Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Umschau. Bildungen des Auges; Ursachen von Blindheit und Äugenkrankheilen; Diätetik und Therapie. II. Die Blindheit; Verbreitung der Blindheit und Augenkrankheiten beim jüdischen Volke; Characteristik des Blinden; der Blinde gegenüber den Gesetzes- und Religionsnormen; humane Behandlung des Blinden; der Einäugige; Gleichnisse und Sprüchwörter mit Bezug auf Blinde. Anhang: Blinde, die in Bibel und Thalmud Vorkommen. Bei den Zwecken, denen die Quellen dienen, und bei deren schriftstellerischer Anlage werden selbstverständlich die eben rubricirten Gegenstände nur gelegentlich erwähnt, ganz allgemein besprochen und vielfach nach im Umlaufe befindlichen Sagen und herrschenden Volksvorurtheilen behandelt. Auch davon Kenntniß zu erlangen durch eine erleichterte zusammenfassende Uebersicht ist von Werth, nur muß der Verlockung widerstanden werden, die einzelnen abgerissenen Aussprüche zu sehr zu Pressen; sie dürfen nicht höher veranschlagt werden, als es solchen gelegentlichen Aeußerungen mit schwebender Geltung zukommt. Nur eine Gattung von Aussprüchen ist als beabsichtigte schärfer zu fassen, nämlich die halachische, die religionsgesetzlichen Entscheidungen, welche in Betreff des Blinden festgestellt und ernstlich diseutirt worden. Hier befinden wir uns aber wiederum auf dem sehr schlüpfrigen Gebiete der thalmudischen Kritik, welche die Sonderung der Quellen-Bestandtheile, die Beachtung der verschiedenen Zeiten und der in ihnen herrschenden Stand- Punkte, der geschichtlichen Entwickelung und der angestrebten Harmonisirung unter den nothwendig aus den verschiedenen Grundsätzen hervorgehenden Abweichungen verlangt. Ein drittes Moment verdient noch besonders in's Auge gefaßt zu werden, nämlich der sprachliche Ausdruck, er nämlich bildet den festen Kern in allen noch so gelegentlich beigebrachten Aeußerungen und gibt in scharfem Gepräge die innere Anschauung wieder. Gerade in diesem Punkte ist die Arbeit des Hrn. Fr. etwas mangelhaft. Wir tadeln und beklagen es nicht, daß Hr. Fr. auf die Worte, die in dieser Literatur für den ״Blinden" gebraucht werden, also in der Bibel עוד, in dem nachbibl. Schriftthum des aram. סומא, gar nicht eingegangen ist. Das Etymologisiren ist gefährlich und führt leicht zu unbegründeten, ja abenteuerlichen Annahmen. So ist wohl der Versuch von Gesenius, עוד mit dem chald. עוד, Stäubchen, in Zusammenhang zu bringen, gewiß verfehlt. Angemessener erscheint mir, es mit עוד, Haut, zu combiniren, indem man sich das