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Jüdische Weltrundschau · 1939-06-16 · 14 (16.6.1939) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
14 (16.6.1939)
Date
1939-06-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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PAHISÜR AI HliMB JUDISCHE fUtaktlon. Varia« nni AaM(faa?arwaJtan(: ItnMlna P 0 1 J. Brt» .T*bn«a-Str.. TfUpho» 3079 _ WtetiftnüHi ftlr Bmopa (nur ■ ■ 9 d I 11 a tta« lboiin*ninli Annikmt ftr Europa na« Imirik») :!<i. rti« <iu f'roUMt»!. Parti H», -.- O-if»>*f!»il»H« Mr ftlJUIt: 6, atl«»<>h I •!■•*! Str.. T«l«phon «102. — l«4*MI«tiMefclMi: §a4«a Monta« » Uhr nachm. Für tia»rrttnfU Manmkrtpt« wird k»ln« ftftrantU lb«iw«i. J*dcr ltna*»4unf odnr Aufrafft lat *la ln»i»rnatiafrftJat AalwarUca»ln Mtuflfrn. Zaaahrtrtta f. i. Katfaatloa war4«a aJafcl fca fc>nie)paraani>n, aandara aa dl» B««aktlon, Jtruaaltin P O.» 6t» trbatrn. PS!?> ><? $^»& I 4 ££ Ä Jk & j§ # J3, fo*-v^5iSS R>U>J Dirnr Kummer mmi***t 10 Heiien 1 Jahrgang 1 Nr. I I — Einzeln limine r hri Oz* RUNDSCHAU 4ER IT $ALK M cm rrc o-a Revue du Mond? juif / Hftfuiomadairt PARIS, 16. JUNI 1930 IrMkriri ctaaal v««t«*«fel — Aawff«aafiflak«a fir alt« Mala* au«Mhllta«U«a fmMlM P.O.B. III Fflr Pallatlfia amatrdam Tal-AvfT, I. Mtfcftfc Uraal ilr. _ Aat«lf«>atait» par l.uftpoil •rhal**. — IM» Ani-i.vh N.i;» ,,-,f*Hi in f. Mpi*lt«o. j« 4.5 t.r'U. Spa!t«ahdaa n ' ' » *!i i»".h tJfujidprau.! i- -n fm ,h 4/, j, 8i>alia. Minimaler«««« »J l«*h O.7.". cm). Klnu.lhrltci H ln*»raltn Tarif M«n<lrtrtarlf tHt PaMllaaant««««« ua« Arr«iMn MlttaUnofaa ~~ *aaafaaa) -•chiaaa: Maaia« «a*am. 5 Uar drlajaml» rainlll«na»ealgaa I)i**M*« »i 1 '■>< -f">i;i . B«iu(*prau« l,i»t» •>» Mehluta dta lllaltaa. Judenfrage in der Weltpolitik WELT-VERGIFTUNG ALS ANTISEMITISCHES ZIEL / JÜDISCHE KATASTROPHE UND NATIONALHEIM / EINE DEBATTE ALS DOKUMENT Jerusalem, 13. Juni Wenn man es als Aufgabe einer jüdischen Zeitung bc frachtet, die Äusserungen über Judentum und Judenfrage tu registrieren, so kann eine Zeitung in unseren Tagen Ilieser Aufgabe nicht im entferntesten mehr gerecht »Verden, Denn die Juden frage ist so sehr eine Angelegenheit der VVeltpolitik und des allgemeinen öffentlichen Interesses geworden, dass die Diskussion darüber in der Presse und in öffentlichen Körperschaften überhaupt Dicht mehr abreisst. Judenfrage ist heute mit dem Inhalt und den Methoden der grossen Weltpolitik verbunden. Denn die antisemitische Agitation wurde sozusagen als ein Mittel der Zersetzung und Unterwühluiig der öffent« liehen Ordnung in feindlichen Staaten ,entdeckt" •w ein Mittel, das sich als viel gefährlicher und viel iarirksamer erweist, als die vielbesprochene kommunistische Wühlarbeit, die von der sogenannten kommunistischen Internationale (Komintern) in den ersten Nach- \ jkriegsjahren geführt worden ist und ..inzwischen längst |5ur Bedeutungslosigkeit zusammenbrach. Die antisemi- Itoche Agitation aber, die von einer bestimmten Zentrale km geleitet r/ird (eir.es ih«r-Orgiffi©---sa^----daa--^ta-^ Erfurt nennt sich ganz frech „Welt-Dienst") kann sie; .Viel besser tarnen, sie kann überall unter dem Deck* fnantel „innerpolitischer" Strömungen auftreten, und Hie bedient sich der Rassengenossen, die als eine nationalistische Internationale besonderer Art über die jganze Welt zerstreut sind, damit alle ehrlichen Bemühungen einer konstruktiven Eingliederung der Rationalen Minderheiten hoffnungslos diskreditierend. .Gewiss gibt es sehr viele Deutsche in allen Ländern, die jtlie antisemitische Hetze und Wühlarbeit ablehnen und Verabscheuen, aber es bleiben genug bereitwillige Kräfte, fcüe den Befehlen der Nazi-Internationale gehorchen. »Man hofft, durch den Antisemitismus Gärung und Unzufriedenheit in alle Länder zu bringen und Sympathie für Jene faschistischen Mächte zu verbreiten, von denen die {janze Welt weiss, dass sie judenfeindlich sind. In der etzten Zeit h.ibcn sich erfreulicherweise mehrere Länder gegen diese Methoden zur Wehr gesetzt, darunter vor allem Frankreich und Holland. Sie haben verstanden, dass die antisemitische Agitation nicht eine Sache zweiten Ranges ist, nicht eine Angelegenheit, die nur die Juden angeht, sondern ein hochbedeutsames und wirkungsvolles „Mittel zum Zweck", nämlich zum Zweck der Untergrabung des kulturellen und sittlichen F an daments, auf dem die zivilisierten Staaten beruhen. Die Ausdehnung des Ehrenschutzes Vom Individuum auf das Kollektiv, wie es in Gesetzen in Frankreich und Holland niedergelegt wurde, ist ein »richtiger Schutt zur Sicherung der jüdischen Gemein achaft vor den skrupellosen Schmähungen, mit denen die antisemitische Agitation arbeitet, denen gegenüber die Juden sonst v/ehrlos wären, auch wenn es sich um noch •o unverschämte Lügen handelt. Man braucht nur die letzte widerliche „Ritualmord"-Nummer des ..Stürmer" tu sehen (mit ihren frechen Beleidigungen des Erzfcischofs von Canterbury), um zu erfassen, welche un fceschreibliche Gemeinheit die Juden sieh in Deutschland Und in den von Deutschland beherrschten Ländern gefallen lassen müssen. Für die Juden ist das nun freilich gewiss keine Schande — die unerträgliche Scham wird einmal das deutsche Volk ergreifen. Alier dieses Gift Wird heute überallhin verspritzt, die Bazillen werden als Konterbande in alle Länder importiert Sie sollen die gesunden Völker infixieren und zugrunde richten. D a - gegen (und nicht um der Juden willen) wendet sich die Gegenwehr der Völker. Darum ist — zumindest in den zwei genannten Ländern — die anUaemitiHch» Agitation nicht mehr so bequem und straffrei wie bisher. Däe grossen geschichtlichen Auseinandersetzungen und Ereignisse gehen: Gelegenheit zur ernsten Erörterung der Judenfrage. Besonders aber ist das Problem Palästinas jetzt in ein ganz neues Licht gerückt. Hat man früher häufig Palästina isoliert betrachtet und nur die Kräfte von Juden und Arabern im Lande gegeneinander abgewogen, so muss heute jeder erkennen, dass Palästina mit der Judcnfraee als solcher eng verknüpft ist und das jüdische Nationalheim in der Tat eine ganz andere Rolle spielt als noch wenige Jahre zuvor. In den englischen Erörterungen begegnen wir manchmal einer seltsamen Argumentation. Als England — so heisst es darin — den Juden das Nationaliieim versprach, dachte niemand an derartige Ereignisse wie die Judenau»*rei'bung aus Mitteleuropa; jetzt aber sei der Auswanderungsdrang so gross, dass Palästina von Juden überschwemmt würde, wenn man die Einwanderung nicht in Grenzen hielte. Dieses Argument ist darum so befremdend, weil die Idee den Nationalhelms doch gerade aun dem Ver»tändni* für die (wirkliehe und latente) Judenfrage geboren wurde. Dieses Nationalheim war doch niemals nur ais eine Dekoration gedacht, sondern der Zionismus, dessen Ziel (gemäss dem Baseler Programm, dessen Formel die Balfour-Deklaration ungefähr übernommen hat) die „Öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina" war, stellte dieses Ziel auf, weil er die Judenfrage erkannt hatte und wusste, dass früher oder später ein elementares Bedürfnis nach einem jüdischen Territorium vorhanden sein wird, weil die Juden anderswo nicht mehr leben können. Ir. Hersla Broschüre „Der Judenstaat" sind diese Erkenntnisse zu einer Zeit, wo d|« meisten dies noch für närrische Phantasien oder Übertreibungen hielten, in einer Klarheit dargelegt, für die die Bezeichnung „visionär" erlaubt sein muss, W e - gen dieser J'udennot, die in Katastrophen zu enden drohte, wurde das Nationalheim angestrebt und gewährt. Ist es nicht paradox, im Augenblick der nun eingetretenen und alles überschattenden jüdischen Katastrophe zu sagen, für diese Situation sei der Plan nicht erdacht gewesen? Wofür denn, wenn nicht für diese Situation? Und wenn nicht dieser Plan, was denn? Es ist keine gute Politik, elementare Notwendigkeiten zu verneinen und sich dem alles überwältigenden Zwang einer ausweglosen Notlage entgegenzusetzen., Niemand wird leugnen, dass Palästina ein schwieriges Problem bildet und England in einer peinlichen L«gc ist. Aber die Katastrophe des jüdischen Volkes ist nicht mehr mit j gewöhnlichen Masstäben zu messen. Schon gibt man ja i zu, dass die jüdischen Massen i r g e n d w o angesiedelt j werden müssen, aber man hilft sich mit Ausflüchten und mit Nennung verschiedener unmöglicher und praktisch nicht in Betracht kommender Gebiete, als ob durch blosse Projektenmaeherei die Not kleiner würde. Inzwischen fahren die Flüchtlingsschiffe auf allen Meeren umher, und die Insassen sind glücklich, wenn sie an irgendeinem ferner. Gestade gelandet werden und einem Ungewissen Schicksal entgegensehen dürfen. Hunderttausende warten aber noch in völliger Verzweiflung auf einen Ausweg. In Palästina konnten sich ihre Energien fruchtbar entfalten, und es könnte ein grosses Gebiet (Palästina und Hinterland) im Einvernehmen und in Zusammenarbeit mit der arabischen UindesbevÖikerung einer hohen Zivilisation und dichten Besiedlung zugeführt werden, wodurch neue wirtschaftliche und kulturelle Möglichkeiten entstünden — und gerade das soll künstlich verhindert werden! Es ist zu verstehen, daaa eine tiefe Erregung alle die erfaast hat, die diese Sachlage erkennen, vor allem die Juden in der ganzen Welt, darunter die Tausende von jüdischen jungen Menschen, die sich seit Jahren für Palästina vorbereiten in dem Bewusstseini hier eine Aufgabe zu haben, für die sie ihr Bestes hergeben können. Man hat den Juden vorgeworfen, dass sie „arbeitsscheu" seien. Die grciaae Mehrzahl der jüdischen Jugend will arbeitr-n, ist bereit, unter ganz anderen Bedingungen zu leben als ihre Väter, die manuelle Arbeit ist heute bei der jüdischen Jugend vorherrschend, in einer relativ kurzen Z»Ht hat :üeh der massgebende jüdische M e n s c h... n t y p vollständig verändert. Wir habe« heuU» Armeen von ulrklkii kräftigen und einsatzbereiten Arbeitern — aber man entzieht ihneu die Möglichkeit zu arbeiten und verspt'rrt Minen die Tore des Lande«, fn den» sie aufbauen wollen. Bollen dann gute und willige koftiitruküv> Kräfte m de strukti ve verwandelt •Acni.n'.' Diese Gefahr ist gross und ganz akut. Kann man denn wirklich kein Unglück vorausgehen, bevor ea nicht einge- *?**li<slt: Der Palästina-Pavillon auf der New Yorker AuMtellting Wie der Novrmbrrpogrom organisiert wurde ifcffentliche Meinung In England (Londoner lUil ht) Kanadische« Tagebuch / Von Joachim Prinz ,, \n allem sind Hitler und die Juden schuld" Von <:. Z. Klötzel Ein Sonnlag in Chicago (Bericht für die J>VK) l>le Woche in Ere« Israel Die Irrfahrten der riuchtliügr lteriehte aus Frankreich, Holland usw. Sondvrbeiiauv: Die pui «atte im englischen Parlament troffen ist? In einer Zeil., wo es auf vorausschauende, weitsichtige und grosszügige Politik ankäme, sehen wir, wie es bereits unter den maaageUtaden und entscheidenden Menschen nur Zauderer ohne Mut zu wirklichen Tat.cn gibt. Unter^aolcheh Begleitumständen h$t d% jüdische Volk seinen Schicksalskampf um «eine Existenz durchzukämpfen, * Ist es auch nicht möglieh, alle Äusserungen zur Ju* denfrage zu registrieren, so halten wir es doch für nützlich, -gewisse• Erörterungen, die von bitnbe'hdem Interesse sind, über den Tag hinaus festzuhalten. Darum haben wir unserer heutigen Nummer einen Teil der letzten P a 1 äs U n a -Debatte d e, s e n g ü s e hin Par « lamen ttf beigelegt Leider gestattet es unser Raum nicht, diene. Debatte in vollem Wortlaut zu bringen, Bh war reich an interessanten Episoden und Nuancen, die bei einem gekürzten Bericht leider wegfallen müssen. Diese Palästina-Debatte, wie alles, was mit. jüdischen Dingen zusammenhängt, ist ja keine blosse Erörterung einer Fachfrage oder eines politischen Teilgebietes, sondern viele Redner haben die Gelegenheit benutzt, um auf die Lage der Juden hinzuweisen. Es sei z. B. die noble und menschlich einsichtsvolle Rede des Hauptes der englischen, Kirche, des Erzbischofs von Canterbury erwähnt, Grosses Interesse verdienen auch die Reden von ho sachverständigen Persona« wie Amery, Churchill und Lord Samuel, von denen die ersten beiden in einer für Palästina entscheidenden Zeit Kolonialminister und der letztgenannte High Coromissioner für Palästina waren. Aber auch die Erklärungen der Regiorungsvertrcter, neben dem Kolonialminister Mac.Donald die Minister Butler i und Inskip, sowie des Unterstaatssekretärs I^ord Dufferin | and Ava und des Ministers für Indien, Lord Zetland, | enthalten viel Bemerkenswertes ir* dem, was sie sagen und was sie nicht sagen, in der häufig gekünstelten und gezwungenen Argumentation und in ihrer Reaktion auf das Kreuzfeuer von Zwischenfragen. All dies abzudrucken würde aber eine umfangreiche Broue-hUre beananrucken., wie. sie der stenographierte Bericht über englische Parlamentsdebatten darstellt. Wir müssen uns mit einer stark gekürzten Wiedergabe begnügen, aber wli glauben, dasa auch diese genügend Material enthält, um den nachträglichen Abdruck zu rechtfertigen. Die Palästina-Diskussion ist ja lange noch nicht zu Ende und bei späterer Gelegenheit wird man vielleicht manche Bemerkung oder Äusserung der letzten Parlament* Debatte weiterspinnen. Befürworter und Gegner des Weißbuches fühlen wohl beide in ihrem Innern — und die Stimme ihres Gewissens sagt es ihnen ......, d&sa diese« WeiMabuch. wie schon frühere Weißbücher, kein letztes Wort sein wird, und da?« die Geschichte darUber hinweggehen wird Wir waren uns immer bewusat, dass im Kampf um die jüdische Wiedergeburt die Politik nur ein Mittel tot. Die ewigen W e r t e , die das jüdiach« Volk auf «einem Wege begleiten, sind üterpohtiiche Werte. Gerade In einem Moment tiefer Enttäuschung über den Gang der Politik ist, es wendig, die»e Rangordnung zu betonen, um nicht in einen sinnlosen Nihilismus zu verfallen. 5Hehe Siifw??!"« dringe« zu \«ns, und wir bringen in der heutigen Nummer zwei solche Äusserungen; wir all« wünschen, dass in der Stunde der Prüfung eine tiefere Besinnung dem jüdischen Menschen Kraft und Halt gibt, Eh;joÜ daratu aber nicht dm Mißverständnis entstehen, ais ob der politische Kampf etwas sekundäres wäre. Wir alle atehen in diesem Kampf und niüaaen ihn führen - - mit würdigen und wirksam*« Mitteln, unter Berufung auf unser L*ben#recfat, aber zugleich in dem Bewußtsein, dass unabhängig von allen frtiitiachen Wandlungen und WechsolfSUea die Ewigkeit 1»raels unser eigentlicher Leitstern »st.

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