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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 3 (1871) · p. Seite 162

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
3 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 I. Man treibt zum Extreme hin. abgetrennt, daher von ihnen nicht überwältigt werden kann, nur etwa soviel aus ihnen annimmt, um noch gewaltsamer aufzutreten: so tritt uns das Verhältniß der gegenwärtigen Theologie zu den übrigen Wissenschaften entgegen. Doch entschuldigt diese scheinbare Naturnothwendigkeit nicht die Gewaltsamkeit der Einen, welche sich absichtlich vor jeder besseren Erkenntniß verschließen, noch die Schwachmüthigkeit der Andern, welche nur lau diesem Verderbniß entgegentreten. In diesem Treiben zum Extreme, dem von der anderen Seite nicht muthig und entschieden begegnet wird, entleert sich das Leben in der Gesammtheit jedes wahrhaft religiösen Inhaltes, schwindet die ideale Erhebung, es bleibt nur der Bodensatz äußerlicher Abfindung. In diesem Treiben zum Extreme geht die theologische Wissenschaft unter, da alle denkende Prüfung, alle Erkenntniß von historischer Entwickelung mit der Acht belegt wird. Die Krankheit offenbart sich, wie natürlich, am sichtbarsten im päpstlichen Römerthume. In ihm ist nicht blos die Verkörperung des Mittelalters voll erhalten, sondern seine Macht ist auch so geschlossen, daß es das Eindringen jedes sonstigen herrschenden Einflusses entschieden abwehren kann. Die Beulen treten offen hervor, werden ohne Scheu bloß gelegt, die schüchternen Versuche von Seiten der hervorragenden Träger desselben, sie nicht zum Ausbruche kommen zu lassen , sie vorsichtig zu bedecken, sind nicht blos vergeblich gewesen, sie wurden auch bald aufgegeben. Die Anfangs dissentirenden Bischöfe treiben mit zum Extreme. Die vermittelnde theologische Wissenschaft steht rathlos da, sie muß bald gänzlich verstummen. Die jüngere Kirche entbehrt zu ihrem Vortheile des engsten Zusammenhanges mit dem ganzen Mittelalter, aber sie steift sich umsomehr darauf, sich mit den Bekenntnissen bis in die Mitte des vierten Jahrhunderts, wie sie mit dem sechszehnten erneuert worden sind, zu identificiren und weist alle unterdeß errungene Geistesfreiheit ab. Ihr fehlt zum Glücke die innere Abgeschlossenheit und die in sich selbst ruhende Macht, sie ist mehr auf das nationale Leben und auf die Macht des Staates angewiesen, und verjüngt sich dennoch nicht an ihnen; indem sie lahm neben jedem nationalen Aufschwunge einhergeht, sucht sie nicht ohne Erfolg, die Machtmittel des Staates, der ebenfalls seine mittelalterlichen Fesseln nicht abstreifen mag, sich dienstbar zu machen. Auch hier tritt das Treiben

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