W'T^LuXt? 1 1 u fScniCiSt» andern auch Die Judenfrage ist durch den alles überschattenden Krieg nicht von der Tagesordnung abgesetzt worden. Sie besteht weiter in ihrer ganzen Schwere, ja sie wird noch kompliziert und verschärft durch Ereignisse wie die Vernichtung des polnischen Judentums — ein Vorgang, der gewiss mit zu den grössten Katastrophen der jüdischen Geschiente gezählt werden wird. Rechnen wir auch damit, dass die schliessliche Niederringung des Hitlerismus jetzt nähergerückt ist, so ist damit keineswegs die Judenfrage beseitigt. Nur wer von jüdischen Dingen nichts weiss und erst durch äussere Ereignisse und den Zeitungslärm aufmerksam wurde, meint, dass die Judenfrage durch Hitler entstanden ist. Sie bestand schon Jahrzehnte vor Hitler, sie besteht vielleicht so lange wie die jüdische Galuth, und sie wurde klassisch formuliert fast vierzig Jahre vor Hitlers Auftreten — von einem Juden. Sie wird auch nach dem Ende dieses Krieges, der, wie wir hoffen, den Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes bringen wird, weiterbeste genannten Evian-Konferenz gedacht, Evian-Komitccs Lord Winterton ist deshalb auch nach Arne rika gereist. Es ist von grosser symptornatisdicr Bedeutung, dass Präsident Roosevclt trotz des Krieges auf der Abhaltung dieser Konferenz bestand. Man vermutete, dass dort ein Projekt behandelt wird, das die jüdische Presse Amerikas in letzter Zeit stark beschäftigt hat, nämlich die Ansicdlung von Juden in Alaska, über die Möglichkeiten Alaskas — nicht gerade für iüdiscJ>e Ansicdlung, sondern für eine dichtere Besiedlung überhaupt — wurde dem Staatssekretär Ickes ein 94 Seiten starker Bcridit überreicht, dessen juristische und praktische Seite jetzt geprüft wird. Nun verlautet, dass San Domingo und die Philippinen im Vordergrund der Beratung stehen, man spridit audi wieder von Sicdlungsprojckten in Abessinien. Die jüdische Presse Palästinas steht all diesen Projekten, deren reale Grundlagen sehr zweifelhaft sind, ablehnend gegenüber. Wie immer dem sei, wir hoffen, dass die Besprechungen in Washington vor allem die dringlichste Frage, nämlich die Technik der Fortsetzung der Auswanderung der Juden aus Deutschland, behandeln werden, eine Aufgabe, bei der gerade den neutralen U. S. A. eine wichtige Rolle zufällt. Die Situation der emigrierten Juden erheischt unter den veränderten Verhältnissen in vielen Hinsichten eine Regelung. Denn in technisdiem Sinn sind die meisten von ihnen noch deutsche bzw. österreichisdie Staatsangehörige; das bedeutet, dass sic unter die Einsdiränkungcn fallen wür/len, die alle deutschen Staatsangehörigen in denjenigen Ländern, die mit Dcutsdiland im Kriege bind, treffen. Die einfachste Überlegung aber zeigt, dass emigrierte Juden, die die ersten Opfer der feindlichen Macht waren, nicht als Zugehörige dieser Macht betrachtet werden können. Dieser Sachverhalt wird zweifellos auch überall _anerkannt. Die deutschen Behörden haben, um die Juden zu demütigen und sie Schikanen auszusetzen, jedem Juden ein grosses „J" in den Pass gestempelt. Dieses „J" er weist sich jetzt als Schutz und Hilfe. Denn ein ,.J"—Pass, ein fudt-npass, ist nichts anderes als ein Übergangsdokument für Menschen, denen die Rückkehr in das nationalsozialistische Deutschland verlöten ist und die gewiss auch keinen Wunsch haben, dorthin zurückzukehren, sondern nichts sehnlicher wollen, als ausserhalb Deutschlands eine Heimat zu finden, für die sie arbeiten und kämpfen wollen, Die Frage der jüdischen Flüchtlinge deutscher Staatsangehörigkeit ist bisher noch nicht überall völlig geregelt, wir sind aber überzeugt, dass diene Regelung in der weise erfolgen wird, die der Logik der Tatsachen entspricht. Leider sind auch in manchen neutra len Ländern die jüdischen Flüchtlinge, besonders die „illegal' eingewanderten, Schwierigkeiten ausgesetzt, und auch ihre Wciterwanderung ist ersenwert. Das Sekretariat des Hochkommissars für die Flüchtlinge hat also gerade jetzt eine wichtige Funktion. In dieser Kriegszeit, wo alles wieder in Bewegung ist, alles von Unsicherheit erfüllt, ist die jüdische Siedlung in Palästina ein fester Punkt in allen jüdischen Zukunftshoffnungen. Palästina ist gegenwärtig nicht direkt vom Krieg erfasst, und wer aus kriegführenden Ländern Europas hierbei kommt, ist überrascht über den friedlichen und normalen Ab lauf des täglichen Lebens. Es wäre freilich falsch, sich von einer oberflächlichen Betrachtung täuschen zu lassen. In Wahrheit ist Palästina von den Kriegscrschüttcrungcn tief mitgenommen, und die Auswirkungen werden zweifellos in kurzer Zeit zutage treten. Der Ernst der Situation liegt auf wirtschaftlichem Gebiete. Abgesehen von' den Schwierigkeiten der Versorgung und Verpflegung in einem Land, das fast vollständig auf Import angewiesen ist, stellen sich auch in den verschiedenen Arbeitszweigen Stockungen ein, die Entlassungen und Arbeitslosigkeit zur Folge haben. Dazu kommt das Aufhören des Kapitalzuflusses und finanzielle Schwierigkeiten, die sich vor allem in den jüdischen öffentlichen Betrieben und Organisationen bemerkbar machen» Denn die jüdische Tätigkeit in Palästina war auf eine ständige Expansion und In tensjvierung der Wirtschaft eingestellt, sie rechnete — trotz aller in den letzten Jahren vorgekommenen Störungen — mit einer ruhigen, aufsteigenden Entwicklung, gestützt auf das Reservoir des jüdischen Volkes in der Diaspora, das mit Palästina durch die sündige Einwanderung und durch sonstige Bande ene verknüpft ist. Das Regierungsbudget Palästinas hatte bisher erhebliche Überschüsse, die vor allem aus den hohen ZoHemnahmcn entstanden waren. In den lernen Jahren haben die grossen Kosten der Sicherheitsmaßnahmen die Reserven der Regierung zusammenschmelzen lassen und heute, wo militärische und administrative Vorkehrungen grosse Kosten verursachen, muss die Regierung sich nach neuen Einnahmequellen umsehen. Denn erhebliche Gelder werden nötig sein, um den Aufgaben gewachsen zu sein, die sich für die Regierung ergeben. Als solche Aufgaben betrachten wir die Aufrechterhaltung des Wirtschaftssystems und der Produktion sowie Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, aber auch Erfüllung gewisser primitiver sozialer Bedürfnisse in einem Moment, wo durch den Krieg tausende Menschen in Not und Elend geraten. Die zwei Ansprachen, die der High Commisi^^,« sioner zu Beginn des Krieges durch Rundfunk an die Bevölkerung gerichtet hat, geben klare Richtlinien. Alle Teile der Bevölkerung werden aufgefordert, alle ihre Kräfte zusammenzufassen, um der Schwierigkeiten Herr zu werden. Die poü durch persönliche Lnergic und durch eine gewisse überparteiliche Stellung ausgezeichnet ist. Es wurden für die versdnedenen Aufgaben Kommissionen eingesetzt, deren Wichtigitc Wohl der Wirtschaftsausschuss ist, dem Angehörige alier Stande Und Repräsentanten der grossen Wirtschal tszwcigc des Landes angehören. Der Waad Lcumi hat ferner in Verbindung mit der Exekutive und der Jewish Agency eine „Mobilisation" der jüdischen Kräfte des Landes zum nationalen Dienst ausgeschrieben. Der Aufforderung zur freiwilligen Meldung haben etwa 140000 Personen zwischen 18 und jo Jahren f olge geleistet. Unter den Aufgaben, für die man sich zur Verfügung stellen sollte, sind nicht nur wirtschaftiidber Hilfsdienst und etwaige Mitwirkung bei zivilem Lutschütz usw., sondern auch, falls es notwendig sein sollte, Verteidigung des Jischuw und Zusammenarbeit mit der englischen Armee, wenn sie dies wünscht. Nähere Einzelheiten über die Durchführung dieser Massnahmen sind noch nicht bekannt, und es bestehen auf diesem Gebiet noch Unklarheiten, denn die wirkliche Inanspruchnahme von Diensten derartiger Freiwilliger ist ja eine politische, organisatorische und auch finanzielle Angelegenheit, die weitverzweigte Voraussetzungen hat. Zunächst lässt sich feststellen, dass die Anmeldung zum Hilfsdienst als eine moralische Kundgebung der Bereitwilligkeit der überwältigenden Mehrheit des Jischuw bewertet werden kann. Der Waad Lcumi hat auch eine neue Steuer zur Deckung der Ausgaben, die sich aus dem Notstand ergeben, ausgeschrieben, und zwar eine Einkommens- und eine Vermögenssteuer. Zwar sind die Juden Palästinas durch Abgaben für alle möglichen jüdischen Zwecke schon ziemlich stark in Ansprudi genommen, aber jeder anerkennt, dass in einer Zeit, wo alle kriegführenden Völker ihren Angehörigen die grössten materiellen Lasten auferlegen müssen, auch die Juden Palästinas sich soldien Pf lichten, gegenüber. der Allgemeinheit n;«at entziehen können. Freilich wird diese Frage etwas kompliziert dadurch, dass die Regierung, die für sich neue Steuerquclicn eröffnen muss, gleichfalls die Einführung einer Einkommensteuer angekündigt hat. Da natürlich die Juden ihrer Bürgerpflicht gegenüber der Regierung nachkommen müsseh, erhebt sich die Frage, ob die Entrichtung einer Doppclsteuer — an die Regierung und an den Jischuw — durchführbar sein wird. Diese und ähnliche organisatorische und administrative Fragen werden wohl überhaupt dazu führen, die Kompetenz der Landesregierung und der nationalen Autonomie neu zu überprüfen und zu regeln. Eines ist sicher: Die Judenheit Palästinas ist fest entschlossen, ihre Arbeiten weiterzuführen, trotz allen Einschränkungen und Entbehrungen, die erforderlich sein mögen. Neben der amerikanischen ...Juderihdt^-dcren jüdisdie Führcfttellung in der heutigen Zeit unbestritten ist und die sich ihrer gewaltigen Verantwortung bewusst ist, kann das palästinensisdie Judentum als eine der wichtigsten jüdischen Positionen dieses historischen Augenblicks bezeichnet werden. Im vorigen Weltkrieg war Palästina zwar ein Objekt politischer Wünsche und Betrachtungen, aber die jüdische Siedlung stand in ihren ersten Anfängen und war keine soziale Keahtät, Da* m heute anders. Heute ist die palästinensische Judenheit ein starker Faktor der jüdisdien Gesamtheit. Sic hat eine Fülle von Kräften moralischer, intellektueller und materieller Art, die jetzt zur Bewährung aufgerufen sind. Die Judenheit Palästinas has sich stets als Vorposten des gesamten jüdischen Volkes betrachtet und auch in dieser Stunde kann es nicht anders sein. Sie muss in engem Kontakt bleiben mit allen erreichbaren Splittern des jüdischen Volkes, in einem dauernden Austausch des Gebens und Nehmens, In ihrem Ringen um die Aufrechterhaltung der durch den Krieg (mit seinen Erschütterungen von Wirtschaft und Verkehr) gefährdeten Positionen rechnet die palästinensische Judenheit auf die Hilfe derjenigen Juden in der Welt, die noch Hüfe leisten können. Es handelt sich hier nidit um Unterstützung oersönlidier Art, sondern um die Erhaltung eines grossen sozialer, und kulturellen Organismus, dessen moralischer und konstruktiver Wert für die Judenheit in der Gegenwart und wohl nodi mehr in der Zukunft garnicht genug hoch eingeschätzt werden kann. In den ersten Wochen des Krieges war begreiflicher Weise die Verbindung zwischen Palästina und den mdsren Ländern gestört. Dies wird sich zweifellos ändern, je mehr die allgemeinen Weltverhältnisse sich auf den Krieg umstellen. Trotz allen technischen Schwierigkdteft glauben wir, dass die Verbindung zwischen Palästina und der Judenheit der Welt aufrechterhalten werden muss. Es ist vielleicht eine der wichtigsten Aufgaben der Judenheit in dieser Stunde. Wo alle Völker die höchsten Opfer zu bringen bereit sind, wird auch das jüdische Volk sich in seiner Gesamtheit bewähren. Jeder hat an seinem Platz seine Pflidu zu tun. Wir sind überzeugt, dass nach einem Chaos, das vielleicht uns allen — und wir meinen hier alle Menschen —- noch schwere Prüfungen auferlegen wird, eine Zeit der Reinigung und des Aufbaus kommen wird. In dieser wiedergeborenen Welt des neuen Aufbaus seinen Platz einzunehmen, muss das jüdische Volk sich vorhen. In dem Umfang, den sie heute angenommen hat, kann sie tischen Differenzen, die dieses Land drei Jahre lang auf das Pubiisher and Editor: Dr. Robert Weltsch, Jerusalem — Printed by Gesher Prutting Press, Jerusalem