Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2421001-2421002--2329-2423178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Juden im großen deutschen Bauernkriege 1525. 65 auch ein Jude den Todesstreich empfing; *) ob dieser irgendwie in den Aufruhr verwickelt gewesen, läßt sich jetzt nicht mehr entscheiden. — Aber das schärfste Licht auf die herrschaftliche Gesinnung wirft die Antwort der Anwälte der Elsässischen und Suntgauischen Ritterschaft auf den vorhin mitgetheilten Artikel ihrer Bauerschaften, in welchem die Vertreibung der Juden gefordert wird. Während nämlich diese Ritter die Mehrzahl der vorgebrachten Forderungen sofort als gänzlich unberechtigt mit höhnischem Stolze zurückwiesen oder nicht sich selbst, sondern die Städte oder die Fürstliche Durchlaucht (F. D.) den Erzherzog von Oesterreich zur Entscheidung für competent erachteten, beantworten sie diesen Punkt mit einem aus dem Herzen kommenden Zusatz dergestalt: ״Des zwciundfünfzigsten Artikels beladen wir uns nit, gehört F. D. (dem Erzherzog) zu;möchtendensonstsür unsere Personenwol lyden."2) Also Schutz konnten die Gequälten von solchen nicht hoffen, welche der Stimme der Angreifer ein freudiges Echo gaben! Auch das Urtheil der 5 Schweizer Orte, welche als Schiedsrichter die Verhandlungen leiteten, hat kein vermittlendes Wort für die Unterdrückten, sondern beschränkt sich auf die Entscheidung: ״Als dann die Unterthanen vermeinen, alle Juden aus dem Land zu treiben, das soll der Oberkeit anheimgestellt sein, die Juden zu vertreiben oder in ihren Gebieten bleiben zu lassen." 3) Auch sonst kann ich nicht finden, daß die Herrschaften ein Wort der Vertheidigung für die Angegriffenen gehabt hätten. — Eine rühmliche Ausnahme macht allein die Stadt Frankfurt a. M. Kaum hatte hier die leidenschaftliche Aufregung die unteren Volksklassen ergriffen, als das ״Bubenvolk" sich rüstete, über die Juden herzufallen (19. April) * 2 * 4) und diese hatten nur mannhaften Bürgern, welche mit gewäffneter Hand die Muthwilligen zurücktrieben, ihre Rettung zu verdanken. Um so bedrohlicher schien die Lage der Frankfurter Judenschast zu werden, als Anfangs Mai der Helle Hausen unter Götz von Berlichingen und Georg Metzler den Thoren Frankfurts immer näher kam, Miltenberg plünderte, *) Zimmermann II S. 511. 2) Schreiber: Urk. zum Bauernkrieg Heft 3 S. 31 (die Ritter befolgen eine andere Zählung der Artikel als die Bauern). Schreiber a. a. O. S. 45. 4) A. Kirchner: Geschichte der Stadt Frankfurt a. M. 1810. Theil II. S. 30. Dr. Georg Ludwig Kriegk: Frankfurter Bürgerzwiste und Zustände im Mittelalter 1862 S. 159. Bierleliahresjchnft VIII. 1. 5