Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 224

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 224 (sequence 64)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2420973-2421010-2421012--3472-2424325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

224 Umschau. Buch einen Spiegel, in dem wir die gegenwärtige Auffassung der Bibel zu erkennen im Stande sind, und froh erblicken wir in ihr eine ebenso würdige wie verständige. — Da Hr. Dr. Cassel zu den Lehrern an der ״Hochschule für Wissenschaft des Judenthums" gehört, so liegt darin zugleich eine neue Documentirung für den Geist, welcher an dieser Anstalt der vorherrschende ist, so daß wir aus dieser wichtigen Pflanzstätte gesunde Früchte erwarten dürfen. 36. Jewish Times. Die religiöse Bewegung in Amerika ist der dort vorwiegenden Richtung gemäß eine praktische und zeigt noch wenig von wissenschaftlicher Vertiefung, wenn auch das Verlangen darnach unverkennbar ist. Aber bei der dort herrschenden kirchlichen Unabhängigkeit prägt sich eine jede Richtung schärfer aus und treibt zu ihrer vollen Verwirklichung hin. So ist denn auch die entschiedene Reform durch eine größere Anzahl von offen und eonsequent auftretenden Gemeinden nebst deren geistigen Führern (Rabbinern und Predigern) vertreten als irgendwo, während die sonstigen Schattirungen auch unter uns, wenn auch gleichfalls durch gemischte Bestandtheile weniger kenntlich, gleichmäßig hervortreten. Wie die letztern hat in Amerika auch die erstere ihr eigenes Organ in einem Wochenblatte, und das ist die Bedeutung der Jewish Times. Die jüdisch-amerikanische periodische Presse dürfte sich bis jetzt Wohl kaum zu der Höhe erhoben haben, daß sie zum Anspruch berechtigt wäre, die erleuchtete Führerin der öffentlichen Meinung zu sein. Auch die Jewish Times bequemt sich, gleich ihren Schwestern, wenn wir unfern Maßstab anlegen, etwas zu sehr den Launen und Anforderungen einer nicht genügend gebildeten Masse an, und der polemische Ton, der hier zuweilen von den höchsten Vertretern der Intelligenz angeschlagen wird, klingt uns etwas rauh. Jedoch ländlich — unsittlich! Aber ein Spiegelbild dortiger Zustände liefern sie uns, und zuweilen weht uns doch eine vielverheißende Frische entgegen. Gesunde Entschiedenheit und geistige Energie tritt zuweilen mit einem Ernste auf, dem es an fruchtbaren Erfolgen nicht fehlen kann. So hatte Köhler einige Aufsätze über Speiseverbote, die klar und gediegen, eine Besprechung des Strauß'schen Buches, mit klaren Gedanken und würdigem Ausdrucke, und besonders zeichnet sich die jüngste mir vorliegende Nummer (vom 17. Oct.) durch ebenso freimüthige wie warm und sinnvolle Betrachtungen über die Zukunft des Judenthums aus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.