Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2420973-2421010-2421012--3420-2424273- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
172 Umschau. ״Wohl kommt bei vorgeblichen, auch wirklichen Weisen, selbst bei den Lehrern des Thalmud vor, daß ״Belebung der Todten" bedeute: Rückkehr der Seelen zum Körper, daß es einen Garten Eden gebe, in welchem die Körper sich aufhalten, ein Gehinnom, wo die Bösen verbrannt werden. Solche Aussprüche sollen jedoch nur dazu dienen, um die Thoren, welche ein des Leibes baares Seelenleben nicht begreifen können, in ihrer Zuversicht zu bestärken, daß sie, wenn sie sich der Sünde enthalten, der Genüsse theilhaft werden nach denen sie allein sich sehnen. ״Indem ich nun so an euch das Wort zu richten begonnen, schließe ich mein Schreiben mit der Mittheilung, daß ich mich in Andalusien ausgehalten, als dorthin der Mischneh Thorah gelangte, da hörte ich einen der dortigen Richter — dessen Namen ich nicht nennen mag — sich darüber wegwerfend äußern: ״Weiß denn der etwas, was wir nicht auch wüßten? Da er nun keine thalmudischen Belege für seine Worte beibringt, wer wird auf ihn hören? Besser, wir wenden uns zum Thalmud selbst und zu den Halachoth lAlfaßi's), was sollen uns seine Bücher?" Ich aber widerlegte ihn so, daß er in meiner Gegenwart seine Anklagen nicht weiter vorzubringen wagte. Ich habe jedoch sein Herz durchschaut. Bevor nämlich das Werk des Maimonides nach Spanien kam, war den Unwissenden die Beschäftigung mit den Halachoth oder gar mit dem Thalmud unzugänglich. Jener Richter nun entschied da ganz nach eigenem Ermessen, ohne daß Jemand ihm zu widersprechen vermochte, weil sie Nichts verstanden, und Alle bedurften seiner. Als nun aber die vierzehn Bücher des Mischneh Thorah dorthingelangt waren, da studirten alle des Hebräischen Kundigen darin, sie erfreuten sich der gelungenen Anordnung, namentlich auch der ethischen und philosophischen Lehren, die im Madda' zusammengestellt sind. Da ward ihnen der Blick geöffnet, mit allem Eifer machten sie sich Abschriften, in voller Hingebung lernten daraus Alte und Junge Gesetz und Entscheidung. So hat sich die Anzahl der Kenner vermehrt; kommen nun Streitfragen vor, die von dem Richter entschieden werden, so bilden auch sie sich ein selbstständiges Urtheil.*) Als die Richter von früher — zu denen auch dieser Wie ich später erfuhr, ist die Stelle von ״Bevor nämlich" bis hieher bereits in der Geschichte von Grätz VI, 351 mitgetheilt; gerade der polemische Lheil, welcher uns hier interessirt, fehlt jedoch dort, so daß die vollständige Mirrheilung noch immer ihren Werth behält.