Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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Driver, Moseh ben Schescheth. 77 3. Moscheh ben Schescheth's Kommentar zu Jeremias und Ezechiel פירוש על ילנלי־ד! ויחזקאל. A Commentary upon the books of Jeremiah and Ezeqiel of Moshek ben Shesheth edited from a Bodleian Ms. witb a translation and notes, by S. R. Driver. William and Norgate 1871. Text נלד, X u. 88 S. 8. Das Andenken, welches einem Schriftsteller von der Nachwelt bewahrt wird, hängt nicht blos von der Gediegenheit seiner Leistung ab, sondern vorzüglich auch davon, in wiefern er mit seinen Ideen gerade den Tendenzen der Zeit und der Gegend, in welchen er auftritt, entspricht; das einstimmende Eingreifen in dieselben verschafft oft einem durchaus nicht hervorragenden Schriftsteller und Werke dauerndes Ansehen, während Andere bei aller Tüchtigkeit der Vergessenheit anheimfallen, weil die Richtung innerhalb des Kreises, dem ihr Wirken zunächst zugänglich war, sich von ihrer befserenMnsicht immer mehr. abwendete. So ging die Blüthezeit einer nüchternen Schrifterklärung in Nordfrankreich nur zu bald vorüber, die Spitzfindigkeit, an der emsigen Beschäftigung mit Thalmud und Midrasch genährt und auch auf die Bibel übergetragen, verdrängte den Geschmack an den gesunden Ansichten, welche in einer rasch entfalteten und reichen exegetischen Literatur entwickelt waren; die Werke eines Menachem ben Chelbo, Josef Kara, Samuel ben Meir, Josef Bechor Schor traten in den Hintergrund, wurden vergessen, und ihre Namen selbst schwanden aus dem Andenken, wenn sie nicht, wie bei S. b. M., durch andere mehr der Zeitrichtung entsprechende von ihnen verfaßte Werke sich erhielten. Noch schlimmer erging es den Männern, welche im Oriente vom 13. Jahrhunderte an auftraten. Zwei Jahrhunderte und drüber findet dort eine gänzliche Zersetzung aller staatlichen Verhältnisse statt, die Culturbewegung geräth in Stocken, die Verfinsterung nimmt immer zu, und sie bedeckt Schriftsteller und Werke, die, wenn sie auch nicht Neues schufen, doch mit gesundem Sinne das verbreitete ächte Geistesgut sammelten und ordneten, mit dichtem Dunkel, so daß es kaum unserer Zeit gelingt, sie an's Helle Tageslicht zu fördern und sie wieder in die ihnen gebührende Stellung einzusetzen. Das Widerfuhr nicht blos Männern, die in arabischer Sprache ihre Werke abfaßten, weil der Kreis dieser Sprache sich für die jüdische Literatur immer mehr verengte, wie Thanchum Jeruschalmi, sondern auch Solchen, die in dem Allen mundgerechten Hebräisch schrieben, wie