Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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242 Die Rabbiner - Versammlung. Erwägungen erweckt, den vorhandenen neue Beleuchtung gegeben, Belehrungen, sich an greifbare Fragen anknüpfend, verbreitet, die Gedankenlosigkeit, das voreilig fertige Ergebniß beider Seiten mächtig erschüttert. Damit werden dann praktische Resultate, für die Zukunft vorbereitet, wenn auch nicht fertige für den Augenblick gewonnen. Für durchgearbeitete Fragen, die blos des gemeinsamen schließlich entscheidenden Ausspruches harren, bedürfte es am Ende kaum der Versammlung; tritt sie ja doch nicht mit gesetzlichen, die Praxis regelnden Befugnissen bekleidet zusammen, liegt ja die Entscheidung immer in der Hand der Gemeinden, welche, nicht wie in andern kirchlichen Verbänden, die volle Selbstbestimmung haben. Die Versammlung kann daher nur die Mission haben zu belehren, nach allen Seiten klar zu legen, durch die Erörterung, wie sie von verschiedenen Standpunkten aus sich erhebt und sich gegenseitig läutert, die leitenden Gedanken zum Bewußtsein zu bringen. Es ist demnach durchaus nicht unpraktisch, vielmehr gerade recht tief einwirkend, wenn die ״Principien", auf welche man hie und da als unfruchtbar etwas vornehm herabsieht, recht entschieden zur Sprache kommen, wenn auch nicht in abstracter Form, sondern an der Hand von Fragen, die in das Leben eingreifen, und deren Beantwortung begründend. In gesetzgebenden Versammlungen mag das nackte Gesetz, welches aus den Berathungen hervorgeht, das Wesentliche sein, obgleich auch hier erst die maßgebenden Triebfedern ihm Leben einhauchen oder todte Starrheit ihm mitgeben; in Versammlungen, welche religiöse Fragen behandeln und dem religiösen Bewußtsein zum richtigen Ausdrucke verhelfen wollen, wird die Motivirung der Aussprüche von größerer Wirkung sein als diese selbst. Eine Versammlung von Rabbinern, als Männern, welche durch ihre wissenschaftliche Vorbereitung und Fortbildung mit der genügenden Sachkenntniß ausgerüstet sind, zugleich aber durch ihre amtliche Stellung tiefe Einsicht in die Bedürfnisse der Zeit und der verschiedenen Gemeinden gewonnen haben, ist daher von hoher Bedeutung. Nicht als hätten sie das Recht oder als machten sie den Anspruch einer gesetzgeberischen Entscheidung, vielmehr werden durch eine solche die theoretischen wie praktischen Anforderungen, die fortgeschrittenen wissenschaftlichen Erkenntnisse wie die neuen Bedürfnisse der Zeit zum allgemeinen Ausdrucke gebracht, nach der verschiedenen Auffassung, wie sie sich in den mannichfach gearteten Geistern bildet, nach ihren gegenseitigen Beziehungen klarer erkannt und in das