Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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295 Johannes Pfefferkorn. findet sich unter den Juden der Name Pfefferkorn nicht allzuselten?) Von seinen Eltern wissen wir nichts, er erwähnt nur einmal, daß er der ״eingeborne" Sohn derselben gewesen sei (s. u.) Ueber den Ort, wo er geboren, hat er in seinen Schriften keine Angabe hinterlassen. Gewöhnlich wird nach einer Stelle der Dunkelmännerbriefe (I, 34) quando fuit adhuc Judaeus in Moravia angenommen, er sei in Mähren geboren. Doch wird das durch die Stelle noch gar nicht erwiesen, denn sie kann nur besagen, daß Pfefferkorn als Jude sich einige Zeit in Mähren aufgehalten habe. Grätz, der in dieser Stelle der gewöhnlichen Annahme folgt, will damit seine Hypothese in Einklang bringen, Pf. sei in Prag geboren, ״weil Mähren und Böhmen damals fast nur ein Land bildeten", worauf ich des Näheren nicht einzugehen brauche. Eine andere Vermuthung glaube ich aufstellen zu dürfen, daß Pf. aus Nürnberg stamme. Es findet sich nämlich in Nürnberg im I. 1386 ein Jude Pfefferkorn 2) und da, soweit ich sehe, von diesem Jahre an bis zur endgültigen Vertreibung 1499, keine Verfolgung der Juden in Nürnberg stattgefunden hat, so ist kein Grund vorhanden, anzunehmen, daß sich im Laufe der Zeit der Name oder die Familie verloren haben sollte. Aber auch dafür, daß unser Pfefferkorn, und zwar als Jude in Nürnberg gelebt habe, besitzen wir ein urkundliches Zeugniß. Am 10. Sept. 1506 stellt der Rath der Stadt Nürnberg dem Pfefferkorn ein Zeugniß aus, daß er ihnen angezeigt habe, er sei mit seiner Frau zum christlichen Glauben übergetreten und daß er sich ״vormals Erlichen zimlich Wesens gehalten hat." 3) Darf ich die Combination weiterführen, so ist anzunehmen, daß Pfefferkorn 1499 mit den ausgewiesenen Juden aus Nürnberg zog und in dem nicht allzuweit gelegenen Städtchen Dachau Wohnung nahm. Auch darüber besitzen wir ein urkundliches Zeugniß. In einem Attest, das der Rath *) Vgl. einige bei Grätz S. XXI; andere bei Zunz: Namen der Inden S. 68. 2) Hegel, Chroniken der deutschen Städte rc. Nürnberg I, S. 122, bereits von Grätz angeführt, der aber fälschlich 1486 hat. 3) Pfefferkorns Streydtpuechlyn (1516) F. 1 d fg., eine sehr seltene Schrift, die nicht, wie Grätz* meint, das Original zu Pfiffes defensiv, (abgedruckt bei Böcking Hutt. opp. VI, p. 81—176) ist, sondern später als diese und die zu ihr gehörige deutsche Schrift die ״Beschyrmung",. erschien.