Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Aus Briefen, dazu war ich als ״Junggeselle" verpönt. So quälte ich wich noch kurze Zeit durch, endlich überschritt ich die Preußische Grenzein L. in Westpreußen fand ich bald ein Weib und erlangte durch meinen Schwiegervater — das war auch freilich meine ganze Mitgift — die ״Schächtbesugniß" von einem ihm verwandten Rabbiner in Polen. Nun begannen neue Lebenssorgen. Polen war mir verleidet, in Preußen war mir mein polnischer Jargon hinderlich, da man hier von dem Jugendlehrer, was doch auch mit dem Amte verbunden sein sollte, die Uebersetzung der Bibel in reines Deutsch verlangte. Dennoch gelangte ich dazu, zuerst in M. in Schlesien als Cantor, Schochet und Jugendlehrer zu sungiren; jedoch da in letzterem Amte meine Sprache mir hinderlich war, konnte ich mich dort nur ein Jahr lang erhalten, und darauf kam ich hierher als Cantor und Schochet, wo ich bereits 2 Jahre in Frieden mit der Gemeinde, wenn auch in sehr bescheidenen Verhältnissen, lebe. Daß ich auch in Preußen nicht gerade das Ideal verwirklicht fand, das ich mir von dieser Gegend entworfen, werden Sie Wohl selbst vermuthen. Auch in M. hörte ich Leute gegen die ״Geigeristen" murren. Als wäre ich der Dinge ganz unkundig, fragte ich: was thun dieselben denn? — Ja, antwortete man mir, sie essen blos sieben Tage Mazzah, feiern blos einen Tag Schabuoth, ja vr. Geiger hat ihnen erlaubt, Hülsenfrüchte am Peßach zu genießen. Nun, erwiderte ich, was macht ihr daraus für Aus- Hebens? Das habe ich auch in Polen gethan, als einst die Karlöffeln mißrathen waren. Da beschwichtigten sie sich. Nicht weit von hier lebt auf einem Dorfe ein alter Lamdan, ein geborener Litthauer. Im vorigen Jahre kam er einmal in die Stadt, es war in der Woche, da der Abschnitt Wajescheb verlesen wurde. Im Laufe der Unterhaltung erzählte ich, die polnischen Lehrer übersetzten die Worte חותבלך ופתילך, welche Thamar von Juda zum Unterpfande verlangt: ״Dein Tallith und Thefillin." Daran knüpfte ich die Bemerkung, ob man wirklich damals schon mit Thefillin gebetet habe, und wenn Dies, wie Juda habe einwilligen können, dieselben einer Buhlerin, wofür er doch Thamar gehalten, Zum Unterpfande zu geben? Da schrie der Alte gewaltig auf: Wie? es sollten damals keine Theftllin gewesen sein? hat ja unser Erzvater Abraham schon die ganze Thorah gehalten, auch Erub Thabschilin? Nun, erwiderte ich, ich habe in Beth Jehudah gelesen, wie Lewinsohn dort nachweist, daß selbst zur Zeit der