Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · p. Seite 138

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 138 (sequence 142)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2420973-2421010-2421011--3385-2424073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

138 Umschau. Wie gesagt, wir stehn ganz außerhalb dieses Streites und überlassen die Entscheidung denen, welche mit den Umständen vertrauter sind. Uns bleibt jene Indifferenz widerwärtig, welche in einer jüdischen Angelegenheit einen bestimmten religiösen Standpunkt zu bekennen und zu vertreten scheut, welche Bildung fördern will, ohne ernst für Geistesfreiheit einzustehn, welche bürgerliche Freiheit verlangt, ohne ein volles Eingehn in das heutige Bürgerthum zur Grundlage zu machen. Wir verwerfen jenes 8M6m6 <16 bascule, welches auch auf jüdischem Gebiete ein Analogon bieten will zu jenem impotenten Verfahren, das die Republik will und mit der Monarchie liebäugelt, das den modernen Ideen huldigt und die Hierarchie hätschelt. Wer nicht die volle geistige Freiheit zum Hebel seines Wirkens macht, der säet Wind und erntet Sturm; nur Unklarheit oder Schwachmüthigkeit bietet solchem Verfahren die Hand 1). — Es ist interessant, wie der Anfang der ״Chronik", der Wochenumschau, von welcher die Verteidigung der Allianz den Schluß bildet, die eben ausgesprochene Behauptung mit Hellen Schlaglichtern beleuchtet. Dort wird berichtet, es stehe am 16. März noch die Entscheidungswahl zwischen zwei portugiesischen Mitgliedern für das Pariser Consistorium bevor. ״Ist die Wahl beendigt, fährt Hr. S. fort, die flüchtige Bewegung vorübergegangen, dann wird das israelitische Leben wieder in die gewöhnliche Apathie und Indifferenz verfallen, aus der es nur für neue Wahlen herausgehn wird. Man mag einen solchen Stand der Dinge beklagen, aber er ist vorhanden, und die Heilung ist, wie uns scheint, nicht leicht". — Hr. S. meint, bei der weiten Zerstreutheit der Mitglieder der Gemeinde in der großen Stadt müsse die Presse ersetzen, was an persönlichen Berührungen eingebüßt wird. Das Consistorium leiste aber wenig für die Oeffentlichkeit, die Journalistik sei auf einen engen Kreis von Abonnenten beschränkt, müsse daher höhere Preise verlangen, welche ihre weitere Verbreitung verhindern. Und das wäre wirklich Alles? Sollte nicht ein Eingehn in die Entwickelung und die Bedürfnisse der fortgeschrittenen geistigen und religiösen Erkenntniß gerade das einzige, aber auch wirksame Mittel sein, die Theilnahme zu erwecken und zu beleben? Freilich x) Man bemerke, daß Dies vor dem 24. Mai, vor den Pilgerfahrten und der Huldigung an den Lilienkönig geschrieben worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.