Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Freimann: Wehishir. 95 genauere Rechenschaft geben. Da gelangte unerwartet eine Handschrift aus München zur Kenntniß von Zunz, in welcher derselbe das ״Wehishir" erkannte. Die Handschrift, unvollständig, erstreckt sich über die Pentateuch-Abschnitte von dem Ende der Paraschah ״Bo" in Exodus bis Anfang ״Nasho" in Numeri, ist also das Fragment eines den ganzen Pentateuch oder wenigstens dessen vier letzte Bücher umfassenden Midrasch in Anschluß an Mechiltha, Sifra und Sifre; er trägt seinen Namen davon, weil fast alle Abschnitte mit den Worten ודוזהיר דק״בדג beginnen, und ist Wohl identisch mit dem Midrasch ״Chaschkhem" - der Wohl nach seinem Anfänge Ex. 8, 16 so benannt worden —, indem Anführungen aus diesem, an sich denen aus ״Wehishir" ähnlich, sich in der Handschrift wiederfinden. In Kürze, aber dennoch mit gründlichen Belegen hat Zunz den Nachweis geführt in Steinschneiders hebräischer Bibliographie vom I. 1865 (Bd. VIII, Nr. 43) S. 20—26, nebst Nachtrag vom I. 1869 (Bd. IX, Nr. 53) S. 133. Durch Zunz' Aufsatz aufmerksam gemacht, hat sich Ehr. vr. Fr ei mann, Rabbiner in Ostrowo, eine Abschrift des Buches, soweit es in München vorhanden, verschafft und hat den über Exodus sich erstreckenden Theil als ersten Band herausgegeben. So liegt uns nun das Buch einem großen Theile nach vor, und wir können nun durch den Einblick in dasselbe selbst ein Urtheil darüber gewinnen. Das ganze Interesse, welches sich daran knüpft, kann, bei einer unbefangenen Prüfung desselben, Lediglich darin bestehen, daß wir noch eine Schriftprobe erhalten aus einer ziemlich alten Zeit — von vor gegen neunhundert Jahren —, deren Ueberreste nicht in besonders reicher Zahl zu uns gelangt sind. Ueber seinen Inhalt aber müssen wir das Urtheil bestätigen, das, wenigstens theilweise, schon ein alter Schriftsteller abgegeben — worüber noch später —, daß es ohne alle Selbstständigkeit ist, in seinen halachischen und haggadischen Bestandtheilen, von denen die ersteren überwiegend sind, völlig von Borgängern abhängig ist, dieselben meistens geradezu abschreibt, daß ihm lediglich die Gruppirung des Stoffes eigen ist. In dieser aber zeigt sich ein Mangel an allem Geschicke für logische Ordnung, die Gegenstände werden oft ohne allen innern Zusammenhang an einander gereiht, das Zusammengehörige auseinander gerissen. Anderes lose und ganz ungehörig angeknüpft. Wie höchst ungeschickt ist es z. B., die Satzungen über die Priesterhebe in den Bibel-Abschnitt einzufügen,