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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 212

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 212 (sequence 132)
Language
German
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212 Umschau. nicht genügend zur Geltung gekommen in der tonangebenden kritischen Behandlungsweise, ich meine: die schärfere Charakteristik der einzelnen israelitischen Stämme und der inneren Kämpfe, die sie mit einander geführt, die Betonung des bald in diesem bald in jenem mächtigeren Stamme hervortretenden Strebens nach Hegemonie über die Gesammtheit. Die geschlossene Einheit innerhalb des Stammes Juda, die demselben dann auch die Oberhoheit über den Rest der dem Untergange entronnenen Stämme und Stammes- Lheile zuführte, hat unendlich viel auch zur Umgestaltung des Glaubens nach allgemeinen Einheitsprineipien beigetragen. Wie sie mit der ausschließlichen Anerkennung des einen Tempels in Jerusalem, mit der Beschränkung der Berechtigung des Opferdienstes auf diesen einen Tempel und Aehnlichem durchgedrungen ist, so hat sie auch die ganze religiöse Anschauung vereinfacht und den Begriff der Einheit Gottes zu vollerer Klarheit und Geltung gebracht. Die judäische religiöse Reform war eine sehr umfassende, viel umfassender als sie sich später erhalten hat, da dann die Versuche zur Ausgleichung mit Ueberresten der Literatur und der religiösen Gewohnheit, wie sie aus andern Stämmen hinzutraten, wieder vielen älteren, in Juda beseitigten oder bekämpften Bestandtheilen normative Anerkennung verschafften. Jedoch von diesem Gesichtspunkte aus, wenn auch die Aufmerksamkeit auf ihn schon mehrfach gelenkt worden, ist die Geschichte Jsrael's noch nicht genügend in's Auge gefaßt worden. Reville bietet uns das bisher Geleistete in faßlicher Uebersicht, und wir sind ihm auch dafür dankbar. Er geht entschieden von der Ansicht aus, daß die Religion Jsrael's nicht mit einem Male fertig aufgetreten sei, dann immerfort von Rückfällen bedroht worden und endlich siegreich durchgedrungen sei, er erkennt vielmehr, daß sie zuerst in tastenden unklaren Versuchen hervorgetreten und sich erst allmälig in sich zu größerer Klarheit und Bestimmtheit durchgerungen habe. Er versucht den einzelnen Entwickelungsstufen nachzugehn, hält daran fest, daß die Eigenthümlichkeit des semitischen Stammes und die Eigenartigkeit der Anlagen in dem israelitischen Stammescharakter die Erklärung für die ganz besondere Erscheinung des Judenthums darbieten müssen; dem Einflüsse Aeghptens kann er höchstens eine Anregung, nicht aber eine Uebertragung zuerkennen. Als Probe der Behandlungsweise möge hier eine Stelle in

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