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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 206

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
2-3 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 206 (sequence 126)
Language
German
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206 Umschau. siegreich durchdrang (vgl. diese Ztschr. Bd. VII S. 6 ע ff.). Dieser Kampf in dem entstehenden Christenthume, wo den erweiternden Tendenzen des Paulus gegenüber die alten Apostel, an ihrer Spitze mit schroffer Entschiedenheit Jakobus, unsicher schwankend Petrus, auftraten, wird besonders lichtvoll dargestellt. Von hohem Interesse ist es zu untersuchen, wie sich diese Personen in den Traditionen der Juden und Judenchristen abspiegeln. Paulus erscheint den letzteren als ein Bileam, der Israel zu Götzenmahlzeiten und zur Buhlerei, d. h. zu Ehen mit Heiden, verführe, ein Vorwurf, welchen die Juden dann auf Jesus selbst übertrugen (vgl. diese Ztschr. Bd. VI S. 31 ff., bei R. S. 304, Uebersetzung S. 280).x) Umgekehrt erscheint den Judenchristen Jakobus als die eigentliche Säule der neuen Religion, er ist der Hohepriester, er heißt deßhalb Wohl auch ״der Zaddik, Scxaiog, der Gerechte" in jener prägnanten Bezeichnung, welche den hervorragenden, priesterlich lebenden Mann schmückt, während Paulus gerade im Gegensätze dazu die ״Zedakah", wie sie dem Abraham beigelegt wird, nicht mit Jakobus (Brief 2, 21) auf dessen Bereit- Willigkeit zum Sohnesopfer bezieht, sondern in dem Glauben erblickt (Galater 3, 6 ff.). Die schwankende und vermittelnde Stellung, welche Petrus einnahm, machte ihn, wie das so häufig in der Weltgeschichte vorkommt, zu dem von allen Parteien Anerkann- Len und erhob ihn zum Apostelfürsten, dessen Thron noch heute sein Nachfolger als päpstliches Haupt der Christenheit krampfhaft umklammert. Ganz eigenthümlich ist, wie sich die Vorstellung von Petrus unter den Juden ausbildete. Die Juden des Mittelalters betrachten Simon Khefa (כיפא, der aramäische Name für Petrus, Fels) als einen treuen Juden, der die Rolle eines Christgläubigen und Verkünders der neuen Lehre nur angenommen, um die volle Scheidung der neuen Secte von dem alten Stamme zu bewirken und dadurch den heftigen Streitigkeiten, welche die Juden beunruhigten, solange noch die Judenchristen in ihrer Mitte weilten, ein Ende zu machen. Dies gelang ihm, er selbst aber> hochverehrt *) Woher R. dazu kommt, die Sage, Paulus habe die Tochter des Hprs. heirathen wollen, mit einer Hinweisung auf den Tractat Gerim c. 1 zu belegen (S. 306, Uebers. S. 282), ist mir unbegreiflich, da sich dort keine Spur davon findet. — Ueber den angeblichen und vereitelten Versuch, den Paulus zur Bestechung zu veranlassen (S. 538, Uebers. S. 451), ist Bd. VII S. 186 gesprochen.

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