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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 141

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 141 (sequence 145)
Language
German
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Umschau. 141 Die Beweisführung für den Satz, daß die Semiten cullurfähig sind, ist allerdings ziemlich überflüssig; ich denke, die Weltgeschichte hat darüber laut genug ihr Urtheil abgegeben. Semiten, Juden, sind der gebildeten Menschheit in der religiösen Erkenntniß vorangegangen, und ein Glied ihres Stammes wird von den ,,Euro- Päern" heute noch göttlich verehrt. Wiederum haben Semiten, Araber, einen Zeitraum von sechs Jahrhunderten hindurch, vom 7. bis zum 13. Jahrh., an der Spitze der Culturbewegung gestanden, während Europa, insofern es nicht von Arabern beherrscht war, sehr zurückgeblieben war. Die Frage, ob ״eine in der Cultur zurückgebliebene" — Wohl richtiger: zurückgehaltene — ״semitische Völkerschaft im Laufe einiger Menschenalter auf die gleiche Culturstufe zu heben möglich sei, auf welcher die Europäer stehen", ist demnach eigentlich gar keine; wo die innere Anlage vorhanden ist, kann sie in ihrer Entwickelung gehemmt, aber nicht vernichtet werden, und sie tritt unter günstigen Umständen wieder in ihre Rechte. Auch Hr. v. Maltzan beantwortet die aufgeworfene Frage bejahend und findet den Beleg für seine Entscheidung gerade in den ״Juden Nordafrikas, namentlich Algeriens, theilweise auch Aegyptens, Kleinasiens, Syriens, selbst der jüdischen Gemeinde Adens in Südarabien". ״Alle diese Juden, fährt er fort, standen vor wenig Menschenaltern noch auf einer sehr tiefen Stufe der Civilisation. Jetzt, seit sie in Berührung mit Europa und dessen Bildungsmitteln gekommen sind, haben sie sich emporgearbeitet und zwar in kürzester Zeit, so daß Viele, deren Großältern noch so zu sagen ungeleckte Barbaren waren, nun mit dem Mittelschlage gebildeter Europäer auf gleicher, Einzelne sogar auf höherer Stufe der Civilisation als dieser Mittelschlag stehen". Diese Thatsache, von einem des Orients so kundigen und ohne Voreingenommenheit urtheilenden Manne mitgetheilt, ist von einem hohen Interesse, so daß sie registrirt zu werden verdient und eröffnet Aussichten für die Zukunft, welche wir mit theilnehmender Erwartung zu verfolgen haben. Sie sind um so bedeutsamer, als die Gesammtbevölkerung keineswegs mit den unter ihr wohnenden Juden diesen Fortschritt in gleicher Weise theilt. Hr. v. M. beschränkt seine Betrachtungen auf Aegypten, wo Kopten, was nicht blos die dortigen Christen, sondern auch die seßhaften Landbewohner, die sogenannten Fellahs sind, und Araber gleichfalls civilisationsfähig sind. Nun ״sind, diese Fähigkeit Zu entwickeln, die verschiedenen

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