Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 3 (1871) · p. Seite 207

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
3 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 207 (sequence 47)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2420973-2421017-2421020--2800-2424458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 207 daher aufy den an sie sich anlehnenden Folgerungen über die Erz- Väter nicht arglos hingeben kann. Die neuere höchst geistvolle Schrift A. B e r n st e i n's *) hält sich von dieser Voruntersuchung fern; aber so scharfsinnig der Verfasser auch in die Sägenentwickelung einzudringen, so Helle Lichter er über dunkle Räume auszubreiten weiß, so fühlt man doch, daß man des festen geschichtlichen Hintergrundes entbehrt, auf dem diese Sagen sich naturgemäß abprägen, und daher eben kommt es, daß wir statt der naiven, die ganze Fülle des VolksseelMebens in sich tragenden idealen Dichtung die aus den Jntriguen zweier rivalisirenden Höfe entstehenden Pamphlete erhalten. Statt aus dem Volksgemüthe und der Volksgeschichte erwachsener, mit aller Liebe und Innigkeit gepflegter Persönlichkeiten werden ihm die Erzväter zu erfundenen Vertretern der auf der einen wie auf der andern Seite genährten ehrgeizigen Absichten, welche das Volk in schwachmüthiger Gedankenlosigkeit sich octroyiren ließ. Nachdem man von dem genialen Tiefblicke des Verfassers überrascht und gefesselt worden, an dem Leitseile der durchsichtigen und planen Darstellung sich so gern hat führen lassen, sieht man dann doch die Abgründe, über welche man so leicht hinweggeschlüpft, die Zumuthungen, denen man nachgegeben. Das Büchlein regt Gedanken an, die einen dauernden Werth haben. Die Darstellung Jsaak's als des Patriarchen von Beer-Seba ist, meines Bedünkens, nach tieferer Begründung unwiderleglich, nicht minder ist manche Ausführung über Jakob als den vorzugsweisen Patriarchen des esraimitischen Reiches vollkommen anzuerkennen. Die Jdentistcirung von Jisr'el (יזרעאל) mit Jishrael (ישראל) hat Wohl der Vfr. selbst schon aufgegeben, kaum wird er auch daran festhalten, daß uns Jakob's Geschichte einen schlau angelegten Wechsel von Staatsschriften zwischen dem Hause Jerobeam's und Nehabeam's vorsührt. Auch darf Abraham, der ideale Gesammtstammvater, nicht zu einem judäischen Pariarchen verengt werden. Und dennoch bleibt bei allen diesen Abweichungen in der Auffassung des Grundwesens in der kleinen Schrift so viel Anregendes und Belehrendes, daß sie unsere Erkenntniß sehr vertieft. Wollte ich näher angeben, worin ich übereinstimme und worin und warum ich abweiche, so würde dazu eine eigene Durch- 1) Ursprung der Sagen von Abraham, Isaak und Jakob. Kritische Untersuchung von . . . Berlin. Duncker 1871. VI und 95 S. kl. 8.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.