Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Haschachar. 307 lingsstudien zurück und er fand in ihnen Befriedigung. Sachs hingegen wirkte in einer aufstrebenden Gemeinde (Berlin), in welcher das geistige Leben mächtig pulsirt, von allen Richtungen her, nach allen Richtungen hin andringt; er war als Prediger berufen, der geistige Mittelpunkt einer solchen Gemeinde zu sein. Sollte er bei seiner hohen Begabung, bei den Ansprüchen, die er für seine Beachtung stellte, die volle Seelenfreude gewinnen, so mußte er auch das Bewußtsein erlangen, daß er wirklich Führer der Zeit sei, daß er bereitwillige Nachfolge finde. Als er dieses Resultat vermißte, hatte er nicht die Selbstüberwindung in sich selbst einzugehen, sich zu fragen, ob es ihm an der rechten Erkenntniß der Zeit fehle, ob er die rechten Mittel gewählt zur Heilung der Gebrechen, die unbestreitbar in jeder Zeit vorhanden sind, er brach vielmehr mürrisch den Stab über sie, ward verstimmt in seiner Wirksamkeit, fühlte sich vereinsamt und statt den heilenden Balsam aufzusuchen, wurde er scharf und verwundend. Jedoch genug der Todtenschau, die wir blos unternahmen, weil bedeutende Männer der Geschichte angehören und ihre Schwächen für ganze Zeitrichtungen ebenso belehrend sind, wie ihre Leistungen fördernd. Es wäre daher immerhin sehr wünschens- Werth, wenn uns dieser Briefwechsel in seinem vollen Umfange zugänglich gemacht würde; denn auch die Verstimmungen einer edlen und begabten Persönlichkeit haben etwas Läuterndes an sich. Allein dieser Briefwechsel hat einen noch weit bedeutenderen Inhalt; die gelehrten Freunde verhandeln über wichtige Wissenschaftliche Fragen, er läßt uns einen tiefen Blick in ihre geistige Werkstätte werfen, wir nehmen Antheil an ihrem Forschen und Suchen und fühlen uns lebendig angeregt, selbst da wo wir nicht überzeugt werden. So bewegt sich der einzige Brief Rap.'s, der uns gegenwärtig vorliegt, auf beachtenswerthe Weise in kritischer und exegetischer Beleuchtung einzelner Bibelstellen. Treten wir näher an sie heran! Es wird mit einer kurzen Besprechung des Ps. 110 begonnen, welche sich an schon frühere Verhandlungen der Briefschreiber anschließt und auf sie Bezug nimmt; wir erfahren hier im Allgemeinen nur Folgendes: Sachs will den Psalm auf Juda Makkabi beziehen, betrachtet auch Ps. 76 als makkabäisch, Rapoport giebt zwar makkabäische Bestandtheile in ״Propheten und Hagiographen" zu, schreibt z. B. Ps. 44 und 74 sicher dieser Periode zu, bezieht die Worte: Aus dem Munde von Unmündigen und Säuglingen begrünbest Du Macht (Ps. 8, 3) auf ״Hannah und ihre sieben Söhne", 20*