Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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292 VI. Immanuel, Freund Dante's. ״ich fühle mich sehr geehrt, — daß du mein Buch erklärt! — alle meine Erklärer waren krank und konnten nicht gesunden, — du allein hast den heilenden Balsam gefunden." — Da kam auch schon Jeremia, — zur Linken Elisa, zur Rechten Elia, — hinter ihnen noch Baruch ben Neria, — schüttelte mir die Hand und sprach mit herzlichem Tone: — ״Du bist mir ein Siegel auf Herz und Hand, aus dem Haupt eine Krone; — hat mich ja Keiner bisher verstauden, — bis du mit deinem Commentare bist erstanden." — ״Willkommen", sprach Jesaias, der unterdessen herangetreten, — ״gehörst ja mit zu den Propheten, — hast an mir einen beredten Vertheidiger - gegen jeden Beleidiger, — du bist der ewigen Seligkeit Werth, — weil du mein Buch so gut erklärt." — Da kam auch Salomo der König, — mit ihm noch andre Schriftverfasser nicht wenig. — Die, schon von der Ferne mich erkennend, hießen mich willkommen — und haben sich gar freundlich gegen mich benommen. — Ich aber, ganz glücklich, — erwiderte den Gruß, Wie es ziemlich und schickuch. — Nun führten sie mich noch höher hinauf in die Räume der obern Edenwelt — bis zu Mose's, des Gottesmannes, Zelt. — Aber da ward ich geblendet — von den Strahlen, die sein Antlitz aussendet. — Doch er verschleierte sich demüthig — und sprach zu mir gütig: — ״Bist ein seltner Mensch! ein Mensch mit einer Seele, die beschmutzt, — und hast doch deine Fähigkeiten zur Erklärung der prophetischen Schriften benutzt! — Nicht weil dein Herz gerade und dein Wandel gerecht, — sondern weil deine Schrifterklärung einfach und ächt, — bleibst du bewahrt vor der Hölle Pein — und gehst in's ewige Leben ein." " — In Anschluß an diese Würdigung Immanuels folge nun die Darstellung seines Verhältnisses zu Dante, wie der bereits genannte Aufsatz im ״Magazin re." dasselbe entwickelt: ״Es ist längst anerkannt, daß auch im Mittelalter, in jenen Jahrhunderten schroffster Absonderung, die Juden ihren reichlichen Beitrag nicht blos zur Entwickelung ihrer eigenthümlichen Literatur, sondern auch zur Förderung der Wissenschaften im Allgemeinen geliefert haben. . . Wenn es jedoch niemals an Männern der Wissenschaft fehlte unter den Genossen der jüdischen Religion, so möchte man dennoch glauben, daß bis zur neuen, mit Mendelssohn beginnenden Zeit ein Jude nicht in den Kreisen heimisch sein konnte, welche in der Ausbildung des Volksthümlichsten, der vaterländischen