Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau 287 er doch wie ein Heller Stern von dem Auge der Höhergebildeten ehrerbietig beobachtet. Und nun versunken, eingesargt in das stille Grab der Vergänglichkeit, vergessen und verschollen. Es will nicht gelingen, wenn hie und da der Versuch gemacht wird, ihn aus dem Grabe heraufzubeschwören, sein Andenken aufzufrischen; es will nicht verfangen, wenn man ihm zum Denksteine setzen möchte: der Philo unseres Jahrhunderts. Die Werke jenes Philo, über den nun achtzehn Jahrhunderte hinweggegangen, werden heute noch mit Eifer durchforscht, die Spuren seines Geisteslebens sind nicht nur in die alexandrinisch-jüdische Philosophie, deren Endziel er selbst bildet, tief eingegraben, sondern haben auch dem griechischen Christenthume das scharfe Gepräge aufgedrückt. Steinheim's Werke sind nach einem Vierteljahrhundert kaum dem Namen nach mehr bekannt; einer Einwirkung haben sie sich in der gleichzeitigen regen Geistesentwickelung nicht erfreut, und noch weniger werden sie später zu irgend welcher Anerkennung gelangen. Wie erklären wir uns diese scheinbar ungerechte Mißachtung? Thöricht ist es, die Jgnorirung Steinheim's damit erklären zu wollen, daß er — in der Beobachtung der jüdischen Ceremonien lau gewesen. Wenn die Juden der Gegenwart wirklich so tief stünden, wesentliche Verdienste zu verdrängen, weil die Männer der wesenlosen Verknöcherung nicht gehuldigt, dann müßte es rühmlich sein, in ihrem Andenken nicht fortzuleben, und wir müßten alle jene, die als Größen verehrt werden, mit Mitleid betrachten. Doch nein! Selbst die Vergangenheit stand darin höher. Sie wußte die Männer, welche sich am Entschiedensten bekämpft, die sich wie die entgegengesetzten Pole flohen, die im Leben oft hart beschuldigt worden, doch nach ihrem Tode gemeinsam zu würdigen, und selbst Solchen, die auch später nicht Gunst erlangen konnten, wurde doch ihre Bedeutung durch den fortgesetzten Kampf gegen sie zuerkannt. Nun aber gar unsere Zeit! Bei aller Heftigkeit, mit welcher die Gegensätze sich befehden, entbehrt ein jedes wahrhafte Verdienst dennoch nicht der allgemeinen Anerkennung. Anders sucht sich Hr. Dr. Rippner in dem Augusthefte der Grätz'schen Monatsschrift den auffallenden Umstand zu erklären. Er meint, das Abwenden von der philosophischen Speculation, welches seit einem Menschenalter herrschend geworden und auch die jüdischen Bestrebungen ergriffen, habe den Philosophen Steinheim nicht zur Anerkennung gelangen lassen und ihn bald gänzlicher