Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 21 (4.8.1939)
- Date
- 1939-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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PAMMSEMt AUSGABE JÜDISCHE Miktion. Ttrtaf n.4 Antetgsn Vcnraltuiig: JerataU« T. O ■ Sit; ». Hcn ,rf>hnd» Str.. T-^;,hon .ti>7-> — Oaaeairtastalla ftt Bar*»« (mir K ■ p >1 I t I o a nnd Abmiittniontt-Aniiihm« für K »f»P» nnd *ra»rlki): 19. nidi OoMtant Paria!I->. ~ ii*«'ha«Mt»U« für T#IArir: 5. Mikvrh Ilra'l?<; 1> 1*1**11 3102. — B«*a*«i*aMeaJ«M: lad an Monltf 5 I'br n»<^iro. F«r tiavrrlangt* Manuskript« wird knlsa Oarantir ubfrnnmmrn. J.Mer F.intcndunc o<J<.r Anfrage Ist Mn tnt»ra»«l'V ••W Antvortacd^in h»li»fü(»ii 7,.»»<>hrif l»n f. d K-daklion werde« nicht M klini«>t>*raofica. aonclern aa «la Kixiaktion, Jtruaalrm F Ol» 3«S> arbeiea. Salirgafig I IVr. St — ElÄwImmuner '/jj' hfj ftf« RUNDSCHAU J K R II S A L R M o*2nr. 2N tr* PARIS, t. U/CtST 1039 /fcu«» f/ii Monde juif / IhMomatimre BrttfttfM «taatl vStfteiitlkt. — Antaiftnannass» flr all« L*n4af: ai)M<-hi|»aatith Jarntalt« F. 0.1. M9 Für F. ütina aiamr««« Tal A»fv, 5. 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Man nannte dies die Frage der „nationalen Minderheiten", und als Lösung wurde das Prinzip der „nationalen Autonomie" vorgeschlagen, ein Wort, das »ehr viele Missverständnisse mit sich brachte und oft: je nach Bedarf tendenziös gedeutet wurde. '* Eine neue Wendung nahm dieses Problem nach dem Weltkrieg, denn gemäss dem Wilson'sehen Prinzip glaubte jede Nation, Anspruch auf völlige .^Selbstbestimmung" und sogar Unabhängigkeit zu haben. Und so war man vor die Notwendigkeit gestellt, einen Ausweg dort zu finden, wo eine solche Losung einfach physisch unmöglich war. Es ist eine Ironie, dass gerade die Vereinigten Staaten von Amerika, die auf einem ungeheueren Gebiet einen einheitlichen Bundesstaat geschaffen haben, dazu beitrugen, in Europa die grossen $taatsgebilde zu zerschlagen und an ihre Stelle kleine Staaten zu setzen, deren Staatsprinzip ein extremer politischer und bald auch wirtschaftlicher Nationalismus war. Heute werden viele, die es damals nicht sahen, verstehen, dass hierdurch eine unglückseligeEnt Wicklung eingeleitet wurde. In den Friedensverträgen nach dem Weltkrieg wurde das Prinzip des „Minderheitenschutzes" und der „Minderheitenrechte" verankert. Obwohl es in der Praxis nirgends so durchgeführt wurde, wie es der Theorie entsprochen hatte, wurde doch das Prinzip zunächst theoretisch nicht angefochten, nämlich der Gedanke, dass jeder Staatsbürger volle Gleichberechtigung gemessen soll, gleichviel ob er der Mehrheit oder einer Minderheit angehört. Darüber hinaus war der Angehörige einer Minderheit (ebenso wie natürlich der der Mehrheit) berechtigt iur Pflege seiner nationalen Kultur, Er war gleichzeitig Angehöriger einer bestimmten Vo/fcsgruppe und loyaler Bürger des Staates. In diese Auffassung ist durch das Aufkommen der „totalen" Staatslehre eine grundlegende Bresche geschlagen worden. Alles wird hier einem Willen untergeordnet. Gleichheit wird in keiner Form anerkannt; richtig ist nur, was dem „heiligen Egoismus" nützt, iso dass man heute die, morgen die entgegengesetzte Doktrin zum eigenen Vorteil anwenden kann — stets mit dem gleichen Brustton der Überzeugung und mit einem Regen von Insulten gegen andere, deren Logik noch intakt ist. Auf der einen Seite wurden die nationalen Minderheiten in den verschiedenen Ländern dazu benutzt, Klitische Handlanger, Agenten und Spione einer hemmten imperialistischen Macht zu sein; damit war die Ursprüngliche Vorstellung, sie könnten trotz eigener Na tionalität loyale Staatsbürger bleiben, diskreditiert. Auf «der anderen Seite ziehen gerade die totalitären Staaten aus ihrer geheimen Überzeugung, dass nationale Minderheiten nicht gegenüber dem Mehrheitsvolk loyal sein können — eine Auffassung, die im allgemeinen nur bezüglich der Minderheiten der betreffenden totalitär geleiteten Völker zutrifft — die Konsequenz, das Minderheitenproblem bei sich selbst radikal zu lösen durch physische Beseitigung der Minderheit. Wir erleben jetzt e krasses Beispiel dieser Politik. Die ganze Welt Steht seit mehreren Wochen fassungslos vor der Tatsache der Evakuierung der Deutschen aus Südtirol, ein Schauspiel, das deutlich genug zeigt, dass von den totalitären Mächten sogar ihre eigenen Ideologien nur Mittel zum Zweck, d. h. zur Erreichung bestimmter politischer Ziele sind. Die militärische Bundesgenossenschaft jnit Italien ist für Deutschland wichtiger als das Heimatrecht der deutschen Volksangehörigen in Tirol und mit Recht fragt sich die Welt, warum dieses System der Evakuierung auch nicht anderwärts (z. B. in Danzig; angewandt werden könnte. Die Frage ist verfehlt, weil es ^y7^14* ><*M Jl+*lf4*lt t Beginn der %n*t rr Ibung Im „Protektorat" Wendung der »Alan Politik Die Naii- Propaganda Im Ausland Autonome Bezirk* In Palästina / Von *»;. Auerbach '/u Liehtheltii* Programm / Von W, Pinner l»le Katatehong der Engeham Farm Streit um <loMe»di«>n*t* deutscher Juden Die RevKIonktenverhartung In Palästina Berichte aus Ungarn. Holland. Polen ttww. hört man, dass der irische Freistaat den Vorschlag macht, eine Umsiedlung aus Ulster vorzunehmen, um die Teilung Irlands zu beseitigen. In Palästina war bekanntlich von der Peel-Kommission ein Umsiedlung»-Vorschlag ge-' macht worden, der aber von England sofort preisgegeben j wurde, weil solche Aktionen innerhalb eines demokrati-j sehen Systems schwer durchführbar sind. Auf der ande-1 ren Seite strebt z. B. die Türkei schon lange eine Rc-! patriierung ihrer im Ausland (z. B. in den Balkanstaaten) I man zwar nicht '»^t, aber aus A n gn t gewähren lasst. lebenden Volksangehörigen an und führt sie im stillen; Miin 8,eht an <H"m B^P^ der Tschechoslowakei durch. Bei der Annexion des Sands chak A f e x a n -! deutlic!. gentig, dass die deutsche Politik darauf abzielt, d rette (Hataj) haben so gut wie alle Arm*ni*r und; «an* Osteuropa von „Nazi-Gnulettern", die die lokale zahlreiche Araber das Land verlassen und sind nach \ deutsche Minderheit repräsentieren, regieren zu lassen. Syrien und Libanon übersiedelt; die Türkei erklärt, in' Dies* Minderheitsvertreter fim Verein mit den die Proihrem Staat sei „kein Platz für nationale Minderheiten", i paganda..Mteiide:n. deutschen diplomatischen Vertretunwobei eben der Begriff der Minderheit nicht mehr in dem|^en) s,nfi die Vorposten der deutschen Eroberung, und früher allgemein üblichen harmlosen fund mit derjsJ»e betreffenden Staaten müssen fürchten, durch ir- Staatsraison sehr wohl vereinbaren) Sinne, sondern in der «end etwas, was als „Verletzung" der Kochte und tretneuen Deutung eines „unzuverlässigen", für andere Mächte arbeitenden Elementes verstanden wird. Die Annahme, dass Minderheiten ausgestossert werden müssen, weil sie nicht als loyal betrachtet werden können, zeigt eine der verhängnisvollen Wirkungen des jetzt nach 150 Jahren seit der Französischen Revolution erst voll zur Entfaltung gelangenden Nationalismus. Hierdurch wird ein Jahrtausend europäischer Geschiente und das ganze Bild der europäischen Völkersiedlung ins Wanken gebracht. Es ist gar nicht vorauszusehen, welche Veränderungen bei einem weiteren Vordringen oder auch nur Gewährenlassen der totalitären Staaten hier noch bevorsteht. Die Austreibung der Juden aus Deutschland, die in besonders grausamer und unmenschlicher Weise vor sich geht, ist eines der Beispiele dieser Veränderung. Noch gefährlicher als die brutalen Fakten ist das Umsichgreifen der Theorie, Die deutschen Minderheiten in den ost- und südosteuropäischeri Landern (oder in demokratischen Ländern wie Palastina) brauchen freilich die Konsequenzen dieser Theorie nicht zu fürchten, denn sie sind Werkzeuge Deutschlands, die heiten der deutschen Minderheiten (die man sehr weit auslegt) gedeutet werden kann, ckn Stein ins Rollen zu bringen. Solche Gefahren will man anderwärts — auch Im italienischen Tirol — nicht aufkommen lassen, und daher wird jetzt immer allgemeiner die Regel akzeptiert: Bevölkert! ngsaüstauseh statt Minderheiten »c h?i.,fc z. In dieser rigorosen Weise ist aber das Minderhe4W«r.roblem In Europa nic h t iöihar, sondern nur durch Wiederherstellung des Prinzips der Toleranz und Gleichberechtigung an Stelle eines hysterischen Nationalismus. Das friediicheZusammenleben von zusammen wohnenden Völkern und ihre gemeinsame Aufbauarbeit allein können verhindern, dass die gemischtbevölkerten Länder zu dauernden Kriegsschauplätzen und zu Stätten des Elends statt des Wohlstandes werden. Das gilt auch für Palästina. Es geht nicht nur um Einzelfragen der Politik; es geht um Fragen des G e i s t e s und der Sittlichkeit, die sieh auch in der Politik manifestieren und dort über das Wohl und Wehe ganzer Völker und Generationen entscheiden. WASHINGTONER KONFERENZ 16. OKTOBER Roosevehs Eidadung Das Londoner Foreign Office teilt mit, das« die von Präsident Roo»eveit nach Washington einberufene Konferenz zur Behandlung den FUu:hiling«probiemA am 16. und 17. Oktober stattfinden wird. Die Tagung wird im Weissen Häu« abgehalten werden. Die Einladung erging an sämtliche Mitglieder des Präsidiums und an den Direktor des Zwischenstaatlichen Komitees Sir Herbert Emerson. Die britische Regierung hat die Einladung des Präsidenten Rooaevelt, an einec Konferenz zur Erörterung des Flüchtlingsproblerns in Washington teilzunehmen, offiziell angenommen. Als ihr Vertreter wird »ich der Vorsitzende des Zwischenstaatlichen Komitees Ix>rd Winterton nach USA begeben. Die Fntuizitrmv des Rikki^figsliilfswerks Harold Lindner, der Führer der amerikanischen Gruppe der „Coordinating Foundation", fasste in einer Pressekonferenz die Ziele dieser Körperschaft wie folgt zusammen: 1. Kooperierung mit dem Völkerbund, den Regierungen und allen Organisationen und Personen, weiche an einer Besserung der Lage der aus politischen und r«*»li*chen Gründen durch Deutschland zur Auswanderung gezwungenen Manschen interessiert sind; 2. Besserung der Lage auch jener Diskriminierten, die nicht auswandern können; 3. Sicherung einer ordnungsmäßigen Auswanderung der unfreiwilligen Emigranten aus Deutschland; 4. Kooperierung mit Organisa» - - ■ Untersuchung tionen, Emzelyersonen und Regierungen bei Sich ja nicht um .nationale Prinzipien, 'sondern um" die!der AnsieülungsmogUchkeitvn; 5. Errichtung einer; Agentur zur Ma^ht handelt und Deutschland eben den einen St«jt«- j ^^^^J^l ^ISr^i^eiT^ S„ VaÄ von punkt seiner Macnt aus bestimmten Gründen pretsgtben 'durcJ Em,frwtun mitgebrachten Waren gedacht wird. und den anderen Stützpunkt aus Gründen der Richtung seiner Expansionspolitik behaupten will. Das Prinzip der Umsiedlung von Minderheiten bringt einen völligen Umsturz in der Auffassung der Be- «teüuugen von Volkstum und Staat hervor. Schon Folgende Persönlichkeiten haben aich berf.iterkhirt, dem Council des neuen Finanzinstrumente* des FlüchUlngshllfswerks der „Coordinatirtg Foundation", anzugehören: der frühere G*neralgouverneur von Kanada Barl of Besaborough, der Vortuende des American Joint D»»tribution Cammitte« Paul Ilaerwald, Viscoünt Bearatead, der früher« Direktor des Inter» 'nationalen Arbeitsamtes Harald Butler, der Vizepräsident Board of Dcputies of British Jew» Lionel L. Cohen, der frühere amerikanische Botschafter John W. Davis, der Präs. ent des Swarthmore College In Amerika Dr. Rufus Jones, Simon Marks. Nathan L. Miller, der frühere amerikanische Gesandte In Brüssel David Hannon Morris, der frühere Richter am New Yorker Obersten Gericht Joseph Proskuuer, der ümerikanLsch-jüdistrhe Philanthrop Leasing J. Rosenwatd, Baron Anthony de Rothschild, der frühere englische Botschafter in Deutschland Sir Horaee Rumbohl. Sir John Hop« Simpson, der New York rr Bankier und Philanthrop Lews« L. Strauss, Rabbi Dr. St«i>hen S. Wise und Owen D. Young. Dem Berichte, den Sir Harold Emerson t.uf der Sitzung des Zwischenstaatlichen Komitees erstattet hat, Ist zu entnehmen: Bis vor wurzern wurde das gesamte Flüchtlings* von den privaten Organisationen finanziert. Jetzt beteiligen sich auch einige Staaten an dieser Finanzierung, Das baltische Schatzamt hat 4 Millionen Pfund für die Herausnahme der Flüchtlinge aus der Tsche*;hoslovakei zur Verfügung gestellt Die belgische Regierung hat die Erhaltung von ,1000 Flüchtlingen (unter Insgesamt 15,000 in Belgien Übenden Flüchtlingen/ auf sich genommen, nachdem die privaten Organisationen nicht mehr die ganze La t allein tragen konnten. Auch die holländische Regierung!mt erhebliche Kosten bei Errichtung von Lagern und Ausbildung der Flüchtlinge gehabt. tieit 1033 wurden In Europa und Amerika mehr »I» 10 Millionen Pfund In bar für das Flüchtlingshilfswerk selten* ehariutlver Institutionen ausgegeben. Die Beiträge von Privatpersonen dürften nicht weniger a!ü 15 Millionen Pfund betragen. Aber die Verpflichtungen steigen beständig; die» darum, weil grosse Maasen Flüchtlinge In zeitweiligen Zufluchtsländern erhalten werden müssen und weit vielen Men« er» in ihre» neu*« KeimÄtläRdfrr» geholfen werden mwi%. bis sie sich eine Exiatenx gegründet haben, Emerson unterstrich die Tatsache, dass da« Problern den Pt ivatorgätfiisatlonen sehr über den Kopf gewachsen ist. un<I dass nunmehr auch staatliche finanzielle Hilfe eingesetzt werden musi. Nach Schätzung Emerson^ werde man vor der Aufgab« stehen, etwa 400.000 Flüchtlinge fesf-haft SU machen. (Vgl, auch •■? und 10)