Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Veranlassung. 243 bewirken, weil sie die Entlehnung des erprobten Guten von einander nicht abweisen. Gerade dazu, zur verbreiteten Bekanntschaft mit dem bereits an einigen Orten Eingeführten, zur Erleichterung der gegenseitigen Entlehnung wird die öffentliche Besprechung in der Literatur und in größeren Versammlungen beitragen. Sie wird blos allmälig erfolgen, aber sie folgt sicher,. wenn auch die Beschlüsse der letzteren, wie z. B. der Leipziger ״Synode", nur wenig alsbaldige Einführung finden mögen. Und dies ganz natürlich. Denn man mag der ״Synode" noch so sehr das verdächtige Lob des Conservatismus ertheilen, so werden sich Gemeinden, welche ihre romantischen Anwandlungen nicht besiegen können, nicht aus Fügsamkeit in deren Ausspruch dazu entschließen, die Bitte um Rückkehr nach Jerusalem, Wiederaufbau des Tempels nebst der Darbringung der blutigen Opfer daselbst zu beseitigen; man mag umgekehrt dieselbe als freisinnig verherrlichen, so werden andere Gemeinden sich dennoch von ihr nicht bewegen lassen, den dreijährigen Cyklus aufzugeben, nicht bewegen lassen, ferner wieder einzuführen, daß ihnen am Sabbathe vor Purim die Vorschrift, das Andenken Amalek's zu vertilgen, eingeschärft, an einem folgenden Sabbathe die Procedur der Reinigung mit der Asche der rothen Kuh in Erinnerung gebracht werde. Allein jedenfalls werden die Gegenstände dadurch mehr die allgemeine Beachtung gewinnen, und das schließliche Resultat wird sein, daß nicht blos Sachor und Parah immer allgemeiner wegfallen, sondern auch daß noch entschiedener vorgegangen werden wird, daß man sich weder beim einnoch beim dreijährigen Cyklus beruhigen, sondern zu einer Perikopen- Auswahl, d. h. zu einer Ausscheidung der für die öffentliche Vorlesung ungeeigneten Stücke schreiten, ebenso die Gebete, welche Jerusalem, den persönlichen Messias, die blutigen Opfer, die Erinnerung an das Menschenopfer (die Akedah) berühren, mit entschiedener Consequenz beseitigen wird u. dgl. m. Jedenfalls wird die Hauptsache auch weiter noch von thatkräf- Ligen Gemeinden ausgehen müssen, ihr Vorgang wird im Laufe der Zeit allgemeinere Nachfolge finden. Mit Vergnügen ergreife ich daher die Gelegenheit, die Vereinbarungen, welche hier getroffen worden, schon jetzt einem weiteren Kreise zugänglich zu machen. Schon seit vielen Jahren hat sich in hiesiger Gemeinde der Mangel eines wohlgeordneten Gebetbuches zumal für die Feier des Neujahres und des Versöhnungstages fühlbar gemacht; die losen