Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Immanuel, Freund Dante's. 289 zu dieser Zeit noch nicht verlassen. Es fehlt bei ihm allerdings nicht an ernsten Liedern, aber seine Stärke besteht in Scherz und Spott. Von einem komischen Effecte ist sogleich am Beginne seiner Makamen sein Selbstlob; die spanischen Dichter verkünden Dies mit der ganzen Grandezza des Hidalgo, bei Immanuel erscheint es in lustigen Sprüngen des Policinello. Aller Schranken spottet er im Lobe der schönen und in Verspottung der häßlichen Frauen, und die Verhöhnung des ״Hörnerträgers" hält sich durchaus nicht innerhalb der Gränzen des Anstandes. Aber auch sonst bietet er des Drolligen nicht wenig, und soweit es das Schicklichkeitsgefühl nicht verletzt, mag dieser weise Rabbi mit dem Satyr-Antlitze vor dem Publicum erscheinen. ״Er will einen langen Menschen beschreiben und sagt von ihm: Der Mensch ist so lang wie das Wav in Waisatha *) — und wie der Galgen des Haman Sohnes des Hamdatha, — so lang wie der Frauen Reden — und des Versöhnungstages Nöthen, — wie die Werke Samuel's des Thibboniden — und die des Saadias 1 2), er ruhe in Frieden! ״Von einem Menschen, der ihm widerwärtig, sagt er: Ich hasse ihn so tüchtig, — wie der Liebende die Frau, die züchtig, — wie die Frau grämlich auf den Verschnittenen schaut — und die Jungfrau auf den, dessen Haar ergraut, — wie die Häßliche den Spiegel meidet, — und wie der Tochter der Lust der Enthaltsame ist verleidet. ״Für den Bibelkenner sind noch ergötzlicher seine dreisten Späße, mit denen er angeblich in einer Gesellschaft Unwissender auftritt und von ihnen mißverstandene Bibelverse in geistreichen Unsinn umgestaltet. ״Seinen Höhepunkt erreicht Immanuel in seiner, dem Dante nachgebildeten Höllen- und Paradiesesfahrt. In der Hölle sieht er — Wohl nicht ohne Ironie — auch die Männer, die er als Philosophen hoch verehrt, die aber des Glaubens entbehrten: Dort siecht Aristoteles, bleich und entstellt, — weil er geglaubt an die Ewigkeit der Welt, — dort wird es an Galen, dem großen Arzte, gerochen, — daß er vorwitzig gegen Moses gesprochen. — Dort hat's Alfarabi zu beklagen, — daß er sich 1) In dem Worte: Waisatha (Esther 9, 9) soll das Wav lang gezogen werden. 2) Zwei berühmte Schriftsteller, deren Werke dem Immanuel langweilig erschienen. Vierieljahresschrisr V. 4. 19