Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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80 VI. M. Rosenberg und K. Köhler. muthet? Um von den Geschlechtsverzeichnissen einen Uebergang zu Saul zu finden, muß er die bereits zu Ende von Cap. 8 aufgeführte Liste der Gibeoniter in Cap. 9 noch einmal wiederholen, um da inmitten der Namensauszählung bei? der Saulschen Familie stehen zu bleiben und daran die Geschichte von der Niederlage Sauls und seiner Familie anknüpfen zu können! Und dazu muß er uns gar unvorbereitet nach der langen Reihe todter Namen in eine Kriegsscene einführen mit den Worten: ״Und die Philister führten Krieg mit Israel", ohne daß wir von dem Volke Israel und seinem Herrscher auch nur das Geringste erfahren haben! Sollte der sonst so geschickt verfahrende Geschichtsschreiber hier so rathlos gewesen sein? Eine Combination, die sich durch sich selbst bestätigt, wird uns aus der Verlegenheit helfen und über das Ganze ein helleres Licht werfen. Ein Vergleich mit dem letzten Capitel des I. Buchs der Könige resp. Samuel's, lehrt uns, daß das 16. Cap. von V. 1—12, mit wenigen, theilweise absichtlichen, kleinen Veränderungen, eine wörtliche Wiedergabe jener Erzählung ist, die dort die ausführliche Geschichte Sauls passend abschließt. Hier wollte die priesterliche Geschichtsschreibung einsetzen und in ihrem Sinne weiter erzählen. Nachdem sie die Geschichte Sauls mit den Worten der prophetischen Erzählung zu Ende geführt und die Treulosigkeit gegen die Priesterschaft (I. Sam. 22,18) als Ursache seiner Niederlage angedeutet hat, will sie die Thronbesteigung David's, mit Umgehung der Kämpfe gegen noch lebende Prätendenten vom Hause Saul's, und die weitere Geschichte der Befestigung des davidisch-salomonischen Regentenhauses mit Priesterlicher Ausschmückung scheinbar urkundenmäßig erzählen und die prophetischen Berichte verdrängen. — Die ersten 9 Kapitel dagegen gehören gar nicht in die ursprüngliche Anlage des Buches. Capp. 2—8 find Reste mehr oder weniger alter genealogischer Tabellen aus dem Tempelarchiv vielleicht genommen. Sie mögen gleichzeitig mit dem Priestergeschichtsbuche herausgenommen worden sein, als dieses, seinen Zweck nicht erreichend, ein Torso geblieben war. Sie konnten doch durch verschiedenes Flickwerk am Anfang und Ende ergänzt, dem Buche wenigstens einen nothdürftjgen Anfang geben. (Fortsetzung folgt.)