Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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300 IV. Ludwig Geiger. der Geschichte, hier unbeirrt von dem Interesse der streitenden Par- Leien, das Wahre zu zeigen. Es ist mit dieser unveräußerlichen, ich möchte sagen, heiligen Pflicht, deren Berechtigung — als wenn es eines solchen Nachweises überhaupt bedurft hätte — zuerst in großartigem Maßstabe von Lessing gezeigt worden ist, gerade in neuester Zeit ein häßliches Spiel getrieben worden. Man hat das Gute auf die Spitze getrieben, ja übertrieben, und hat mit sogenannten Rettungen Charaktere als glänzend und rein herzustellen versucht, deren dunkle Schwärze durch kein Reinigungsmittel abzuwaschen gelingen wird. Ich hoffe nicht diesem Vorwurf zu unterliegen. Es fällt mir nicht ein, Pfefferkorns ganzes Beginnen rechtfertigen zu wollen, im Gegenlheil : ich verdamme das Unternehmen, ich verdamme die Mittel. Aber deswegen seinen Charakter mit den schwärzesten Farben zu malen, deswegen ihm Verbrechen anzudichten, die er nicht begangen hat, das entspricht der historischen Gerechtigkeit nicht. Wenn ein Urtheil über ihn an dieser Stelle abzugeben erlaubt ist, so kann man sagen: Er war ein Mensch, erfüllt von dem heftigsten Fanatismus. Er war zum Christenthume übergegangen, er versuchte durch Schriften und Ueberredung seine früheren Glaubensgenossen zu bekehren. Sein Plan gelang ihm nicht; durch Widerspruch gereizt wurde er heftig, schmähsüchtig und gewaltthätig. Er und seine ganze Partei — und Alles, was diese gethan hat, um die gesunde Culturentwickelung Deutschlands aufzuhalten, hat man gern ihm in die Schuhe schieben wollen — wurzelte noch in der alten Zeit, in den Anschauungen des geistesbefangenen Mittelalters, während der Geist sich nach einer neuen sehnte und mit Kraft zu ihr sich durchzuarbeiten verstand; er wollte den Geist unter das Alte knechten und fiel mit unter die Trümmer, die dieses begruben. Die Vorwürfe die ihm gemacht wurden, find enthalten in den Schriften seiner Gegner, hauptsächlich in den Dunkelmännerbriefen. Diese sind keine objektive Geschichtserzählung, sie sind eine satirische Schrift. Die Verfasser hatten es sich zur Aufgabe gesetzt, Pfefferkorns und seiner ganzen Partei Pläne zu vereiteln, ihn selbst in den Augen der Welt moralisch zu vernichten. Sie suchten alles auf, was dazu dienen konnte, sein früheres und jetziges Leben, seine Handlungsweise, seine Gesinnung zu verdächtigen, sie wollten es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Die einzelnen An-