Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 3 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 215 Strategen, sein Bruder. . . In Shapira's Copie sind nur einige Buchstaben anders geformt, verbunden oder getrennt. Shapira hat wahrscheinlich von sinaitischen Charakteren (nachchristlich) etwas läuten hören, und dieselben nun in Verbindung mit Mose gebracht. Ist er nun der Betrogene oder der Betrüger? nach dem Mangel aller epigraphischen Kenntnisse, die er zeigt, vermuthen wir zunächst das erstere. Aber das ächte Monument enthält vier Zeilen, und auf einer fünften nur einige undeutliche Zeichen: Shapira's Copie enthält die nämlichen Zeichen auf sechs Zeilen vertheilt, und nun kommt Sir Henry Lumley in der ״Times" und berichtet: er habe den Stein mit sechs Zeilen bei Shapira gesehen! Wenn man diese Widersprüche nun etwa noch als aus Mißverständnissen entsprungen ansehen möchte, so liegen doch andere allzu gewichtige Judicien vor, daß Shapira nach dem vorhandenen Monument ein neues fabricirt hat. Vor kurzer Zeit nämlich hat Ganneau bei der großen Omar- Moschee in Jerusalem eine höchst interessante Stele gefunden, deren griechische Aufschrift merkwürdig mit der Beschreibung des Josephus übereinstimmt; sie enthält mit seinen Worten beinahe übereinstimmend das Verbot, wonach Nicht-Juden das Betreten des Tempelvorhofes der Israeliten untersagt war. Das Monument ist echt; aber bald darauf vernahm man: es sei ein ähnlicher Stein an derselben Stelle gefunden worden, und sei nun im Besitze Shapira's; doch wollte er auch davon wegen Unterhandlungen über den Verkauf keinen Abklatsch nehmen lassen; es wird berichtet, der Stein sei kleiner, und zeige von dem echten abweichende Charaktere, Noch viel verdächtiger aber ist ein dritter Stein im Besitze desselben Mannes, und zwar sollen die Schriftzeichen mit denen des Meschasteines iden- Lisch sein; sein Inhalt aber soll Psalm 72 sein, mit dem Schluß: ״Höre Gott, die Stimme meines Gebetes." Das Monument ist 21I2 Fuß lang, 172 Fuß breit, 8 Zoll dick und enthält 86 Zeichen auf vier Zeilen; der Beduine, welcher ihn brachte, habe sich dumm gestellt und auch über den Fundort nichts sagen wollen. Die Schrift soll gut erhalten sein, aber der Stein, wird mir berichtet, habe eine Zeit lang in laugenartigem Schmutz gelegen; bereits redet man auf dem sonst strenggläubigen Boden Jerusalems stark davon, daß er gefälscht sei. Aus dem Dargelegten bleibt mir nun kein Zweifel mehr darüber, daß in Jerusalem eine Jnschriftenfabrik im Aufblühen begriffen