Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 134)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2420973-2421010-2421012--3542-2424395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
294 Aus Briefen. Wissenschaftlichen Eifer, trotz der ihm ausgeprägten einseitigen Befangenheit, manche inhaltschwere und folgenreiche Entdeckung; aber Firk. konnte offenbar dem Trieb nicht widerstehen, dem wirklich Aufgefundenen mit einiger Zuthat nachzuhelfen, um Lieblingsmeinungen, von deren Wahrheit er für seine Person fest überzeugt war, und deren Anerkennung herbeizuführen ihm sehr am Herzen lag, damit zu begründen. Bereits in früheren Mittheilungen verspürte man solche verdächtige Nachhülfe in einzelnen von ihm vorgenommenen Correcturen und Zusätzen; mit erreichten Erfolgen und zunehmendem Alter wuchs seine Zuversicht, wollte er unaufhaltsam auf der betretenen abschüssigen Bahn tiefer hinunter und scheute nicht Unterschiebungen und Fälschungen, die für den Kenner doch gar zu handgreiflich sind. Schon die oben S. 155 ff. gemachten Mittheilungen waren höchst verfänglicher Art.נ) Was uns hier Hr. Hark, mittheilt, sind entsetzlich plumpe Fälschungen, die nur in der vollen Verblendung des Mannes ihre Erklärung finden. Er will nun durchaus Zeugnisse dafür haben, daß der Karäismus in voller Ausbildung bereits vor Anan, also vor der Mitte des achten Jahrhunderts, in seinem vollem Bestände war, ja daß er eigentlich die alte Genossenschaft des ächten Judenthums ist, weit entfernt irgendwie aus einer Nachfolge des SadducäismuS entstanden zu sein, vielmehr sich gerade zu. einer festen Abgeschlossenheit gebildet habe, zur Zeit als Sadducäer und Pharisäer den Streit der Parteien begonnen haben, indem die Anhänger des alten Judenthums sich von den Partei-Entartungen abgesondert haben. Zu dieser Behauptung nahmen schon früher karäische Polemiker ihre Zuflucht; Firk. glaubte noch dieselbe durch eine neue Annahme zu stützen. Er mochte es gefühlt haben, daß doch in der ganzen Geschichte des zweiten Tempels von Karäern neben den andern Parteien gar keine Spur sei. Er verlegt sie deßhalb nach dem Osten, Babylon, wohin sie sich angeblich, um dem wüsten Parteigetriebe zu entgehen, zurückgezogen hätten. Das lag ihm um o näher, als er Schriften in jenen Gegenden wirklich fand, natürlich ohne daß sie so hoch hinaufgingen. Diesen Erdichtungen ernstlich zu begegnen, verlohnt nicht der Mühe. Nebenbei weisen wir nur auf das köstliche Verbum דכציח, verewigen, hin, das der alte Schreiber in N. 2 gebraucht! haben soll, sowie auf die der 0 Vgl. noch Saphir im zweiten Theile seines Reisewerkes S. 178ff.Anm,