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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 4 (1869) · p. Seite 285

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
4 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 285 (sequence 45)
Language
German
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III. Der Stamm Benjamin. 285 weil eine Zurücksetzung Benjamins enthaltend, das sich doch mit dem herrschenden Juda innigst vereinigt hatte, unangenehm berührt und man dafür ״Ephraim" gesetzt habe. Doch ist die sehr interessante Geschichte dieses Stammes noch nicht geschrieben, nur eine beachtenswerte Bemerkung ist unterdessen gemacht worden; versuchen wir eine kurze Skizzirung dieser Geschichte. Benjamin ist der jüngste der Stämme, er hat sich am Spätesten zu einer Einheit gestaltet, am Spätesten seine Selbstständigkeit errungen und sich einen Landbesitz erworben, und zwar in Mitten der beiden mächtigen Stämme Joseph (Ephraim) und Juda. Joseph liebt ihn zärtlich, er betrachtet ihn als Glied seines eigenen Körpers,, er ist der jüngere Sohn auch seiner ״Mutter", und diese nennt ihn daher: Ben-Oni, Sohn meiner Kraft **). Nicht minder schützt ihn Juda, wenn ihm Gefahr droht, etwa auch gegen Vergewaltigung von Seiten Ephraims; als seinen nördlichen, ihm rechts liegenden Gränznachbar nennt ihn Juda oder der gemeinsame Vater Jakob: Benjamin, den rechtseitigen Sohn. Er schließt sich zuerst offenbar eng an Joseph an, er lagert bei Ephraim und Manasse (4 Mos. 2, 22), wird daher auch unmittelbar nach ihnen gezählt (das. 1, 36), und das Opfer seines Stammesfürsten zur Weihe der Stiftshütte folgt auf das der Fürsten jener zwei Stämme (das. 7, 60). Da ist er noch der am Wenigsten zahlreiche Stamm — mit Ausnahme Manasse's —, erst später (das. Cap. 26), wie es scheint, ist er herangewachsen und überragt nicht blos die frühzeitig untergegangenen Stämme Rüben, Simeon, Gad, sondern auch Ephraim. Die Eifersucht der Stämme unter einander, welche nur ungern, nur der augenblicklichen Noth gehorchend eine straffere Einheit sich gefallen lassen und sich einem Oberhaupte fügen, wird gesteigert durch das Gelüste der zwei mächtigen Stämme, Ephraim und Juda, die Hegemonie zu erringen. So bedeutend Juda ist und so wenig es sich je unter Ephraim beugt, so gelingt es doch diesem zuerst, sich die Anerkennung der meisten Stämme zu erwerben; es währten Gaben, so habe die Macht Josephs und Saulus wie die Weihe Siloh's nur vorübergehend bestanden; wenn der Midrasch nun dafür unfern V. zum Belege bringt, so würde Saul in demselben nicht erwähnt sein, wenn er nicht ״Benjamin" gelesen hätte. *) ארן und ארן heißt immer: Kraft, nur oft in schlechter Bedeutung: Gewaltthat, Frevel.

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