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Jüdische Weltrundschau · 1939-06-02 · 12 (2.6.1939) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
12 (2.6.1939)
Date
1939-06-02
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12, 2.VL1Ö39 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Seite 11 Echo in Indien Von unterem Berichterstatter S i m I a, Ende Mal. D!« Veröffentlichung dw englischen White Pnper Ober Palästina und die Debatte Im Unterhaus haben in Iiritisch-Indicn ein weitjrchenJe.<? Kehn gefunden, wie es in einem Lande mit «tu« <X> Miliionen Mohammedanern nicht nnuers zu erwarten war. ' Vgl. auch S. 2 - A.d.R.) Je nach ihrer allgemeinen politischen Position nehmen die einseinen Gruppen *u dem White Pnper Stellung. Zunächst führen wir Zitate der englischen, mehr oder weniger regit rungst reuen Presse «n. Der „Statesman". Kalkutta, ein ausgesprochenes Tory-Blatt, bedauert zwar, dass der für Palästina so schicksalsschwer« Entschiusa in dem Augenblick fällt, ftl* die europäische Judenheit in Europa den brutalsten Verfolgungen ausgesetzt i»t. „Nichtsdestoweniger", so schreibt aber da* Blatt, „glauben wir, dass die Entscheidung der britl •eben Regierung richtig ist". Auch die „Time* of India", Born bay, die verbreiterte englUche Keltung In Britlsch-Indien, geht in einem ausführlichen Aufsat« an prominentester Stelle auf das White Paper ein. Nach einer sachlichen Darstellung de« Palästina-Problems kommt auch diese Zeitung zu dem Sehluss, dass unter den gebotenen Umstünden keine andere Entscheidung tu treffen war. „Juden wie Araber", schliefst das Blatt, lindem es T. E. Lawrence zitiert, „haben den Fehler gemocht, d*as sie In Ihrem Register keine halben Töne gehabt haben". In einem späteren Kommentar über die Parlamcntssitiung muM die Indla-,,Times" allerdings zugeben, wie bemerkenswert es gewesen Ist, d-ass die alte Schule des Parlamentarismus, vertreten durch Lloyd George, Winston Churchill, L. S. Amery. Jasiah Wedgwood u. «., aich für die jüdische Sache bei der Stimmenabgabe erklart haben. Bei den Äusserungen der Kongresspresse (Gandhi- Bewegung) ist zu berücksichtigen, dass der fast ausschliesslich aus Hindus bestehende Kongress aus innerpolitischen Gründen sieh nie gegen Mohammedaner wenden würde, weil er immer wieder versucht, sie auf «eine Seit« tu ziehen". Die Abendzeitung „Bombay Sentinel" wendet sich empört gegen die dem Kongress sonst so sympathisch fegen überstehend« englische Labour Party, die sich in diesem Falle stark für die Juden eingesetzt hat. Das andere, im gleichen Verla« erscheinende Kongrwrsblatt „The Bombay Chronlcle" bringt einen Aufsatz unter der Überschrift „Die zionistische Tragödie". Die Juden smd gleich den Arabern, so sagt die Zeitung, <Hs Opfer britischer Doppelzüngigkeit geworden. Wie die Araber, so verdienen auch die Juden die grösste Sympathie, wenn auch mit •Inem gewissen Unterschied. Dr. Weizmann und die übrigen führenden Zionisten haben nach Ansicht des „Chronlcle" den Fehler gemacht, den die übrigen europäischen Mächte und sondern ftueh die bereits in Palästina befindlichen Juden nufs schwerste gefährdet Das Blatt gibt den Ju<ten den Rat, d/uui sie jetzt versuchen sollten, sich mit len Arabern anzufreunden, um 7ti retten, «ui noch zv retten ist. Was an i nun Indiens M o h a m m e d a n c r selbst zu der Entscheidung? Abdur Rahmnn Siddind. der Führer der indischen Palästina-Delegation zur londoner Konferenz, der auch an den Dukussir en in Kairo mit den Vertretern der arabischen Staaten teilgenommen hatte, veröffentlicht einen auj»führlichen Aufruf an seine CJIanbensbrüder. dessen Motto etwa ist, das* das Palästina White Paper eine Hehidigung der gamen arabischen Welt bedeute. Besonders aufgebracht Ist Siddiqi darüber, dass weitere TS 000 Einwanderer noch in« Land kommen sollen. Der mohammedanische Führer fürchtet einen weiteren Druck der Opposition Im Unterhaus und des Wtltaionismu* auf die Mandatskommission, die womöglich das „Weisse Papier" in alle Regenbogenfarben umwandeln könnte, um es schliesslich zu einem farblosen Papier zu machen. „Lasst Euch nicht", so ruft er den Mohammedanern Indien« iu, „durch die bombastischen Ergüsse der zionistischen Führer beeindrucken. Weder sind sie kriegerisch veranlagt (militant), noch gefährlich. Wir werden dereinst Imstande »ein, unsere Differenzen mit Ihnen friedlich auszutragen, wenn din verborgen« Hand des britischen Imperialismus aufgehört Ivat die KaaUnien für sie aus dem Feuer zu holen". Sine linksstehende mohammedanische Gruppe (Ahrar and Jamait-ul-Ulema Conference) jteht sogar soweit, zu erklären, m Falte eines Krieges die indischen Mohammedaner Gross-Britannien keine Hilfe leisten sollten. Es versteht «Ich von selbst, dass man In hiesigen Re$?icrungskreisen, wenn auch nicht froh Uber das White Paper, »o doch immerhin insofern zufrieden Ist, als das Palftstina- Problcm die Millionen Muselmanen In Indien immer in Erregung gehalten hat. Die Lage in der ehemaligen CSR Die K nruhrurur < fige CSK wird huiic Elia» hat bereif.» in A n s c hrtli ü n g c n ii be r Judenfrage auf dem ine« J u d e n g e * * t z c s für die rhemn* t erwartet. i>er neue Ministerpräsident verseniedenen Zeifungs-rnterview.i *«(ne die Notwendigst! der Regelung der Gebiete der CSR entwickelt, »her er» WEITERE PROTESTKUNDGEBUNGEN Der am 22. Mai in ganz Polen abgehaltene zweistündige jüdische Generalstreik war eine imposante Manifestation geg^n die im Weissbuch der britischen Regierung niedergelegte neue Palästina-Politik. Im Warschauer Nalewki-Viertel waren sämtliche jüdischen Geschäfte gesperrt, die Jüdischen Handwerker und Arbeiter hatten auf einen Schlag die Arbeit eingestellt. Die grösste Protestkundgebung fand in der grossen Halle der Warschauer Jüdischen Gemeinde . A ... , , . , , . .statt, die überfüllt war. Auch in den wideren jüdischen Vieri^^Twui!.!!1^!^ ^^r^i-^^L^L^'t^ur«^^ "ilÜ»^1"!teln Warsehaus fanden zahlreiche Massenkundgebungen statt, " " " ~~ " in denen Protestresolutionen gegen die neue Palftstinapoiitik angenommen wurden. In sämtlichen grossen Provinz« stadten, wie Wiina. Lemberg-, Krakau und Lodz, fanden »ndrucjuyoilc Die Luxemburger Zionistische Föderation hat in ihrer soeben abgehaltenen Generalversammlung in scharfer Form gegen das neue Palästina-Wei«4bucfy protestiert. In Antwerpen sprach in einer von den Antwerpcner Zionisten veranstalteten Kundgebung Dr. Klee über das Weissbuch. Er verlangte unbedingte Unterstützung der zionistischen Leitung. Ea sei unvorstellbar, dass gerade In dieser Zeit drängendster Not, die Hoffnung auf «ine freiheitliche Entwicklung in Palästina unterbunden werden soll. WARUM DIE PARISER PROTESTVERSAMMLUNG VERSCHOBEN WURDE Wie in Nr. 11 der „J.W.R." mitgeteilt, wurde die Protestkundgebung in Paria verboten. Die« hat folgende Vorgeschichte: In einer Reihe französischer Zeitungen erschien eine Erklärung de« „Verbandes französischer patriotischer Israeliten", in welcher die Pariser Juden aufgefordert wurden, die Versammlung zu meiden, „weit die jüdischen Franzosen alles vermeiden müssen, waa die Kraft England«, des Freundes Frankreich«, mindern könnte". Das Organisationskomitee der zionistischen und pro-palästinensischen Organisationen veröffentlichte eine Gegenerklärung, doch wurde —- offenbar au» Angst vor Störungen — die Versammlung verschoben. zurückgebliebene« Volk (backward people) behandelt haben Das« sie das taten, war durchaus im Sinne England«. Darin liegt die grundlegende Tragödie der Juden. Jede« menschliche Wesen »um ia» tiefst« Mitgefühl mit den Juden haben, die —unter den—entsetzlichsten Grausamkeiten—in- Europa leiden, Jeder muss verstehen, das« die Juden nach Palästina gedrängt haben, aber Palästina ist nicht in der Lage, dieses Problem, bei dem e* aich um eine Million Juden handelt, zu lösen; und indem die Juden in dieser vehementen Weise nach Palästina drängten, haben sie nicht nur die Araber verbittert, Postscheckkonten der „J.W.R," Unsere Abonnenten und Inserenten in der P SCHWEIZ können Zahlungen auf das Konto Nr. VIII / 27859 beim Po*tsche<*r.mt Zürich; Nl LETTLAND auf Konto Nr. 6838 beim Poatecheckamt Big* leisten. Mitteilungen über die Errichtung von Postscheck-Konten In einer Beine weiterer Länder folgen. «cheint, dass der Abschluss auf Schwierigkeiten «ffoutt, da Deutschland eine völlige Gleichschaltung im dinne der Siirn* bergrr (;esct:e gefordert h;i', was aber dl« tschechische Regierung -erweigert, weil eine solche Gesetzgebung offenbar bei den Tschechen äusserst unpopulär wäre. Denn obwohl mich viele Tschechen zufrieden sein würden, durch «bernahme Jüdischer Geschäfte und Rerufe wirtschafrllche- Vorteile zu erlangen, ist doch die Abneigung gegen von Deutschland aufgezwungene Judenpolitik bei den Tschechen sehr stark, Trotzdem Ist tu erwarten, dass das Gesetz, wie immer *n aussehen wird, praktisch einer Vernichtun« der Position der Juden auf dem Gebiet der CSR gleichkommen wird. Heim Innenministerium In Prag wurden zur Genehmigung die Statuten eines Vereines eingereicht, der sich die Kriiehnng de» tschechischen Volke» Im antisemitischen dinn« zur Aufgabe gestellt hat. Er wird die Bezeichnung „Nuiodul arjiakn kuüurni Jcdnota (Nationaler arischer Kulturverein) führen. An seiner Spitze steht der in der tschechischen antisemitischen Bewegung bereits oft hervorgetretene FnwU Drazd«. Die Mitglieder des Vereines tragen nln Abzeichen ein grosse« ,.A". das keilförmig einen Zionstern auseinandertreibt Aus Prag wird gemeldet, dass in einem Haus in der Rosengasse, in welchen» sich der Sitz der Bnc Brith Logc tilgen „Rohemia", „Prag«" und ..Humanitas") befinden, eine heftige Detonation, im Umkreis von mehreren Kilometern, zu hören war. Die polizeiliche Untersuchung hat bisher ergaben, das« e« sich um einen mit einer Höllenmaschine ausgeführten Anschlag handelt, Das Haus bietet ein Bild der Zerstörung. JOSEF ROTH GESTORBEN Der bekannte Schriftsteller Josef Reth, Verfasser der Romane „Hiob", „Radetzkymarsch", „Tarabas" u,a., Ist In Pari» plötzlich halten wir uns vor). gestorben. < Kino Würdigung bedieser Tnh'fc England b?r und österrsfrTi in füllst VERMISCHTES 160 Flücht!lng»kinder aus Berlin sind London eingetroffen. Die Zahl der in Hchen FlilchtllngskInder aus Deutschland damit auf 50t»7 erhöht worden. Der neue australische Innenminister Senator Foll hat eine Kundmachung veiöffentlicht, laut welcher künftighin Personen, die um ein Einwanderungiipermit ansuchen, angeben müssen, ob sie Juden oder Nichtjuden sind. Alle polnischen. Jud.en im Reichsgebiet und auf tschechischem Gebiet haben die Weisung—erhalten, ihren- Wohnort bis zum l. Juli zu verlassen, da sie witut ins Konzentrationslager gesperrt werden. Dr. Leo Bramxon, der PriUident der Zentral-Exekutive de« Verbandes zur Förderung von Landwirtschaft« Handwerk und Industrie unter den Juden ORT, feiert« i« Paria »einen 70. Geburtstag. An!« orlen der Redaktion B. t». Amftterditm. Da« Projekt einer Ansledlnng In Alaska i»t unseres Wissens nach nicht weit fortgeschritten. Der amerikanisch« Innenminister Sehen, der bekanntlich den jüdischen Flüchtlingen freundlich gesinnt ist, hat das Projekt studiert, insbesondere die finanziellen Erfordernisse, da mindestens 3« Millionen Dollar veranschlagt werden. Die Befürworter des Projektes meinen, das» man in Süd-Alaska Fischerei und Bergbmi entwickeln könnte. Dies ist aber nicht unbestritten. K. S. Zürich. Da* Buch von J. M N. Jefirie« "Pale«tinc, a Reality" ist eine sehr eindringlich« Parteinahme zugunsten der Araber mit scharfen Angriffen gegen die Idee des Jüdischen Nationalheims und gegen die englischer, offiziellen und inoffiziellen Kreise, dl« den Gedanken des Jüdischen Nationalheims unterstützt haben. Unser innigstgeliebtes Muttchen, unsere herzensgut« Oma, Schwester und Schwagerin, Frau Elisa Smoschewer geb. Atexaader, Breslau Ist, fern von ihren Kindern, unserem lieben Vaichen am 3. Mai 193» in die Ewigkeit gefolgt. In tiefer Trauer Felieita» Heile, Dr, Fritg Weite Käte Umy, Dr. FriU Umy WolfgauK SaMMchewer Walter Sm«**ehewer Evelyn, Douglaa New Häven, Cape Town, Cambridge, London. Dr. KL KT MOOSKFKG und Frau KITA geb. Lenk zeigen die glückliche Geburt einer Tochter an. Tel-Aviv, Mai 1939 S, SU. HAUS FRIEDEMANN HIRSCH HAIFA / MOL NT CABMfX / t\ O. B. 2001 PENSION u. ERHOLUNGSHEIM. KOSCHER Zeltgemäss« Preise Dr Resa Friedemann — Dr. Remy Hirsch S chuls-Tarasp chweiz Da« Heilbad ia der Hohensonne Gleichwertige Quellen wie KARLSBAD und MARII NRAD nva Hotel Victoria Erstkla<uiiges Famülenhotel, neuzeitlicher Komfort, bei maysigtn Preisen, A. Kerapler, iPm. Wir helfen Ihren Verwandten und Freunden in Deutschland Wir beraten Sie gern und unentgeltlich REISEBÜRO PALESTINE EXPRESS CO. (WaCNITZ) PARIS 2, 7, BOULD. DES CAPUCINES SehlfTskariea naeh Faläütiaa, II H. A., BoUvte«, ll^aaiUea, Caba et«. 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