Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 4 (31.3.1939)
- Date
- 1939-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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" lt \m,.,T.A,-<\ T*t\t «n<J :*lf«m ih'.J A'lr«<i*«u MIU«mI-.uix»ii - Auaalit<tn« ."• \ hr. <»••*»»..;-n.J.' r»mUi"«.»iii0l«!»» Ol.-rmUf GLAUBE, MUT, ZUVERSICHT „Gottes» Versprechen an Israel war es, das unsorn Vätern beistand und uns; denn nicht nur einer stand wider uns auf, uns zu vernichten, sondern in jedem Geschlecht stehen sie gegen uns auf,,n« 2u..vernichton, aber der Heilige, gepriesen sei er, rettet uns aus ihrer Hand." Noch höre ich die feierliche Stimme meines Vaters (der sonst Feierlichkeit nicht liebte), wenn er diese Wo: in der Hag; ida sprach. Auch in jener ruhigen Vorkriegszeit, die weit entfernt war von einem lebon- 'disreu Gefährde« jüdischen Schicksal;;, zitterte der Puls- ' öihlf * der Gest. iiichtc in d" sen Wort : Geschlecht für Geschlecht. Seil her sind wir tief hinabgestiegen in unser historische i Dasein, und was dam- 's als Gleichnis empfunden werden konnte, ist uns zur furchtbaren Wirklichkeit geworden. Sic stehen auf gegen uns, uns zu vernichten. Als lebendige Wirklichkeit werden wir diese Worte lesen: mochten doch auch die Worte des Glaubens und der Zuversicht im lotsten Teile des Satzes von uns als Wirklichkeit verstanden werden. In Pierre Duhems Buche „La theorie physique" las ich kürzlich einen Vergleich des englischen und französischen Nationalcharakters, dargelegt an der Geschichtsauffassung der beiden Völker. Der Engländer, schreibt Duhcm, verlangt von seiner Geschichte keine Logik. Sie ist ihm heilig, wie sie ist,, er wahrt alle Überlieferungen, mögen sie kommen von wo immer. Er ist nicht schockiert darüber, die Erinnerung an Charles den Ersten so hoch 7.u halten wie die an Cromwell. Er nimmt die Geschichte hin, wie sie ist, in allen ihren Widersprüchen. Anders der Franzose. Er verlangt eine klare und einfache Geschichte, die nach Ordnung und Methode abläuft, und in der die Ereignisse auseinander folger. wie die Lehrsätze aus einem mathematischen Theorem. Stimmt die Wirklichkeit dazu nicht, so ist er bereit, sie zu verfälschen, um i n* einen rr .ihodisehen, zielb-ewussten Gang in die Historie zu bringen. Unwillkürlich drängte sich mir die Frage nach unnerer Geschichtsauffassung auf. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet haben wir überhaupt, kein Ge» schieutsbewusstscin. Sicherlich nicht das des Engländers wir sind nicht bereit uns etwa mit Könij^AcJiab ab- .•:.?2üfindeß. Aber auch nicht das des Franzosen, denn wir 'sehen unsere Geschichte nicht als logische Abfolge an, vielmehr steht für uns das Geschehen gewissermassen stille; es hat seinen Gang, aber keinen Fortschritt. Unsere Geschichte hat für uns ein Thema: den Wog aus der Knechtschaft durch die Wüste zur Offenbarung und von da zur Hoffnung auf die Erlösung. Dieses Thema ernennt sich st::'s in immer wiederholten Variationen. Darum haben wir alle das Gefühl der Gleichzeitigkeit riller unserer 'Generationen, die ja alle zusammen auf dem Sinai : standen sind und alle ein Schicksal erleiden, trotz aller Veränderungen im einzelnen. Darum können j wir (ho Haggada : ',<>. ein so eminent aktuelles Buch lesen. J Vor einigen Wochen erschien in Jerusalem im Vorlage j Haben' Mass eine von Professor L. Roth in woh!durch»'j dachtet* Weise zusammengestellte Auawahl aus der j theoretisch-philosophischen und moralirch-praktiseb^n \ Literatur des Judentums, umfassend die Zeit vom zweiten Tempel bis zum zwanzigsten Jahrhundert („Jalkut ha-; deoth we-ha-middoth-''.). Es ist kaum zu sagen, wie sehr; diese 25 Jahrhunderte dem Leser als seine Gegenwart j ~c!£€hei«»su. Du'finden sich z.B. Worte des Rabbi S. Mor- ) tera, des Lehrers Spiae-*'»«. über die Knechtschaft in! Ägypten: Die Gallith wird da ein Schmelztiegel genamu.1 Gold und Silber werden im Tiegel geschmolzen, damit | alle Schlacken abfallen und sie feuerbeständig werden j und widerstandskräftig gegen schwer* Hararaerschlage. j So ist Israel in Ägypten gestaltet worden, um all die Lei* j den späterer Verbannungen tragen %u können. Gott j offenbarte sich damals als „Ich werde sein, der ich sein i werde" d.h.: ich werde in dieser Verbannung mit euch ' sein wie in allen späteren Verbannungen. Darum lernten Sie damals Ausdauer, aber auch Zuversicht, denn in 61 äteren Lei.'m werden rie sich das Leiden ihrer VäU-r iqj Ägypten Vur Augen halten; wie Gott jene unerwartet erlöst hat, so wird er auch sie erlösen. Was'sind für ü«; Jahrhunderte? Fünfhundert Jahre vor jeneai holländischen Rabbiner schreibt Juda Halewi seinen Kusarl und lässt dort den Chasnreukönig sagen ,,Ihr seid also heute ein Körner ohne Kopf und ohne Herz" Kotisen der Woche Jerusalem, 2A. März Pe»»ach Wenn wir uns In dlosom Jahre zu Tisch setzen, um , , . . , t ., ... t . . „T , : das P e s s a c h f e s t zu be^chon, so gilt, noch weit me'.-f und antwortet darauf: Recht hast du gesprochen. Noch; [n d n ynran«regnnge«Pn J«hrcn unser erster Gedanka nicht einmal ein Körper, sondern zerstreute Gebeine. | JenBrÜdern lind Schwestern, die In namenloser Bedrlingnl» Wir sind wohl nicht tot, aber wir gleichen dem Kranken,' loben. Während wir die Schilderungen der Bcdrängnl» an dessen Aufkommen alle Ärzte verzweifeln. Er aber | losen, die am Anfang der Gosehichte unseres Volke» erhofft seine Heilung von einem wunderbaren Wandel I stehen, wird uns die Einheit von Zeit und Kaum zu einem der Ding \ Der uns aber aufrecht hält in dieser Zerj bewegenden Erlebnis. Es ist heute fast schon eine Streuung ist der lebendige Gri* i Banalität geworden, die Analogien nulzuzahlen;-die zwi- '' " ' v' , n.j „„„ . M sehen jenem ersten AusKUg aus, dem Lande der Bedränger \ortrcoung aus Spanien! und unHorcr heut^n Vorhan<len Mind. Sie gehen hm •in' :kieins'ö' Mlnzclheiten, und Mio betreffen nicht nur objektive Zustande, sondern aueh das Verhalten mancher Teile dos ."jüdischen Volkes selbst. Die Führung, des Vol- „ In der Generation d schreibt Schlomo ihn Verga: „Ich hörte aus dem Munde i von Greisen, die Spanien verlnBr.cn mussten. dass ein I Schiff von der Pest befallen wurde und der Kapitän die { Passagiere an einer Stelle ans Land warf, wo keine Bewohner waren. Viele starben vor iiungor, einige rafften ihre Kräfte; zusammen, um weiter zu gehen. Da war ein Jude mit Frau und zwei Kindern. Die Frau, den Anstrengungen nicht gewachsen, starb. Der Mann trug seine beiden Kinder und wurde ohnmächtig. Als er aus der Ohnmacht erwachte, fand er seine beiden Kinder tot. .In grossen Schmerzen stellte er sich da auf und rief: Herr der Welt, du hast; viel getan, damit ich meinem Glauben abtrünnig werde. Wisse aber, dass ich allen liimmeisseharcn zum Trotz Jude bin und Jude bleibe, und alles was du über mich gebracht hast und bringen wirst, wird nicht nützen. So spricht aus jede Generation diese tiefe Zuversicht, die in allen Leiden Gottes Sendboten sieht und immer .der Erlösung harrt. „Sagt nicht, die Erlösung wird dieses Jahr kommen oder diesen Monat oder morgen oder heute, sondern sagt: Jeden Tag und jode Stunde." Es ist die schwere Aufgabe, die heute uns allen, jedem dort, wo er steht, auferlegt ist. diesen Glauben und diese Zuversicht zu wecken, Zweifel und Verzweiflung zu bekämpfen, für die Verbreitung jüdischen Wertbewusstseins und vor allem für eine gründliche jüdische Erziehung zu sorgen, die der Jugend die Quellen zugänglich macht. Das ist die beste Waffe, die wir ihr für ihren Kampf ums Dasein mitgeben können. „Erschlaffte Hände stärket, festet wankende Knjee, spreehf; zuden- Herz-Auf gescheuchten: seid stark, fürchtet euch nimmer." (Jesaja 35,3). In seinem Trostschreiben an die Gemeinde von Jemen schrieb Maimonidos: Wohlan, unsere Brüder, ganz Israel,; das zerstreut ist in allen Enden der Erde, ihr seid vorj kes bei diesem Auszug aus Ägypten war keine leichte» Aufgabe; ein deutscher Dichter bozeichnet Mosea als den grössten Künstle^'aller Zeiten, weil er sein Kunstwerk aus dem widerspenstigsten Material schuf, das es gibt; der menschliehen Gemeinschaft. Darin aber liegt auch die fundamentale metaphysische Bedeutung des jüdi.sehen Volkes im Wandel der .Welt. Wir feiern. Pessaeh' heMte mehr durch Besinnlichkeit nls durch wirkliche Fesleöfreude. Wir können heute mehr als früher, mehr als ZU Zeiten satter Behaglichkeit, die ewigen Paradoxe de» mcnschliehcn Daseins und ihre Spiegelung in unserem ' Volk Schicksal erkennen, wir können mehr als je die una auferlegten Aufgaben empfinden, aber wir können nicht laute Feste feiern. Sogar in P a 1 ä s t i na , wo die» Pessaehzoit sonst eine #oif freudiger Stimmung, war, wo wir Feste wie die Eröffnung der Universität, die Makka» biade, das Zusammentreffen von Touristen aus allen Ländern der Welt begingen, alle die überwältigend» Schönheit def erwachenden Natur zusammen erlebten, die Jugend durch das Land zo;: und die verstecktesten Orte dieses Landes kennenlernte, auch hier ist diesmal ein s t i 11 e r Pessach. Tausende Menachen hier denken an ihre Angehörigen und zittern um deren Schicksal, Tausende bekommen Briefo von UÜfcflehcnden. Und über der Zukunft des Landes selbst steht ein grosses Fragezeichen, Da heisst es schon alle Kraft und alle Zuversicht zusammennehmen, da heisst es schon, sich in dies PoHSaeh-Gettchiehte vertiefen und den Glauben an da,« Wunderbare in der Weltgeschichte festhalten. Alle Bräuche,, die vielleicht aehqn- -zur-Konvention; -geworden' waren, werden In einem neuen Sinn in unserem Leben wiedergeboren, und auch--das ist ein grosser nationaler Besitz, den wir - abseits von allen Widrigkeiten des* täglichen Lehens und .abseits von den deprimierenden Erscheinungen unserer eigenen Unzulänglichkeit — bewahren müssen. pflichtet, einer den andern zu stärken, zu ermutigen und; anzufeuern, die Grossen die Kloinen, die Einzelnen die \ Bin GcrfenUlu* Menge, und einigt euer Volk auf das Wort der Wahrheit." | Di:r Apr n ht für die deutschen Juden ein un. Unsere Aufgabe ist schwerer als sie je war. denn wir haben in einem Zeitalter satter Bürgerlichkeit das Wort unserer Wahrheit vergessen und haben das Erbe der Väter, die Sprache der Väter, verloren gehen lassen und nun. ist es so schwer, die aufrichtende Stimme vergangener Geschlechter zu uns sprechen zu Sassen in einer Stunde, wo wir die Hilfe der Ahnen so nötig hätten. I Aber das Versprechen, das unsern Vätern beigestanden hat, wird auch uns beistehen. Auch Rind wir nie^t mehr ein Körper ohne Kopf und Herz. Wir haben das Zentrum in Palästina und in diesen schweren Tagen geht ein Strom der Kraft aus der Zerstreuung nach Zion und von Zion in., die Zerstreuung,- ein St rem des Glaubens an unser Schicksal und der Zuversicht auf die Erlösung. 1h meiner Pessach-Haggada finde ich bei jener Stelle, die ich an den Anfang setzte^ die Erklärung eines Kommen-.i. vergeäsliohes Datums Nach dem Umsturz im Jahre .1033 war zunächst'hoch ein gewisser Zustand der Labilität vorhanden; Reichspräsident Hindenburg war damals noch eine Figur, die alte Tradition verkörperte, und man fragte aich, wie die Dinge weiter gehen werden. War doch „die Na Hit der langen MeR-Her", die für die Machtergreifung1 lies Nafionalsozialisraus verheissen worden I war, zu">nchst..«usgebUeben. Arn 1, April 1033 schwärmten | zum ersten Male die Scharen der organisierten antijüdi-! sehen Aktion auf' die Strasse, griffen unbarmherzig ins | Privatleben ein, störten Kaufleute, 'Ladenbesitzer, Ärzte, | hefteten jüdischen Geschäften und Wohnungen den | gelben Fleck an. Zum ersten Male waren die Juden ( vogeffrei. Es ist unnötig, die Eiin&eiheiien uk-«eS Ereigi nissc» ins Gedächtnis zurückzurufen. Es gab unzählige*! Episoden, die' damals die Abneigung der deutschen Bevölkerung gegen diese V^^ngü■■"-jiiäUio'h bewiesen. Aber für" che 'Vfürlen* die bi« - dahin sich immer noch im gesiehertators: Zwischen der Goia (n<m) und der GeuJa (;#iHi>j ßerätz'"^«""deutschen Heimatreehte« glaubten, war ist nur dc-r Unterschied des n, des Der Eine wandelt die Zerstreuung Glaubet und hoffet I Hugo BVf,j)tlü Aleph, in die Erlösung. na (Jsruf.ulem), BERICHT ÜBER DIE LONDONER VERHANDLUNGEN ies Einen, j Akne* Ereignis aufwühlend bis in die letzten W u r z e 1 n ihrer inneren Existenz. Kein 1. April kann vorübergehen, ohne dass deutsche Juden sieh der Bedeutung dieses Datums, das früher einen Narren tag bezeichnete, iane werden. Darin liegt heute noch ihre Unterscheidung von den österreichischen oder höhmischen Juden, die andere Gedenktage haben. Später waren noch viele Ereignisse ähnlicher Art. hts zu dem 10.. November 1938, der als der Vernichtungstag des deutsehen Judentums angesehen werden muss. Zun^-hrn den e»nwlrurn. Phasen dieses Prozesses gab es immer wieder ein Aufatmen, manchmal auch versuchten Juden, sich in dem Nafh »einer i;.«..i'.kehf au3 London er:»uu*t« Ii « » i h e h kin, der Prasoknt des A.C. vur den Mityiiedern!e* A C. in Jerusätem tmen B*richt über <iu- Lon-t'jfj'sr Verhais'Jtufsgen, der von Kaw Kiichrnann ergänzt wurde. In einer Tagung tlea Waad Leami und den Vertretern de« orgMtf <••»♦. en Jbehuw . . . ,,. . ....... . referierten du *uj London surück«fek«hrt«ft Mitglieder der I Glauben zu Wiegen, das» *ine neue Stabilität, wenn auch Delegation dee Jiichuw, darunter Ben Zwi, Raw H*no$, f auf niederem Niveau, erreicht war. Heute gibt Meh nie« Raw Uslel. Dr. Mowimwbn. i raand mehr einer Tiiuchung hin. j£« hit kaurn glaublich,