Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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36 . HI. Mmachem, der Messias, sich identificirt, und das Verfahren solcher sich aufwerfenden Kriegs- Häuptlinge mit ihren Schaaren, bei ihrem mühseligen Kampfe nicht immer die regelmäßigen Geleise einzuhalten im Stande, je nach den Parteistandpunkten sehr verschieden beurtheilt wird. Der Sohn des Hiskia war Juda der Gaulanite oder Galiläer, der Stifter des Kannaim- (Eiferer- oder Zeloten-) Bundes, der gleichfalls als Märtyrer seiner Ueberzeugung fiel und der unter seinen Anhängern fortlebte, so daß Josephus seine ״Sekte" als vierte neben den drei großen Parteien: der Sadducäer, Pharisäer und Essäer als vierte aufzählt. Dessen Sohn nun war Menachem, der zuerst offen die Fahne der Empörung gegen die Römer erhob, sich auf kurze Zeit zur Dictatur emporschwang, aber frühzeitig unter den Streichen von Nebenbuhlern fiel. Doch erhielt sich sein Andenken als d?s Anfängers des verzweifelten Kampfes, und in diesem Sinne gedenkt seiner auch Josephus in seiner eigenen Lebensbeschreibung c. 5, und wiederum bezeichnet er auch ihn und seinen Anhang als Räuber. Die Pharisäer der damaligen Zeit standen mit diesen rücksichtslosen Republikanern, mit diesen Alles aufs Spiel setzenden,offenen Feinden der römischen Oberherrschaft, welche dieser jede Anerkennung verweigerten, nicht auf gleichem Standpunkte; sie waren die gemäßigten und vorsichtigen Vaterlandsfreunde, sie wollten eine Verständigung mit den Römern anbahnen, ihr Hauptanliegen war, ihre religiöse Selbstständigkeit zu wahren, und sie fügten sich darein, eine bürgerliche Botmäßigkeit, soweit die Umstände sie einmal auferlegten, zu tragen. Der stürmische Eifer dieser Briganten-Heroen erschien ihnen als zum vollen Untergange hinführend, und so standen sie ihnen feindlich gegenüber. Es ist natürlich, daß die thalmudische Literatur, indem sie die pharisäischen Traditionen wiedergiebt, auch in ihren kargen geschichtlichen Erinnerungen an deren Standpunkte festhält. Sie hat daher im Allgemeinen keinen Raum zum Berichte jener opfermuthigen Thaten, und wo sie dennoch der Personen und ihres Wirkens gedenkt, da geschieht es dann gewöhnlich mit tadelndem Seitenblicke. Dennoch wäre es auffallend, wenn nicht auch verherrlichende Volkserinnerungen in den thalmudischen Geschichtstrümmern sichtbare Spuren zurückgelassen haben sollten. In dem verzweifelten Kampfe um das ganze Volksleben vereinten sich alle Kräfte, vermischten sich die Parteifchattirungen, der innere Hader schwieg vor dem Kriegslärm gegen den gemeinsamen Feind.