Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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für Wissenschaft des Iudenthums. 1. 19 zu ergänzen. Die Vorlesungen können sich nicht darauf beschränken, das Vorräthige weiter zu tragen, sie sind vielmehr selbst eine wissenschaftliche Arbeit, und so dürften sie auch den Erfolg haben, Jünger der Wissenschaft heranzubilden. In diesem Sinne habe ich durch die zwei bisherigen Semester zwei Vorlesungen gehalten, die im Verfolge zum Abschlüsse gebracht werden sollen, — die eine: Allgemeine Einleitung in die Wissenschaft des Judenthums in wöchentlich einstündigem, die zweite: Einleitung in die biblischen Schriften während des Sommers in wöchentlich dreistündigem, während des Winters in wöchentlich vierstündigem Vorträge. I. Die erstere wurde in den sprachwissenschaftlichen, literaturgeschichtlichen und philosophischen, religiösethischen Theil zerlegt. Die hebräische Sprache war als der Wortausdruck des jüdischen Gedankens zu betrachten. Sie enthält in ihrem Baue, in ihrem Satzgefüge, in ihrem Wortinhalte, in dem Zusammenhänge der Wortbedeutungen den innersten geistigen Volkstrieb; der geistige Horizont gränzt sich in ihr ab, die Gemüths- Vertiefung findet in ihr den innigen Ausdruck, sie giebt Kunde von der Sinnigkeit und Innigkeit, von dem Ausblick und der Sehnsucht des Volkes, wie umgekehrt von dessen Haften an der Sinnlichkeit. Das vollbewegte Leben pulsirt in rhren Wort- und Satzbildungen. Die Geschichte der Sprache, die Umwandlung die sie erfahren, die Aenderungen in der Wortbedeutung und der Eonstruction sind Abspiegelungen der Entwickelung im geistigen Leben, Blüthe und Verfall prägen sich in ihr aus. Zur vollen Erkenntniß ihres Wesens gelangen wir erst durch den Einblick in ihren Zusammenhang mit den Schwester sprachen, in die allen gemeinsame Stammeseigenthümlichkeit, bei der aber dennoch die Besonderheit und Selbstständigkeit des Hebräischen um so klarer hervortritt. Während das Assyrische und das Phönizische mehr Erklärung erwarten als Aufhellung bieten, sind das Aramäische und das Arabische reich genug, um ebenso zu spenden wie sie empfangen. Die gegenseitigen Beziehungen, in welche die Hebräer mit den Aramäern in älterer, mit Arabern in jüngerer Zeit getreten sind, haben die gegenseitige Einwirkung noch verstärkt. — Von vorzüglicher Bedeutung ist die Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft unter den Juden; die Ge-