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Jüdische Weltrundschau · 1939-07-28 · 20 (28.7.1939) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
20 (28.7.1939)
Date
1939-07-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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FAmmn um» tu* JÜDISCHE lUdaktlon, Varia* and Anielfon-Varwaltimi: J<tru.i»l*m P 0 B »•; R. H?n .Mm-Ia-Mr . T.-Up).'»n 3-''7<.». — 0*»rh»ftmt»M« ftlr Europa «mir K s p <* A l t i n ür-.rl ,\ i> « n n ~ i»f » n I ■ A n r. *!i;;i - f::r 51 ••: r => |> * Amerika):!•<. r«if ri i CrniMun?. Pari» II". — r.,-,.-)i.,ft«'it.-II.' für Tfl-Ativ: Mikx.-tt I*r»«>l Str. Tel.'i.»««n — RHaktlonaachluaa: J*<l»n Monlftj? t' J-r 7i\fhm Kur tmV.-rUiH'f» M sin'i«W r ij>t,» *lr<l kHn* Oaranfic iib.rnoir>nt-ri. Jixlor Kln*.Ti<lnrtÄ' <»«f»-r Anfragf i«t 'in ifit>rrt/ut»i nalpr Arnw«.rt»oh-in t..-i*«i/««<•«. Zft.t«-»irlf«>«»i f <\ U"l»Uinn «vr.i«n ni-M •b EinirlporioruMi, •onfli'rn an die H><Ukti»n. Jrruitali-s« I'Oll <',«e> rt-S.rSrn. tii.t, \m Üoc Qt» Amsterdam Jahrgang 1 Nr. 20 — EinteInumintr ^jj* hfl O.Sf> fcw RUNDSCHAU »i HM S A I, K cmr. sjk rr* Revue du Monde juif / lhd>domndaire PARIS, 28. Jl \\ VKW £rich«lnl wU iMI h _ An-«« .mahnt« ftlr all« Landir: ■ «»«rMI^MlIfh J«r»i»lem P.O.B. 0»». Pltr PaU«tltia aiia»or>t»m T«IA*I», ». MlVrrl. \st*v\ SV. — A»*vl;«ni«tt«i j-r ...i..f.-.. |»j J Am Uri. It „ f i »U n j I , ,|, i '!i ( ' Sl>»tt» tinsr«U:t» Tarif uuf ii!K>".i ..... Afiaalguu >4üi<tig9ii Dl«n»t*| u,m <!••« Hutt*a. m l t\ iii 1 A Ir m T> Uhr. f1ilns,vd,i ];r.|H*t*4 »i„-l I.mI» Die Machtmittel des Zionismus Das Judeoproblem vor dem 21. Zionistenkongress Von Kurt Blumenfeld Wer Krieg führen will, trifft Vorbereitungen, bewertet leine Machtmittel. Grossmächte sind dabei nicht weniger vorsichtig ll» kleine Staaten. In der politischen Welt «reis» jeder, das« es im Kampf nicht auf Erklärungen und Demonstrationen, sondern auf reale Ergebnisse ankommt. Es ist erstaunlich, wie viel man sich in unserem zionistischen Lager mit der Beleuchtung von Wunschbildern oeschäftigt und wie oft man politische AuseinandetSetzungen mit einem dialektischein Kampf verwechselt. In unserer Presse werden meist die Methoden unseres Vorgehens erörtert, die Inhalte und Ziele unserer Politik behandelt. Viel weniger häufig und nur nebenher beschäftigt man sich mit der Frage, wie es eigentlich um uns, die Trauer der zionistischen Idee, bestellt ist. Welche Macht repräsentieren wir, was können wir heute bewirken, wie können wir starker werden, wie kann der Kampf des Zionismus urn Leber, und Freiheit ideell und materiell durchgeführt werden? In der Zeit vom Beginn jüdischer Kolonisation in Palästina bis heute ist viel geschaffen worden. Wir wissen es, und die zionistische öffentiiekeit hat zumindest aus der Darstellung der Königlichen Kommission erfahren können, was das von einer grossen Idee ertasste judische Volk im Lande geleistet hat. * Die Leistung erschien manchem englischen Politiker so gross, dass er das bisher Erreichte schon für den Abächluss des Nationalheims für das jüdische Volk betrachtete und zukünftige Entwicklungen abschneiden wollte. Für unsere echten Freunde, und vor allem für jeden Zionisten, war aber klar, dass das bisher Geschaffene, wie ausserordentlich -es immer auch, süin macr, nur als Voraussetzung für Neues und Grösseres zu betrachten sei. In den letzten Jahren entsprachen die Fortschritte nicht unseren Wünschen. Zwar wächst der Jischuw durch eine zahlenmässig nicht unbedeutende Einwanderung, aber diese Einwanderung ist von anderem Charakter als die Einwanderung früherer Jahre, auf deren Konto die bisherigen Leistungen zu setzen sind. Die wirtschaftliche Situation gibt zu manchen Sorgen Anlass. Die Zahl der jüdischen Einwanderer mit grösserem Kapital ist sehr klein im Vergleich zu der grossen Zahl der nichts Besitzenden, und die öffentlichen Mittel, auf denen die ganze Last für Einwanderung, Sicherheit. Erhaltung des Bestehenden, neue Kolonisation und Erziehung liegt, sind inzureichend. Als Parole, die eine Änderung dieses Zustandes herbeiführen soll, hören wir den Ruf: Verstärkung der Arbeit. Es entsteht die Frage, ob diese Parole allein Entscheidendes zu bewirken vermag. Die Zionistische Organisation kennt den Kreis von Juden, den sie zu erreichen vermag. Sie bewegt sich seit j Jahrzehnten in dem gleichen ihr vertrauten Gebiet. Ihre; Anhänger, Zionisten und Palästina-Freunde, waren fast \ ausnahmslos mit jüdischer Vergangenheit verbunden, mit; jüdischen Kenntnissen erfüllte Menschen, „prä-assimila-j torische" Juden. Die zionistische Jugend war und ist im; wesentlichen die Jugend dieser Kreise, Dort war der j Zionismus einmal eine erregende politische Idee, gleich-; zeitig ein neuer Ausdruck für die ewige Sehnsucht jüdi-j scher Herzen, und späterhin die reale Antwort auf die! immer furchtbarerem Erscheinungen der Judenfrage, j Auf diese Welt war und ist die zionistische Arbeit I abgestellt, und es machte keinen ao grossen Unterschied,! ob die gleichen Juden in Pulen, in Rumänien, in Paris, in England. Südafrika oder den Vereinigten Staaten von Amerika lebten Auf diese Welt konnte num sich stützen, aus ihr kam auch alles, was man für die jüdische Ent-: Wicklung im Lande brauchte. Das heutige Palästina ist in jeder E?zienung eine benoptung dieser Juden und dieser zionistisch"» Bewegung. Die Biluim, die Bahnbrecher der zweiten Alijah, du- Chaluzim d**r dritten Einwänderungswel-e, das lebendige Hehrausf h, die Schaffung und Organisierung der judischen Arbeiterschaft, das sind die grossen Zeugen der bisherigen Entwicklung. Diese tragend»- Welt des neuen Palabtina hat au< b »mm aller Differenziertheit einen bestimmten geistigen Habitus. Ailes, was im öffentlichen Leben geschieht und die meisten Erscheinungen unserer geistigen Welt, all das ist eng verbunden mit der V^rstellungswelt gewisser Kreise im Ruüdiaud de3 Jahres! In Deutü c bland erlebte die zionistische Bewe- | gung den Zusammenstoß» mit einem Judentum, dessen! Assimilation schon vor Generationen begonnen hatte. Die; Auseinandersetzung war interessant, aber für die grosse! zionistische Welt nicht von entscheidender Bedeutung, j Man ertrug es, dass am Baume der zionistischen Bewe- I gung auch diene Frucht reifte. Die M a c h t in der zio-! nistischen Welt waren die Juden jüdischer Erziehung und i Kultur. | Die Welt hat aich im Laufe der letzten Jahre und S Jahrzehnte grundsätzlich geändert. Im Zusammenhang i damit verschwand das russische Judentum aus unserem | Aktionsbereich, verschlechterte sich die politische Stellung der Juden im übrigen Osteuropa, erlebten wir die:; Vernichtung des deutschen Judentums. \ | Was db Zionisten in dem aiiffimtiehsifirncn Sprach-; , gebiet angeht, so sind sie im Laufe der letzten 20 Jahre; I nicht jünger geworden, und der Nachwuchs dieser Schicht! j ist überall kleiner und an Emfluss unbedeutender, nis diel | Schicht der heute lebenden Fünfzig- und Sechzigjährigen.: j Der ..Aufstand der Mafien" hat in allen Ländern \ I zu einer Verschärfung der Judenfrage geführt. Die Rej! gierungen der faschistischen Länder 'sind gewiss Tod-] I feinde des Judentums, aber daraus zog man zu Unrecht! j t.-fn Schluns, dass andere Länder vom Judenproblem frei j j viireu. Die Juderifrage ist überall deutlicher geworden,! | und kein aufrichtiger Juder kann leugnen, das« sie Anlasa | zu ernster Sorge gibt. In allen westlichen Ländern fangen! | die Juden an, den Antisemitismus auf eine Weise zu1 bekämpfen, wie sie das bereits vor Generationen inj Deutschland gemacht haben. Man verbindet mit dem j Kampf gegen den A nti^eroitismus häufig auch den Kampf] gegen die jüdisch-nationale Grundlage der zionistschen | Bewegung. Hoffen wir, das« diesen Bekampfern den Antij semitismus in Westeuropa und in Amerika ein besseres \ Schicksal bestimmt sein wird als ihren Lehrmeistern in Deutschland. I Bis ist klar, dass der traditionelle Zionist in die-; sen Welten einen schweren Stand hat. Auch er möchte! am Kampf um die formale Gleichberechtigung der Juden! teilnehmen, kann aber natürlich mit den offiziellen Kreisen! die Konkurrenz nicht aufnehmen und muss so die Füh-; rung in diesem Kampf den Juden überlassen, deren Ein-j wanderungsadel schon 50 Jahre älter ist. j Als man an die Erweiterung der Jewish Ageney ging,; da suchte und fand man Nicht-Zionisten, anerkannte j Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaft, die zu alt \ waren, um den Anschluss an Üie jung-jüdische Bewegung i zu finden. Die führenden damaligen Partner sind fast! alle nicht mehr am Leben. In der heutigen Periode der I Weitem Wicklung können sie keine Nachfolger haben..; An ihre Stelle sind andere Juden getreten, entfernter' vom Judentum, weit abhängiger von der nichtjüdischen j Umgebung. Bei den Abkommen, die wir unter Verzicht! auf eigene Tätigkeit mit den Vertretern des „offiziellen"; Judentums getroffen haben, spielt Palästina nur die Rolle; eines Einwanderungsiandes. Der Grund für Zahlungen I ist die Zahl der Immigranten, die das Land aufnehmen! kann. Für das Palästina der Jahre fruchtbarster zioj nistischer Entwicklung vor und nach dem Kriege, in denen ] die Bedingungen für die Aufnahme eines künftigen Ein- \ wanderungsstromes gelegt wurden, in denen es aber keine beträchtliche neue Einwanderung gab, hätte man keinen Dollar bekommen. £t4a*<* $+%lf**lt: Ntaeh der Unterhi»uvl>rbntt#« übrr Palästina *>ie londoner Tagung des Kt'iutt-Ko uilee* II«*rIin—Rom—IVr*l*eh -r Meerlinsen «leiden auf den Philippinen Ga!iitti-Ni»le In Columbien ItrUeniitnlwn« einen Et-AHsImMuiileir l>ie verbrannten Synagoge» Fruillrtoit: Port rat riner Emigrantin Ferner Hei-feht* au«* v*»r*eh. Ländern, Sprirt u*\v. Wir sehen folgendes Ergebnis Die Judenbeit Ostuml \fvteh'uroija.H, in des die zionistische Bewegung ihre Bedeutung hatte, verlangt die sofortige Antwort aul ihre > Judenfrage. Sie glaubt nirgends mehr daran, dass ihre' Zukunft m ihren VVohniändern liegt; iure Eigen kraft, sinkt j aber von Jahr zu Janr. ihre Hoffnungen sind mir der; I^'Mtung der Jud«-n in Woteurwpa und in Amerika ver-' bunüen. | In den u,eHtluhea Lundrrn und in Amerika ersehenen! die Zionisten hvuic als der schwächere Partner einer von, zionistischen Anschauungen bewuMt distanzierten judischen Führerschaft: und, uatf das Allerschlimmfet'- ist, die Bewegung, soweit h'u: existiert, wird immer abhängiger, von Einzelnen, d<.-n«?n es gelingt, wya uVr anderen Seite [ gesellschaftlich rezipiert zu werden. Je mehr Geld man1 oiauent**. urn -V> mehr verlor au< n uu» Bewegung ihre' Unabhängigkeit: die früher einmal ihr höchster Ruhmestitel war. .Gleichzeitig müssen wir angesichts der gegenwärtigen politischen Situation den Nachweis erbringen, dass wir w a c h s e n . da&B w i die Repräsentanten des jüdischen Volke« sind, und (him die Judenhelt ihre Zukuhftshoff- _ nungen mit Palästina verbindet. Behauptungen solcher An kann man auf die Dauer'nur dann aufstellen, wenn es Beweisein der Wirklichkeit gibt, Wir können sie erbringen. Die zweite Periode der zionistischen 'Entwicklung, die mit 1Ö05 begann, liegt jetzt hinter uns. JDie Welt hat sich in ihr geändert, wir blieben dieselben und haben mit Hilfe eines bestimmten Schätze* von Ideen und Anschauungen Ergebnisse erziel!, deren Hcdeijtung kind Ausmaß» wir heniv itbrrs^h^n können, Genau so "riß nach Herzig Tod eine Neuformkrung und Neuorientierung der Bewegung erfolgt«;, wie bestimmt« geistige KKif!« in ihr wirksam wurden und M<«n.<»rhen zu letzter Hingabe veranlassten, so müssen •'ir wlederurr als Pioniere der 'Erkenntnis und konstruktiven Bewältigung der Judenfrage in den Teil der' jüdischen Weit gehen, der uns geblieben ist. Wie k&nn man aber entjudete Juden, für die es.kein« Rückkehr zum Judentum gibt, weil sie leer von Erinnerungen sind, in unsere Welt hineinführen? Die Erfahrung zeigt, daüs in zahlreichen Fällen die Möglichkeit besteht, l;is zu dem Kern des Wesens vorzu« r dringen und einen Zicaismus zu entwickeln, der mit dem Peraönlichkeitsbewusstsein de» Menschen verbunden ist, der zur Erkenntnis der den Menschen formenden Kräfte fuhrt, und so zu einem Zionismus aus innerer Notwendigkeit werden kann. Unser zweites Vittel Ist die Darstellung der „objektiven Juden frage"', der Nachweis der heute bestehenden SehiekmlHgemrinHchaft aller Juden, unabhängig von ihrer bisherigen Überzeugung in jüdischen Angelegenheiten. Das Herzl-Wort, dass der gemeinsame Feind die Nation schafft, ist beweisbarer und einleuchtender geworden. Und schliesslich kommt es darauf an ...... nicht nur bei dem Juden der Peripherie, sondern bei a 1 len Juden und Zionisten —" Palästina aus den Ketten dar Stüthtik zu t befreien. Nicht« war beliebter bei uns als die Zahl, nichts* verachteter als die Idee. Wir dürfen nicht den Wahr aufkommen lassen, <la."H es um die Juden gut besteilt wäre wenn sie überall in Sicherheit leben könnetn. Der Mensch lebt nicht, von Brot allein. Wir stellen gern den Untergang von geistigen und menschlichen Werten bei den Völkern fest; wir »olken mit wacheren Sinnen den Niedergang und die menschlichen Verwüstungen im eigenen Lager sehen. Eine zionistische Bewegung, die an die Auferstehung des jüdischen Volkes glaubt, an die Reinigung der Herzen, au di. Bedeutung des gerneinsamen geistigen Besitzes, an Freiheit und Würde der Persönlichkeit, kann, wenn sie richtig, unerschrocken und klug in die Welt ge tragen wird, zu der einzigen Sache werden, der ein Jwh sich atfschltesÄt. um sein besseren Selbst zu finden. Wir werden die Mittel der Jud.-n nur mobiÜHie-rr-n, wenn wir unter den Millionen eine Schar schaffen, die sich ganz mit dem /,m\umw verbindet. Wir haben in der VeiHan^-iiheil vmm- Kampfg«""-r.05<"n;.uhj)robiiT' di«* N.#r die unnu-rwcbHche Grausamkeit in der Vernich»ung ganzer judwrher Gemeinschaften, d.-n Druck der Flüchtling.- und dl.- Hilthbereitschaft d'-r Juden. Wir kennen die Methoden unserer Propaganda, bei der wir allzu ort den Weg d*-« geringsten Widerstände.-* gingen wo wu genau v.i>- andere den geseiUchaftlif hen Ehrgeiz ausnutzt*w, den Ziwi.i.jjmu-v \eibaimio&te», -tu« statt auszuprobieren, wo:.u der Mensch imstande Ht, wenn fr einmal dem Druck d»«r Ide*» au.^eHetzt wird. Bw in die obersten Spitzen der zhmistbehen B* -vegung nuieut ».{biukt iu4ii iiiL ^-^-U^ h^f tlsb.-.v Aal.-V '.sü*S

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