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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 1 (1870) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
1 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 5 (sequence 8)
Language
German
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I. Die Versammlung zu Leipzig. 5 ihren abweichenden Standpunkten die Durchdringung des höheren jüdischen Gedankens, dessen Ausprägung in allen Institutionen, den erweiterten Einfluß des Judenthums zur Erhebung und Befreiung des Geistes in der ganzen Menschheit gefördert haben. Die Thatsache kann nicht verdunkelt werden, daß die Leipziger ״Synode" nicht befriedigt hat. Das allgemeine Urtheil lautet dahin, daß ihr das Gepräge der Schwächlichkeit aufgedrückt gewesen, daß die Philippson'sche Erklärung blos die Tendenz einer Reclame nach Außen verrathen habe und ohne Kraft, ein consequentes Verfahren nach Innen hervorzurufen, nicht blos werthlos gewesen, sondern dem Ganzen von vorn herein einen verschwommenen Charakter gegeben habe, daß die darauf folgenden Besprechungen gottesdienstlicher Fragen sich an Geringfügiges angeklammert haben, da ihnen ein jedes tiefere Eingehen auf Grundanschauungen gefehlt habe, daß sie eine principielle Ängstlichkeit vor entschiedener Freifinnigfeit gehabt, daß sie eben an der Gesinnung gekrankt habe, welche so mulhig ist einige Schritte zurückzuweichen und so kühn conservativ zu — scheinen. Dieses Urtheil mag etwas zu hart sein, und ist dennoch nicht ungerecht. Zu hart ist es insofern, als es den anwesenden Mitgliedern das zur Last legt, wofür die Verantwortlichkeit der gesammte freisinnige Theil der deutschen Judenheit zu tragen hat. Warum fehlten so viele freisinnige Rabbiner? warum waren so viele der entschiedenen Richtung huldigende Gemeinden, namentlich des ganzen südwestlichen Deutschlands, nicht vertreten? Haben sie dann das Recht, die Bersammlung anzuklagen,- weil sie mit einer oder wenigen Stimmen Majorität zaghafte Beschlüsse faßt? Zu hart insofern, als eine größere Versammlung mit Laien-Elementen zum ersten Male zusammentrat, als die Rabbiner selbst nach langer Unterbrechung mit einer gewissen Scheu die Oeffentlichkeit betraten; zu hart als die ganze Versammlung zu büßen hat, was die liturgische Commission gefehlt, deren Bericht, wenn man dieses Aggregat von kleinlichen oder haltlosen Vorschlägen so nennen darf, die größte Unbeholfenheit an den Tag legte und die dennoch für diesen die Priorität verlangt und — was allerdings Schwäche der Versammlung war — e r langt hat. Doch jedenfalls war diese erste Versammlung ein Versuch, der unreif zu größerer Reife hintreiben wird und muß. Einer ins Einzelne gehenden Beurtheilung der Discussionen

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